Mobilfunkinitiative bekommt Post aus Stuttgart

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Schwäbische Zeitung
Adelinde Schwegler

„Ich verteufle Mobilfunk nicht“, sagte Bürgermeister Hans Gerstlauer, als das Problem mit den Mobilfunkmasten auf der Gotthilf-Vöhringer-Schule erstmals im Wilhelmsdorfer Gemeinderat war. Weil seine Bürger aber ohne Angst um Leben und Gesundheit in Wilhelmsdorf wohnen sollen, hat er das Thema zur Chefsache gemacht. Das ist jetzt ein gutes Jahr her. Und die Antennen stehen immer noch. Nicht zuletzt deswegen, weil die Zieglerschen als Hausherrn mit den Betreibern langfristige Mietverträge abgeschlossen haben und weil bislang noch kein von allen Seiten akzeptierter Alternativstandort gefunden ist (die SZ berichtete)

Für Letzteres bräuchte es eine professionelles Gutachten. Doch vor diesem wollte der Bürgermeister den Rat eines unabhängigen Experten einholen. Und genau dies geschieht jetzt. „Ein Fachmann aus München kommt“, sagt Lehmann. Das Treffen mit diesem Experten sei für den 13. März vorgesehen. „Es tut sich also was“, sagt der BIM-Sprecher.

Initiative schrieb an Kretschmann

Es tut sich auch etwas auf anderer Ebene. Jedenfalls ist der Ruf aus Wilhelmsdorf in der Landeshauptstadt gehört worden. Von 16 Briefen, welche die Initiative im Herbst an Bundes- und Landespolitiker geschickt hat, ging auch einer an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und wurde von diesem ans Umweltministerium weitergereicht. Von dort kam nun eine vierseitige Antwort, die in weiten Teilen die Problemschilderung Lehmanns zwar nur wiederholt. Dennoch ist der Wilhelmsdorfer nicht unzufrieden. Vor allem der Schluss des Briefes gibt ihm neue Hoffnung.

Grenzwerte absenken

Die Wilhelmsdorfer hatten in ihrem Schreiben von den Politikern gesetzgeberische Maßnahmen zur Minderung der Strahlenbelastung gefordert. Genau auf dieser Schiene will die Landesregierung jetzt wohl aktiv werden. Jedenfalls, so lässt das Ministerium die BIM wissen, wird sich die Landesregierung auf Bundesebene im Rahmen der 2012 anstehenden Novellierung der Bundesimmissionsschutzverordnung aus Gründen der Vorsorge für eine Absenkung der Grenzwerte einsetzen.

Bedauert wurde von den Stuttgartern, dass sie „trotz aller Bemühungen bis heute keine zufriedenstellende Antwort geben“ könnten über mögliche Langzeitwirkungen der unmittelbaren Handynutzung und zur Frage, ob Kinder auf die Strahlen empfindlicher reagieren als Erwachsene.

Außer vom Umweltministerium hat Lehmann inzwischen „von der Mehrzahl“ der Adressaten Antwort bekommen. Die vielversprechendste davon von der Landtags-FDP-Fraktion, welche eine Anfrage mit einer ganzen Reihe von Unterpunkten an die Regierung gestellt habe. Offenbar wurde der Punkt noch nicht behandelt. Jedenfalls, so Lehmann, hätten die Liberalen angekündigt, ihm die Reaktion aus Stuttgart, sobald sie vorliege, mitzuteilen.

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