Riedfest in Pfrungen erringt in 50 Jahren Kultstatus in der Region

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 Auf dieser Wiese wurde genau vor 50 Jahren das erste Riedfest des Musikvereins Pfrungen veranstaltet. Zeitzeuge Karl Benz (link
Auf dieser Wiese wurde genau vor 50 Jahren das erste Riedfest des Musikvereins Pfrungen veranstaltet. Zeitzeuge Karl Benz (links) erinnert sich zusammen mit Vereinsmitglied Günter Maike an die Anfänge und die weitere Geschichte dieses traditionsreichen Festes. Die 50. Auflage des Riedfestes beginnt am Samstag auf dem seit 20 Jahren bestehenden neuen Festplatz am Rande Pfrungens. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Der Musikverein Pfrungen hat in diesem Jahr doppelten Grund zur Freude. Zum einen wird das 85-jährige Bestehen gefeiert. Viel wichtiger aber ist den Akteuren, dass das weit über die Region hinaus bekannte Riedfest auf den Tag genau am 10. August vor 50 Jahren seine Premiere hatte. Ganz unter diesem Jubiläum steht die 50. Auflage dieses traditionsreichen Festes, das vom 10. bis 12. August auf dem Gelände am Ortsausgang von Pfrungen in Richtung Burgweiler gefeiert wird.

Der heute 74 Jahre alte Karl Benz kann sich als Zeitzeuge noch genau an die Anfänge des Riedfestes erinnern, das damals am 9. und 10. August auf der eher kleinen Festwiese neben der Riedwirtschaft wirklich mitten im Pfrunger-Burgweiler Ried den Auftakt einer Erfolgsgeschichte für den Musikverein Pfrungen bildete. Benz, seit 59 Jahren aktives Vereinsmitglied, davon 30 Jahre lang als Kassierer und heute noch als Fahnenbegleiter unterwegs, kann heute noch lebendig von den Anfängen erzählen. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ weiß auch Günter Maike (55) Anekdoten beizusteuern. Er ist seit 30 Jahren Mitglied, davon neun Jahre lang stellvertretender Vorsitzender. Beim Riedfest ist er Organisator rund um die Belange der Küche im Festzelt und zeichnet ansonsten verantwortlich für Vereinsausflüge und Auftritte bei auswärtigen Veranstaltungen.

Alles begann 1969. Die Kasse des Vereins war leer. Mit einem Fest sollte dem finanziellen Engpass begegnet werden. Ein geeigneter Festplatz wurde neben der Riedwirtschaft der damaligen Wirtsleute Fanny und Gustl Rock schnell gefunden. Ein Arbeitskommando richtete das Gelände her. Die Bühne für den Auftritt der Musiker kam von der Königseggwalder Brauerei Härle. Der Wurststand wurde von der Ravensburger Metzgerei Walser gestellt. Getränke lieferten die Firmen Dietrich aus Wilhelmsdorf und Anton Abt aus Zußdorf. Mitglieder der Landjugend und Musikerfrauen bedienten die Gäste. Die Bar wurde von der heute 94-jährigen Maria Huber aus Niederweiler betreut. Die Organisation lag damals beim Vorsitzenden und Dirigenten Karl Altherr.

Das erste Riedfest fand unter freiem Himmel statt. Dafür gab es kleinere Hütten und Überdachungen, wie sich Karl Benz erinnert. Wenn es regnete, wurde den Musikern gesagt: „Bleibet hocke, dann werdet die Bänk net nass.“ Erst in den späteren Jahren wurde ein Zelt aufgebaut. Auftakt war am 9. August mit einer Bierprobe und Tanz mit der Kapelle Wintersulgen. Am Sonntag ging es ab 14 Uhr weiter. Geboten wurde ein Doppelkonzert mit den Musikkapellen Rengetsweiler und dem heimischen Musikverein Pfrungen. Am Abend klang der Tag mit einem Tanz aus. Der Eintritt am Samstagabend lag bei zwei Mark, am Sonntagnachmittag und am Abend gab es jeweils für eine Mark das Vergnügen. Der Gewinn nach Abzug aller Kosten wurde laut Chronik mit stolzen 2604,55 Mark ausgewiesen. Noch heute erinnern sich frühere Festbesucher gerne an die frühen Jahre des Riedfestes.

Als die Belange des Naturschutzes im Pfrunger-Burgweiler Ried eine immer größere Bedeutung erhielten, waren die Tage des Riedfestes im geschützten Ried gezählt. Das Fest musste nach 30 Jahren weichen. Als Ersatzstandort wurde zunächst ein Platz hinter der Pfrunger Schule angeboten. „Das wäre aber kein Riedfest mehr gewesen. Es gab viele Proteste aus unseren Reihen“, blickte Karl Benz zurück. Schließlich wurde eine Lösung am Ortsrand von Pfrungen in Richtung Burgweiler bei der alten Kiesgrube gefunden. Wieder wurde die Muskelkraft der Mitglieder benötigt, um einen geeigneten Festplatz am Rande des Rieds herzurichten. Daneben wurde gemeinsam mit der Ortsverwaltung die beliebte Schutz- und Grillhütte errichtet.

Das 31. Riedfest fand dann auf dem neuen Gelände mit großem Zelt statt. Das Programmangebot wurde um eine Veranstaltung am Freitagabend und den Vesperhock am Montag erweitert. Auf ein Angebot am Freitag wird zwischenzeitlich verzichtet. Dafür gibt es seit sieben Jahren am Samstagnachmittag ein Gauditurnier, an dem sich Vereinsmannschaften aus dem Ort und der Umgebung mit wachsender Begeisterung beteiligen. Der feste Termin am zweiten Augustwochenende hat sich bewährt, wie betont wird. Günter Maike fasst zusammen, auf was die Musiker aus Pfrungen stolz sein können: „Aus kleinen Verhältnissen mauserte sich das Riedfest zu einer beliebten Veranstaltung im Dreiländereck von Württemberg, Baden und Hohenzollern.“ Außerdem sichere das Fest die finanzielle Basis des Vereins ab.

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