Mehr als 200 Schüler zeigen sich wortkarg

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210 Schülerinnen und Schüler des Bildungszentrums Wilhelmsdorf drängten sich im Bürgersaal, um sich an der Veranstaltung „Kommun
210 Schülerinnen und Schüler des Bildungszentrums Wilhelmsdorf drängten sich im Bürgersaal, um sich an der Veranstaltung „Kommunalwahlen in Baden-Württemberg“ zu beteiligen. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Politik zum Anfassen hat sich über 200 Schülern des Gymnasiums und der Realschule Wilhelmsdorf im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kommunalwahlen in Baden-Württemberg“ geboten. Sieben Bewerber für ein Mandat im Gemeinderat oder Kreistag stellten sich den Fragen der Teilnehmer. Der geplante Dialog mit den Bürgermeistern Volker Restle (Horgenzell), Jürgen Lasser (Illmensee), Fabian Meschenmoser (Deggenhausertal) sowie Christoph Schulz (Ostrach) zu ortsspezifischen Themen kam aus Mangel an neugierigen Fragestellern nicht zustande.

„Ich bin vom Zuspruch zu dieser Veranstaltung überwältigt. Wir hatten für 160 Teilnehmer gestuhlt. Am Schluss waren es rund 210 Schüler aus unserem Bildungszentrum, die den Weg in den Bürgersaal des Rathauses gefunden haben“, zeigte sich der Kinder- und Jugendbeauftragte der Gemeinde Wilhelmsdorf Jens Braunschmid begeistert. Mitveranstalter der Diskussionsrunde zu den Kommunalwahlen am 26. Mai war die Landeszentrale für politische Bildung (LpB). Die Moderation übernahmen Adrian Zerbe und Adrian Hamm, beides freie Mitarbeiter der Erstwählerkampagne der LpB.

„Politik wird auch für die Jugendlichen in unseren Gemeinden immer wichtiger“, führte der Horgenzeller Bürgermeister Volker Restle in Vertretung der kurzfristig verhinderten Hausherrin Sandra Flucht in die Thematik ein. Nicht nur die Frage, wie es mit dem Weltklima bestellt ist, sei wichtig. „Was passiert in meiner Gemeinde?“ müsse die jungen Menschen ebenso interessieren. Deshalb müssten sich gerade auch die Erstwähler, die ab 16 Jahren Kommunalparlamente mit bestimmen können, darüber informieren, wer ihre Interessen in Ortschaftsräten, Gemeinderäten oder dem Kreistag vertreten könnte.

Sieben Kandidaten standen auf dem Podium für Fragen zur Verfügung. Gekommen war Valentin Determann aus Guggenhausen (SPD). Er kandidiert für den Kreistag. Um ein Mandat im Wilhelmsdorfer Gemeinderat bewerben sich Paul Schmidt (Gemeinsam aktiv), Maximo Winter (Natürlich anders), Bernd Tichy (SPD), Hanns Polak (Natürlich anders), Hansi Bauer (Bürgerliste) und Andreas Schelshorn (Freie Wählervereinigung). Sie hatten Gelegenheit, in den Fragerunden ihre Ansichten zu den Anliegen der Jugendlichen darzulegen. Diese hatten sich im Vorfeld im Unterricht mit der Thematik beschäftigt und einen Fragenkatalog erarbeitet, der allerdings nicht allzu viele Punkte enthielt.

Schüler wollen neue Toilette

Ein brennendes Anliegen war den Schülern die Toilettensituation in der Realschule, die als unhaltbar geschildert wurde. Weshalb hier in der Vergangenheit keine Abhilfe geschaffen wurde, zeigten sich die Besucher empört. Von aktiven Gemeinderäten wurde darauf verwiesen, dass Jahr für Jahr fünfstellige Summen für Renovierungen zur Verfügung gestellt werden. Beschlusslage ist außerdem, dass das bestehende in die Jahre gekommene Gebäude ab etwa 2027 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll. Aktuell gehe es darum, für das Gymnasium einen Neubau zu errichten. In ihm sollen dann auch Fachräume von der Realschule genutzt werden. „Für Eure Kinder habe ich richtig Hoffnung“, lautete ein Beitrag. Man wolle sich des Problems aber auf jeden Fall annehmen.

Eine weitere Forderung war die Einrichtung eines freien WLAN-Netzes am Schulzentrum. Derzeit laufen Überlegungen, unter anderem auch für ein Angebot am Saalplatz, wurde berichtet. Es müsste aber auch geprüft werden, wie eine missbräuchliche Nutzung, vor allem durch jüngere Schüler, verhindert werden kann. Hier erging ein Aufruf zusammenzutragen, was die jungen Menschen erwarten und welche Einschränkungen akzeptiert werden können.

Das große Thema von Farbschmierereien an Wänden öffentlicher und privater Gebäude, die keinerlei künstlerischen Hintergrund haben, wurde ebenfalls angesprochen. „Wir wollen einen Platz, an dem legal gesprayt werden darf“, wurde formuliert. Wichtig sei, dass genügend Flächen für solche legalen Graffitis zur Verfügung gestellt werden. Immerhin, so schätzte ein Diskussionsteilnehmer, seien in Wilhelmsdorf rund 20 Sprayer unterwegs. Verwiesen wurde darauf, dass es an der Hoffmannschule solche besprühbaren Wände gebe.

Zuletzt wurde die Situation fehlender Räumlichkeiten, in denen sich Jugendliche treffen können, zur Sprache gebracht. Der bestehende Jugendraum sei problematisch, da hier verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Ansprüchen auftreten. Kurzfristige Lösungsvorschläge konnten von den befragten Kandidaten keine vorgelegt werden. Das Problem als solches wurde aber anerkannt.

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