Wilhelmsdorfer Hochhaus wird jetzt „pulverisiert“

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Auch nach Einbruch der Dunkelheit gehen die Arbeiten am Abriss der ehemaligen Gotthilf-Vöhringer-Schule in Wilhelmsdorf planmäßi
Auch nach Einbruch der Dunkelheit gehen die Arbeiten am Abriss der ehemaligen Gotthilf-Vöhringer-Schule in Wilhelmsdorf planmäßig weiter. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Der Abriss der ehemaligen Gotthilf-Vöhringer-Schule in Wilhelmsdorf ist in vollem Gange. Nachdem jetzt alle Gebäudeteile einschließlich Garagen rund um das 27 Meter hohe Gebäude dem Erdboden gleich gemacht wurden, geht es im Februar an das Hochhaus selbst. Mitte März sollen alle Arbeiten erledigt sein. Das erklärte Projektleiter Michael Messner bei einem Rundgang über die Baustelle im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung.

Abgesehen vom anhaltenden Vodafone-Funkloch beherrscht kaum ein anderes Thema die Gespräche in der Bevölkerung so wie der Abriss des seit Anfang der 70er-Jahre ortsbildprägenden Hochhauses. Kein Wunder, da seit Anfang November für jedermann sichtbar ist, welche Anstrengungen notwendig sind, den weitläufigen Gebäudekomplex rückzubauen, wie es in der Fachsprache heißt. Außerdem sind die Geräusche der Abbrucharbeiten im ganzen Dorf zu hören, wobei vom Lärm in erster Linie die unmittelbaren Nachbarn betroffen sind.

Spezialfirma am Werk

Der Blick durch den Bauzaun bietet nur eine unvollständige Übersicht zu den Abläufen eines solchen Projekts. Die gewaltigen Dimensionen erschließen sich dem Besucher direkt neben den großen Baggern, den aufgerissenen Kellerräumen und den riesigen Schutthaufen mit Abbruchmaterial rund um die frühere Schule.

Das Gebäude gehört dem Wilhelmsdorfer Sozialunternehmen Die Zieglerschen. „Wir sind im festlegten Zeitplan“, zeigt sich Architektin Althoff erfreut.

An den Abbrucharbeiten beteiligt sind sieben so genannte Entkerner, die im Inneren des Hochhauses alles entfernen, was nicht der Statik dient. Dazu kommen zwei hoch qualifizierte Maschinisten, die die für diese Arbeiten spezialisierten Bagger bedienen sowie drei Sortierer. Diese trennen im Abbruchmaterial enthaltene Metallteile und sonstige Materialen, die nicht dem eigentlichen Bauschutt zuzurechnen sind.

Weniger Belastung als befürchtet

Während der Arbeiten stellte es sich heraus, dass in dem Gebäude deutlich weniger, aus heutiger Sicht, belastetes Material verbaut wurde, als zunächst gedacht. „Es gab zwar Schadstoffe, aber nichts Ungewöhnliches. Eine Gefährdung für Anwohner war zu keiner Zeit gegeben“, versicherte der Projektleiter. Alle Beteiligten sind über diese Tatsache höchst erfreut.

Der angenehme Nebeneffekt erfreut die Wilhelmsdorfer Bevölkerung, vor allem die Anlieger an den Straßen der Baustelle. Es muss bei Weitem nicht so viel Material mit Lastwagen auf Deponien gefahren werden, wie ursprünglich befürchtet. Das ganze Abbruchmaterial mit einem Gewicht von rund 7000 Tonnen hätte geschätzt 280 schwere Laster gefüllt. Doch jetzt kommt alles anders. Der meiste Schutt kann vor Ort mit einer mobilen Recyclinganlage in handliche, kleine Stücke geschreddert werden. Diese wiederum werden in den derzeit noch klaffenden Untergrund des Gebäudekomplexes eingebaut, um die weitläufigen Hohlräume aufzufüllen. Vergleichsweise wenig Restmaterial wird zur weiteren Behandlung in großen Stahlcontainern abgefahren.

Abreißen, auffüllen, ansäen

Dieser Tage wird mit dem eigentlichen Abriss des Hochhauses begonnen. Zuvor wurde eine kleinere Fläche vor der ehemaligen Schule etwa zwei Meter hoch mit Schutt aufgefüllt. Von hier aus streckt sich der Spezialbagger mit seinem 26 Meter langen Ausleger zum obersten Rand des 27 Meter hohen Hauses empor. „Der kommt gerade so hoch hinauf, wie es notwendig ist“, erklärt Michael Messner die jetzt anstehenden Arbeiten.

Dabei werden aber nicht große Mauerstücke herausgerissen, die nach unten fallen würden. Vielmehr wird ein sogenannter Pulverisierer eingesetzt. Mit diesem Spezialansatz an der Spitze des Baggerauslegers werden die Wände Stück für Stück schon in der Höhe zerkleinert, um danach ebenfalls als Füllmaterial verwendet zu werden. Diese Arbeiten werden laut Messner rund einen Monat lang dauern. Wenn der gesamte Komplex dem Boden gleich gemacht ist, wird die ganze Fläche mit einer Schicht Humus bedeckt und angesät. Das alles soll dann bis Mitte März erledigt sein.

Anschließend kann die Bevölkerung hoffen, dass der gewohnte Fußweg zwischen Karl-Fuß-, Hoffmann- und Zieglerstraße an der Rotach entlang ins Dorfzentrum hin zum Saalplatz wieder genutzt werden darf. „Wir vermissen den Weg schmerzlich“, merkt dazu eine Passantin an. Gespräche mit der Gemeinde über Einzelheiten laufen derzeit, erklärte Christoph Arnegger. „Wir wollen es ja allen Recht machen“, versicherte er.

Zu einem Thema will sich Arnegger allerdings nicht äußern. „Zu den Abbruchkosten wollen wir nichts sagen.“ Nur so viel ist bekannt: Aus dem Ortskernsanierungsprogramm wird sich die Gemeinde mit 144 000 Euro beteiligen.

Weitere Pläne

Nach heutigen Plänen soll auf dem frei gewordenen Gelände in späteren Jahren der Neubau für die in der Nachbarschaft stehende Neuland-Werkstatt für Menschen mit Behinderung entstehen. Vor Entscheidungen zu diesem Bereich müssen Abstimmungsgespräche mit Behörden und Kostenträgern erfolgen, erklärte Christoph Arnegger, Geschäftsführer des Bereichs Facility Management bei den Zieglerschen.

Eingebunden in die weiteren Planungen ist natürlich auch die Kommunalverwaltung. „Die frei werdende Fläche ist für die Weiterentwicklung der Gemeinde Wilhelmsdorf überaus wertvoll“, wies schon früher Bürgermeisterin Sandra Flucht auf die Bedeutung der künftigen Planungen hin.

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