Seen und Weiher sind seine Leidenschaft: Albrecht Trautmann spricht über 30 Jahre Aktionsprogramm

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Albrecht Trautmann, hier in der Ausstellung des Naturschutzzentrums Wilhelmsdorf, hält am Freitag, 12. April, ab 19.30 Uhr einen
Albrecht Trautmann, hier in der Ausstellung des Naturschutzzentrums Wilhelmsdorf, hält am Freitag, 12. April, ab 19.30 Uhr einen Vortrag zum Thema „Seen und Weiher in Oberschwaben – Entstehung, Nutzung und Schutz“. Trautmann spricht in den Räumen des Naturschutzzentrums. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Wer Oberschwaben aus großer Höhe herab in Augenschein nehmen kann, dem fallen über 2000 Seen und Weiher auf, die verteilt wie Edelsteine im Sonnenlicht glitzern und die Landschaft neben Wäldern, Äckern und Wiesen prägen. Von den rund 4500 baden-württembergischen Stehgewässern liegt mehr als die Hälfte verteilt in den Landkreisen Ravensburg, Bodensee, Biberach und Sigmaringen. Um diese Naturschätze zu bewahren wurde vor 30 Jahren das Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen ins Leben gerufen. Das Gesicht, der Motor und Koordinator aller Maßnahmen war bis zum Jahresbeginn Albrecht Trautmann. Er wird aus seinem reichen Erfahrungsschatz am Freitag, 12. April, ab 19.30 Uhr im Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf einen Vortrag zum Thema „Seen und Weiher in Oberschwaben – Entstehung, Nutzung und Schutz“ halten.

Albrecht Trautmann, 64 Jahre alt, brennt auch nach seinem Ausscheiden aus den Diensten des Seenprogramms für diese Arbeit zum Erhalt der Stillgewässer. „Ich werde am Freitag über den so wertvollen Lebensraum der Stehgewässer informieren. Sowohl allgemein, aber auch an konkreten Beispielen will ich aufzeigen, wo die Probleme liegen und was getan werden muss, um unsere Seen und Weiher langfristig für unsere Kinder und Enkel in gutem Zustand zu erhalten“, erklärt Trautmann im Vorfeld seines Auftritts im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Dabei verweist er darauf, dass zahlreiche geschützte oder vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten auf die Lebensräume in und rund um die Seen und Weiher angewiesen sind.

Albrecht Trautmann erinnert sich noch gut daran, wie viel Überzeugungsarbeit geleistet werden musste, um Verständnis für die Anliegen der Seenschützer zu wecken. Ein Hauptproblem liegt im zu hohen Eintrag von Nährstoffen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen oder häuslichem Abwasser in die Gewässer. In der Folge wachsen Algen und Wasserpflanzen übermäßig. All dies führt zu einer immer schneller fortschreitenden Verlandung. Die Wasserflächen werden kleiner, die Artenvielfalt nimmt ab und die Fischbestände entwickeln sich ungünstig.

Seenprogramm startete 1989

Um der ungünstigen Entwicklung entgegenzutreten wurde 1989 das oberschwäbische Seenprogramm gestartet. Inzwischen werden über 100 Stehgewässer über dieses Aktionsprogramm betreut. Finanziert wird das Programm vom Land Baden-Württemberg, den genannten vier Landkreisen sowie den beteiligten Gemeinden. Für die Untersuchung der Seen, Ausgleichsleistungen für die Landwirtschaft sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität wurden in den vergangenen 30 Jahren nach Rechnung von Albrecht Trautmann rund zehn Millionen Euro aufgewendet. Einzelmaßnahmen werden mit bis zu 85 Prozent der Kosten gefördert, weshalb sich die finanzielle Belastung der beteiligten Gemeinden in Grenzen hält. Die größten Erfolge wurden durch intensive Beratung sowie Maßnahmen im Bereich der Landwirtschaft erzielt. Trautmann nennt unter anderem die naturnahe Entwicklung der Zuflüsse sowie das Anlegen von Pufferstreifen gegen Nährstoffeinträge. Hierzu dienen auch Vereinbarungen mit Landwirten, die die Düngung von gewässernahen, moorigen oder stärker geneigten Flächen einschränken wollen. Dazu kommt der Bau von Auffangbecken, die verhindern, dass abgeschwemmtes Bodenmaterial in die Seen gelangen kann. Zusätzlich gibt es die Maßnahme der so genannten Tiefenentwässerung. Entsprechende Anlagen wurden vor fünf Jahren am Steeger See in Aulendorf und vor einem Jahr am Lengenweiler See in Wilhelmsdorf eingebaut. Bei diesem Gewässer sieht es so aus, dass die Ableitung von sauerstoffarmem und nährstoffreichem Wasser eine positive Wirkung auf die Wasserqualität haben dürfte. Wegen des trockenen Jahres 2018 lief die Anlage nur eingeschränktAnders sieht es am Steeger See aus. Hier verbesserte sich die Wasserqualität in den vergangenen Jahren. Mit ein Grund dafür sind die Aufschüttung eines kleinen Dammes sowie der Bau einer Rückschlagklappe. Wie fühlt sich Albrecht Trautmann heute? „Ich bin im Rückblick überaus glücklich darüber, dass ich mich 30 Jahre lang mit den Fragen rund um die Sanierung der oberschwäbischen Seen befassen durfte“, zeigt sich Albrecht Trautmann zufrieden. Für ihn ist es überaus wohltuend, dass mit Überzeugungskraft und gut ausgestatteten Fördertöpfen eine nachhaltige Verbesserung beim Gewässerschutz erreicht werden konnte. „Ich übergab mit einer tiefen Befriedigung diese Aufgaben am 1. Februar an meinen Nachfolger Elmar Schlecker.“

Trautmann wird sich jetzt intensiv um seine Aufgaben als Vorsitzender der Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried in Wilhelmsdorf kümmern. Die Riedstiftung feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.

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