Warum der junger Gregor Schweizer aus Zußdorf Priester wird

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 Im Mai 2018 wurde Gregor Schweizer von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx zum Diakon geweiht.
Im Mai 2018 wurde Gregor Schweizer von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx zum Diakon geweiht. (Foto: Kiderle)
Schwäbische Zeitung

Die Primiz ist am Sonntag, 30. Juni, bei schönem Wetter im Freien vor dem Schalander, gegenüber der Pfarrkirche St. Simon und St. Judas Thaddäus in Zußdorf. Beginn ist um 10 Uhr. Von 12 Uhr an gibt es ein Mittagessen und ein Primizfest mit vielfältigem Programm. Ab 15 Uhr wird es ein Nachmittag der Barmherzigkeit mit Primizsegen und Anbetung geben. Parallel werden Kaffee und Kuchen angeboten. Um 17.30 Uhr folgt die Abschlussandacht. Am Montag, 1. Juli, werden die Feierlichkeiten fortgesetzt. Es gibt um 16 Uhr ein Kinderlobpreis und um 18 Uhr ein Requiem für verstorbene Angehörige und Freunde, beides in der Pfarrkirche Zußdorf. Ein „Pfarrer-Bierle“ im Landjugendraum, sprich eine Begegnung mit der Jugend, rundet den Abend ab. Gregor Schweizer (29), ist in Zußdorf aufgewachsen und hat vier Geschwister. Von 2011 bis 2017 hat er in München und Paris katholische Theologie studiert. Nach dem Studium absolvierte er den zweijährigen Pastoralkurs im Pfarrverband München-Laim. Am 29. Juni wird er von Kardinal Marx in München zum Priester geweiht. (sz)

Er ist 29 und wird Priester: Gregor Schweizer, Diakon in München, feiert am Sonntag, 30. Juni, in seiner Heimatgemeinde Zußdorf seine Primiz, also die erste heilige Messe als neugeweihter Priester. Am Tag zuvor wird er in München von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx zum Priester geweiht. Schweizer will sein Leben vollkommen in die Nachfolge Jesu stellen. Heute ist das ein sehr seltenes Fest. In Zußdorf ist es die erste Primiz seit 52 Jahren. Simon Beck hat Gregor Schweizer gefragt, wie er dazu kam, einen Beruf zu wählen, auf den die Öffentlichkeit heute teilweise mit Unverständnis und Ablehnung reagiert.

Herr Schweizer, nennen Sie mir drei gute Gründe, warum es trotz allem sinnvoll ist, katholischer Priester zu werden?

Erstens, weil Jesus auch heute Männer in seine Nachfolge ruft und ich auf diesen Ruf, den ich verspürt habe, antworten möchte. Zweitens weil ich als Priester den Menschen Räume eröffnen möchte, wo sie mit ihren großen seelischen Sorgen Gottes Liebe und Barmherzigkeit erfahren können und drittens, na ja, weil man im Leben was wagen muss. No risk, no fun!

Dennoch ist es heute ein mutiger und großer Schritt, katholischer Pfarrer zu werden. Wer oder was hat Sie auf diese Spur gebracht?

Da ist natürlich zunächst meine Familie und meine Heimat, viele Menschen, die mir den Glauben vorgelebt haben, und Priester, die mir das Gefühl gegeben haben, das Priestersein etwas Schönes und Erfüllendes ist. Aber da ist vor allem der Weltjugendtag 2005 in Köln: Über eine Million junger Menschen, die ohne Drogen und trotzdem euphorisch, mit Freude und Begeisterung Glauben gefeiert haben. Und während dieser Tage wurde ich in einem Gespräch tief berührt. „Jesus möchte dein Freund sein!“ ist der zentrale Satz, der mich getroffen hat. Ich hatte mich sozusagen in Jesus verliebt und seit diesem Moment war in mir eine tiefe Sehnsucht, Priester zu werden.

„Man muss im Leben was wagen“, sagt Gregor Schweizer.
„Man muss im Leben was wagen“, sagt Gregor Schweizer. (Foto: Deinlein)

Ihre Familie hat Sie immer unterstützt, aber wie hat Ihr Umfeld auf Ihren Berufswunsch reagiert? Ihre Lehrer, Ihre Freunde?

Die Sehnsucht, die ich seit dem Weltjugendtag im Herzen trug, wuchs mit der Zeit immer mehr, auch wenn natürlich auch immer wieder Zweifel kamen. Darum war es für mein Umfeld nicht verwunderlich, dass ich nach dem Abi dieser Frage konkret nachgehen wollte. Doch es kamen natürlich auch Fragen an mich, ob Priester werden und generell die katholische Kirche überhaupt noch zeitgemäß sind. Doch gerade diese Anfragen halfen auch mir, mich mit dem Ganzen intensiver auseinanderzusetzen.

Sie sind in Zußdorf aufgewachsen, in Wilhelmsdorf haben Sie Abitur gemacht. Studiert haben Sie in München und Paris. Großstadt und Dorf, was haben Sie aus Sicht der Kirche als die größten Unterschiede wahrgenommen? Oder haben alle Menschen die gleichen „Seel-Sorgen“?

