Nach Messerattacke: 30-Jähriger wird dauerhaft in psychiatrischer Klinik untergebracht

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 Der Beschuldigte leide an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie, so die Sachverständige.
Der Beschuldigte leide an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie, so die Sachverständige. (Foto: dpa)
Franziska Stölze

Im Prozess um eine Messerattacke im Juni vergangenen Jahres ist am Landgericht Ravensburg am Donnerstag das Urteil verkündet worden. Der 30-Jährige Angeklagte wird dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Der 30-Jährige war wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt.

Der an einer Psychose leidende Beschuldigte soll im Juni 2019 in einem Obdachlosenwohnheim in Wilhelmsdorf einen Mitbewohner mit einem Küchenmesser angegriffen und diesem mehrere Messerstiche versetzt haben. Danach soll er in der polizeilichen Gewahrsamszelle mehrere Polizeibeamte angegriffen und teilweise schwer verletzt haben.

Am letzten Verhandlungstag standen die Aussagen von sechs Polizeibeamten und einem Arzt aus dem Zentrum für Psychiatrie (ZFP) Weißenau an. Unter den Zuhörern im Gerichtssaal war auch die Mutter des Beschuldigten.

Zwei Polizisten im Krankenhaus

Ein Polizeibeamter schilderte die Vorkommnisse während seines Nachtdiensts. Der 30-Jährige habe zu diesem Zeitpunkt schon in der Gewahrsamszelle des Polizeireviers Ravensburg gesessen. Nachdem der Beschuldigte einen Suizidversuch angekündigt habe, seien vier Beamte in die Zelle gestürmt. „Ich dachte, wir müssen Hilfe leisten, mit einem Angriff haben wir nicht gerechnet“, sagte er.

Ich dachte, wir müssen Hilfe leisten, mit einem Angriff haben wir nicht gerechnet.

Der 30-Jährige sei jedoch wild um sich schlagend aus der Zelle gekommen. Dabei habe er drei Polizeibeamte verletzt. „Ich habe einen Schlag auf mein linkes Ohr abgekommen“, sagt der Beamte.

Seinen Nachtdienst habe er wegen Gleichgewichtsstörungen beenden müssen. Gemeinsam mit einem weiteren Kollegen sei er daraufhin im Krankenhaus gewesen. Die anderen Beamten wurden mit Prellungen am Handgelenk und Hinterkopf, einem blauen Auge und einer Risswunde am Zeigefinger beim Einsatz nur leicht verletzt.

Im Wahn keine Kontrolle mehr über seine Handlungen

Der Beschuldigte leide seit rund vier Jahren an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie, so die Sachverständige Roswita Hietel-Weniger. Dies sei eine schwere psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen vor allem unter Wahnvorstellungen sowie Wahrnehmungsstörungen leiden würden.

Die Symptome der Erkrankung würden mal mehr und mal weniger stark zum Vorschein kommen, aber nie ganz verschwinden. Aus diesem Grund sei der 30-Jährige zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen. Er habe seinen Mitbewohner als Bedrohung wahrgenommen, mit der er nicht klargekommen sei, erklärte Hietel-Weniger. Im Wahn habe er keine Kontrolle mehr über seine Handlungen gehabt.

Der Angeklagte selbst entschuldigt sich vor Gericht für seine Tat. Er habe nicht damit gerechnet, dass die Psychose wieder einsetzen würde, sobald er die Medikamente absetze. Aufgrund dessen appelliert der 30-Jährige auf eine Bewährungsstrafe. „Geben Sie mir die Chance, zu beweisen das es mit einer Bewährungslösung funktioniert“, sagte er.

Gefahr für die Allgemeinheit

Dennoch war die Sachverständige Roswita Hietel-Weniger nicht der Meinung, dass der Beschuldigte allein klarkomme. Er habe seit seiner stationären Aufnahme vor rund sechs Monaten im ZFP Weißenau kaum Fortschritte gemacht. Der 30-Jährige habe kein richtiges soziales Umfeld und sei aufgrund seines innerlichen Zustands nicht in der Lage zu arbeiten.

Zudem hätten die behandelten Ärzte noch keine stabile Einstellung der Medikamente erreichen können. Aus diesem Grund sei es das Beste für den Beschuldigten und die Allgemeinheit, wenn er im ZFP bleiben würde. Eine solche Tat könne immer wieder vorkommen. Darauf plädierte auch die Staatsanwaltschaft.

Es handle sich um eine schwere rechtswidrige Tat, die noch viel schlimmer hätte ausgehen können, sagte der Vorsitzende Richter Veiko Böhm bei der Urteilsverkündung. Deshalb müsse die Allgemeinheit vor dem 30-Jährigen geschützt werden. Aus diesem Grund wird der Mann dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Einmal im Jahr soll geprüft werden, ob er auf Bewährung entlassen werden könne.

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