Mathematik-Professor Christian Hesse war zu Gast beim Festlichen Abend des Gymnasiums Wilhelmsdorf

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 Professor Christian Hesse erklärte am Festlichen Abend den Gästen des Gymnasiums Wilhelmsdorf, welche Alltagsfragen die Wahrsch
Professor Christian Hesse erklärte am Festlichen Abend den Gästen des Gymnasiums Wilhelmsdorf, welche Alltagsfragen die Wahrscheinlichkeitstheorie beantworten kann. (Foto: Gymnasium Wilhelmsdorf)
Schwäbische Zeitung

Auf dem 20. Festlichen Abend des Gymnasiums Wilhelmsdorf hat Professor Christian Hesse, einer der bekanntesten Mathematiker Deutschlands, seine Definition von Glück und den Einfluss der Mathematik darauf erklärt. Laut einer Pressemitteilung des Gymnasiums Wilhelmsdorf zeigt er in seinem Fachvortrag an verschiedenen Beispielen, wie angewandte Wahrscheinlichkeitstheorie in alltägliche Fragen des Lebens hineinspielt und unsere Welt beeinflusst.

Rund 200 Gäste waren der Einladung des Gymnasiums in den Bürgersaal gefolgt, um sich mit dem vermeintlich abstrakten Thema Mathematik zu beschäftigen. In der Tradition der Festlichen Abende, renommierte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft ins beschauliche Wilhelmsdorf zu führen, war es gelungen, den Mathematikprofessor der Universität Stuttgart mit dem Forschungsschwerpunkt Stochastik als Gastredner zu gewinnen.

Die Definition von Glück formulierte Hesse rein mathematisch, nämlich als Zufall, der im Gegensatz zu Pech, positiv empfunden wird. Mathematisch ausgedrückt, sei Glück somit nichts anderes als eine berechenbare Wahrscheinlichkeit. Das Eintreten eines solchen Zufalls werde intuitiv oft falsch eingeschätzt, so Hesse. So sei es wahrscheinlicher, dass zwei von 23 Menschen am gleichen Tag Geburtstag haben, als auf das erste Mal eine Sechs zu würfeln. Auch die Berechnung von Risiken im Alltag ist Teil der angewandten Stochastik. Für den unwahrscheinlichen Fall eines Sechsers im Lotto, dessen Chance bei 1:14 Millionen liegt, empfahl Hesse bestimmte Tippmuster, wie Geburtstage oder graphische Anordnungen auf dem Lottoschein zu vermeiden. Nicht, weil die Gewinnchancen sich verändern, sondern, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass mehrere die gleichen Tippgewohnheiten haben.

Den wohl praxisnahesten Bezug zum Alltag formulierte der Mathematiker in seiner 5:1-Regel einer glücklichen Ehe. Statistische Erhebungen hätten gezeigt, dass Ehen, in denen mehr positive Interaktionen zwischen den Ehepartnern stattfinden als negative, länger hielten. Die größte Wahrscheinlichkeit für eine glückliche Ehe liege dann vor, wenn das Positive das Negative im Verhältnis 5:1 überwiege. Einfach ausgedrückt: Eine Meinungsverschiedenheit muss mit fünf Glücksgefühlen wie Komplimenten, Anerkennungen oder ähnlichem aufgewogen werden.

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