Ich bin glücklich, in Zußdorf aufgewachsen zu sein, ein Dorf mit einer sehr aktiven Kirchengemeinde und einem lebendigen Glaubensleben verbunden mit Brauchtum und Tradition, was ich aber auch sehr schätze, zum Beispiel die Fronleichnamsprozession als echtes Highlight. Die damaligen Pfarrer Weber und Dörflinger haben mich durch ihre unkomplizierte und menschennahe Art ebenfalls sehr geprägt. Das Leben in der Stadt dagegen ist von einer krassen Anonymität geprägt und mit Realitäten, die man so auf dem Land nicht hat. In Paris lebte ich ein Jahr mit ehemaligen Obdachlosen zusammen. Dort sah und spürte ich, wie groß das Elend vor unserer Haustüre ist, jetzt und heute. Die seelischen Sorgen der Menschen in Stadt und Land unterscheiden sich dagegen gar nicht so sehr, so sind zum Beispiel die Scheidungsraten auf dem Land nicht viel geringer ist als in der Stadt. Seelsorger braucht es überall.

Am Sonntag, 30. Juni, halten Sie in Zußdorf Ihre erste Eucharistiefeier als Neupriester, sind Sie schon aufgeregt?

Zurzeit bin ich gleichzeitig in großer Vorfreude und in tiefem inneren Frieden. Die Aufregung wird dann mit Sicherheit die Tage davor kommen. Je näher die Priesterweihe und Primiz heranrücken, wächst auch der Respekt vor der Aufgabe und Verantwortung, die mir da anvertraut werden.

Das Motto ihres Primizgottesdienstes lautet: „Feiert Jesus!“ Sollten wir an einer Primiz nicht den Primizianten feiern?

Für mich war von Anfang an klar: Dieser Tag soll kein Event, kein Staatsempfang oder eine One-Man-Show werden. Diese Primiz soll getreu dem Motto „Feiert Jesus!“ ein Fest des Glaubens für Jung und Alt, Gläubig, Nichtgläubig, kirchenferne oder vielleicht sogar Atheisten sein. Ein dem Tag sollen die Menschen etwas von Gottes Liebe, Barmherzigkeit, Größe und Schönheit erfahren! Alle interessierten Gläubigen aus nah und fern sind herzlich eingeladen!

Aus aktuellem Anlass: Wenn Sie plötzliche die Macht hätten, zu entscheiden: Würden Sie Frauen zum Priestertum zulassen und gleich den Zölibat mit abschaffen?

Nein, denn die katholische Kirche versteht das Priestertum ganz von Jesus her. Jesus war ein Mann und hat selbst ehelos gelebt. Als Priester ahme ich Jesus gewissermaßen nach. Doch das ist keine Geringschätzung der Frau von Seiten der Kirche. Denn kraft der Taufe sind wir alle, egal ob Frau oder Mann, gerufen, Menschen zu Gott zu führen und Werkzeug Gottes zu sein. Ich finde also, wir sollten uns in dieser Debatte neu bewusst machen und vertiefen, was es heißt getauft zu sein. Außerdem verzichte ich nicht auf Beziehungen, ich habe enge und tiefe Freundschaften, auch zu Frauen, sonst ist der Zölibat gar nicht lebbar.

Wie geht es nach der Primiz auf Ihrem Lebensweg weiter?

Das würde mich auch interessieren (lacht laut). Im Ernst, zuerst gehe ich mit Freunden zum Wandern in die Alpen. Dann mache ich vier Wochen Urlaubsvertretung als Priester im Zocklerland, Altötting und München, dann nochmal bissel Urlaub. Und anschließend geht’s ab 1. September als Kaplan, sozusagen als „Lehrling vom Pfarrer“ im Pfarrverband Gräfelfing bei München weiter.

Sind Sie dann immer Pfarrer oder haben Sie auch „normale“ Hobbys?

Natürlich. Neben Wandern mache und höre ich Musik, gehe gern ins Kino, spiele Fußball und bin Fan vom VfB Stuttgart – aber darüber sprechen wir heute lieber nicht (lacht wieder).

Die Primiz ist am Sonntag, 30. Juni, bei schönem Wetter im Freien vor dem Schalander, gegenüber der Pfarrkirche St. Simon und St. Judas Thaddäus in Zußdorf. Beginn ist um 10 Uhr. Von 12 Uhr an gibt es ein Mittagessen und ein Primizfest mit vielfältigem Programm. Ab 15 Uhr wird es ein Nachmittag der Barmherzigkeit mit Primizsegen und Anbetung geben. Parallel werden Kaffee und Kuchen angeboten. Um 17.30 Uhr folgt die Abschlussandacht. Am Montag, 1. Juli, werden die Feierlichkeiten fortgesetzt. Es gibt um 16 Uhr ein Kinderlobpreis und um 18 Uhr ein Requiem für verstorbene Angehörige und Freunde, beides in der Pfarrkirche Zußdorf. Ein „Pfarrer-Bierle“ im Landjugendraum, sprich eine Begegnung mit der Jugend, rundet den Abend ab. Gregor Schweizer (29), ist in Zußdorf aufgewachsen und hat vier Geschwister. Von 2011 bis 2017 hat er in München und Paris katholische Theologie studiert. Nach dem Studium absolvierte er den zweijährigen Pastoralkurs im Pfarrverband München-Laim. Am 29. Juni wird er von Kardinal Marx in München zum Priester geweiht. (sz)

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