Wilhelmsdorf schafft neue Bauplätze

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 Wo heute noch am westlichen Rand von Wilhelmsdorf der Acker vom Landwirt bestellt wird, soll in absehbarer Zeit ein neues Wohng
Wo heute noch am westlichen Rand von Wilhelmsdorf der Acker vom Landwirt bestellt wird, soll in absehbarer Zeit ein neues Wohngebiet mit der Bezeichnung „Niederweiler Straße II“ entstehen. Die Planungen laufen auf Hochtouren. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Die Planung zur Verwirklichung eines neuen Baugebiets am Ortsrand von Wilhelmsdorf in Richtung Niederweiler geht in eine neue Phase. Der Gemeinderat beschloss in der letzten Sitzung vor den Kommunalwahlen die Aufstellung eines Bebauungsplans in einem vereinfachten Verfahren, das eine schnellere Verwirklichung des Gebiets „Niederweiler Straße II“ ermöglicht. Der von der Verwaltung vorgelegte städtebauliche Entwurf wurde einstimmig gebilligt. Probleme mit dem Verfahren hat die Liste „Natürlich anders“. Deren Mitglieder bemängeln, dass keine Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben sind, weshalb sie in diesem Punkt mit Nein stimmten.

„Wir gehen heute einen Schritt weiter bei der Schaffung neuer Bauplätze“, zeigte sich Bürgermeisterin Sandra Flucht erfreut. Nachdem in den Baugebieten „Hohe Mauer III“ in Esenhausen und „Karl-Fuß-Straße II“ im Gemeindekern fast alle Bauplätze verkauft sind, könne jetzt die Planung für zusätzlichen Wohnraum am westlichen Ortsrand von Wilhelmsdorf fortgesetzt werden. Nach Änderungen in der Gesetzeslage sei dabei ein beschleunigtes Verfahren möglich, bei dem weniger Bestimmungen berücksichtigt werden müssen. Danach ist keine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit erforderlich. Eine Umweltprüfung und Umweltbericht ist nicht notwendig, nur eine Umweltanalyse. Auf einen naturschutzfachlichen Ausgleich kann verzichtet werden. Eine Änderung des Flächennutzungsplans sei nicht mehr nötig, nur eine Berichtigung. All diese Erleichterungen sparen bei der Verwirklichung der Pläne Zeit und Geld.

Ein- und Mehrfamilienhäuser

Ann-Kathrin Kraus, Leiterin des Amtes für Bildung und Gemeindeentwicklung, erläuterte den Gemeinderäten sowie den zahlreich erschienenen Besuchern der Sitzung Einzelheiten der Planung. Danach sollen in dem neuen Baugebiet ein Doppelhaus, 13 Einzelhäuser und vier Mehrfamilienhäuser verwirklicht werden. Die Gebäude sollen nach dem vorgelegten städtebaulichen Entwurf links und rechts der dann weitergeführten Welfenstraße entstehen, die in die Niederweiler Straße einmünden wird. Damit können im Gebiet „Niederweiler Straße II“ sowohl kleinere Eigentumswohnungen als auch Einfamilienhäuser entstehen.

„Diese Planung ist noch nicht in Stein gemeißelt“, ergänzte Bürgermeisterin Flucht. Vor dem Hintergrund, dass über 60 Prozent der Bevölkerung allein oder nur zu zweit leben, seien die Mehrfamilienhäuser ein wichtiger Bestandteil der Planung. Kleinere Wohnungen seien neben den klassischen Einfamilienhäusern sehr gefragt. Ziel sei es auch, dass hier preiswerter Wohnraum entstehen soll, bestätigte Sandra Flucht auf Nachfrage. Im jetzigen Planungsstadium seien aber noch keine konkreten Festlegungen vorgesehen. Diese können in einem weiteren Schritt aufgenommen werden.

Probleme gibt es, weil westlich des geplanten Baugebiets das Gelände ansteigt. Bei starken Niederschlägen könnten große Wassermassen vom Hang herunter in die Grundstücke fließen. Modellberechnungen haben ergeben, dass dieses Niederschlagswasser am westlichen Rand des Baugebiets abgefangen und über ein sogenanntes Retentionsbecken (Wasserrückhaltebecken) in das Grabensystem eingeleitet werden muss. Damit können Schäden vermieden werden, hieß es in der Sitzung. Diskussionen gab es über den Weg, wie das Oberflächenwasser nach Starkregen gebändigt werden kann. Eine Möglichkeit wird im Bau einer 30 Zentimeter hohen Mauer entlang des Baugebiets gesehen. Im südlichen Bereich sind laut Berechnungen der Fachleute zwei Retentionsbecken notwendig. Eines liegt im Bereich des Bebauungsplans, ein zweites müsste direkt daneben erstellt werden. Aus der Mitte des Gemeinderats wurde die Mauerlösung kritisch gesehen. Als Ersatzlösung zum Schutz der Grundstücke könnte das Anlegen von Bodenwällen dienen, wurde vorgeschlagen. Vonseiten der Verwaltung wurde Skepsis gezeigt, ob dies eine praktikable Lösung wäre. Es würden aber weitere Lösungsmöglichkeiten untersucht.

Betont wurde von der Verwaltung, dass, obwohl die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange nicht zwingend vorgeschrieben ist, diese aber trotzdem erfolgen soll. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen weitere Informationen zu erhalten, die in die Planungen einfließen können.

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