Kritik an später Information zu Straßensperrung im Ortsteil Esenhausen

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 Die Hauptstraße in Esenhausen erhielt in den vergangenen Tagen eine neue Fahrbahndecke.
Die Hauptstraße in Esenhausen erhielt in den vergangenen Tagen eine neue Fahrbahndecke. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Unmut über die Baustelle in der Wilhelmsdorfer Ortschaft Esenhausen hat Franz Buck in einem Beschwerdebrief an die Gemeindeverwaltung Wilhelmsdorf geäußert. Die Hauptstraße vom ehemaligen Gasthaus „Traube“ bis hinauf zum Rathaus und dem Einmündungsbereich in die neue Ortsumfahrung sei am 18. September zur völligen Überraschung der Bürger von Esenhausen gesperrt gewesen. „Vom Rathaus war davon im Vorfeld nichts zu erfahren“, beschwert sich Buck in seinem Brief, der der Schwäbischen Zeitung vorliegt. „Für uns Bürger von Esenhausen ist nicht nachvollziehbar, dass die Verwaltung sich in dieser so wichtigen Sache so offensichtlich gar nicht um uns kümmert“, schreibt er. Zur aktuellen Situation: Die Hauptstraße ist ab Montag, 6. Oktober, wieder frei befahrbar, zumindest offiziell für den Anliegerverkehr.

Betroffen von der Straßensperrung war auch die Landmetzgerei Strobel, deren Zufahrt über die Herrengasse plötzlich abgeschnitten war. Kunden mussten über die neue provisorische Straße vom Kreisverkehr bei Lengenweiler zur oberen Herrengasse fahren, um einkaufen zu können. Offiziell ist dieses Straßenstück gesperrt, doch für den Anliegerverkehr wird Verständnis gezeigt. Das sagte Martin Seyboldt, der die Bauaufsicht über das Straßenbauprojekt hat, vor Ort im Gespräch mit der SZ. Was den Ärger am 18. September betrifft, gibt sich Seyboldt nachdenklich. „Da ist von der Information her nicht alles optimal gelaufen“, räumt er ein. Besser lief es wohl bei der Informationspolitik über den Einbau der neuen Fahrbahndecke ab 1. Oktober. Dazu verteilte Seyboldt vier Tage vor Beginn der Baumaßnahme eigenhändig Zettel. Für die Zeit des Asphalteinbaus gebe es nur die Zufahrtsmöglichkeit über den Dorenweg, wird mitgeteilt. Für weitere Nachfragen verweist Martin Seyboldt auf seine Handynummer. Er stehe für Antworten gerne bereit. „Wir bemühen uns, dass alles gut abläuft.“

Die Hauptkritik geht jedoch an die Adresse des Rathauses. Franz Buck wörtlich: „Ich glaube nicht, dass diese Straßenbaumaßnahme vom Regierungspräsidium Tübingen über Nacht beschlossen und veranlasst wurde. Deshalb ist es für mich unverständlich, dass die Gemeindeverwaltung davon angeblich erst sechs Tage vorher erfahren haben soll. Bei aktiver Begleitung der Baumaßnahme durch die Verwaltung muss diese längere Zeit vorher informiert sein und die Bürger von Esenhausen entsprechend durch Mitteilung, zum Beispiel im Gemeindeblatt, vorbereiten.“ Ergänzend fügt Buck neben weiteren Erläuterungen seiner Beschwerde an: „Dazu stellt sich mir die Frage, ob die Rettungsdienste (Rotes Kreuz und Feuerwehr) über die Einschränkungen auf dem Laufenden sind und jeweils genau wissen, von welchem Ortseingang aus sie jedes beliebige Haus in Esenhausen auf dem schnellsten Weg erreichen können. So fühle ich mich als Bürger von Esenhausen von der Gemeindeverwaltung in Wilhelmsdorf einfach ,vergessen’, und viele Mitbürger von Esenhausen haben ihren Unmut über die Situation ebenfalls geäußert.“

Auf Nachfrage teilt Bürgermeisterin Sandra Flucht mit, dass Franz Buck von ihr eine Antwort auf sein Schreiben erhalten habe. Der Familie Strobel habe sie persönlich einen Besuch abgestattet, „um mich zu entschuldigen“. Wie es zu den Verärgerungen kam, erklärt Flucht wie folgt: „Unser Rathaus hatte erst am Donnerstagnachmittag erfahren, dass in der kommenden Woche das Hauptstraßenstück saniert wird, also nach Redaktionsschluss des Mitteilungsblatts.“ Sie freue sich immer, wenn der Bau an einer Straße schneller als erwartet voranschreitet. „Manchmal kann man den Bauverlauf einfach nicht genau abschätzen. Zudem handelt es sich um eine Straße, die schon seit geraumer Zeit nur noch Sackgasse ist“, erinnert Flucht. Betroffenheiten seien dennoch vorhanden, aber leider unvermeidbar, ob mit oder ohne Ankündigung. „Im Übrigen ist es grundsätzlich Aufgabe der Bauleitung, Anlieger zu informieren, damit sichergestellt ist, dass die richtige Info zur richtigen Zeit ankommt.“ Das Rathaus sei in gutem Miteinander mit der Bauherrschaft. „Aber hier war die Info leider erst zu spät bei uns angekommen. Das bedaure ich auch, aber es erscheint mir angesichts der überschaubaren Bauzeit in der Hauptstraße noch tragbar zu sein.“

Der Bau der 3,6 Kilometer langen Ortsumfahrung von Esenhausen liegt einigermaßen im Zeitplan. Angekündigt wird, dass auf dem Streckenabschnitt zwischen dem Kreisverkehr und dem Ortsende in Höhe Zimmerei Strobel noch ein Tag Vollsperrung notwendig ist. An diesem Tag soll die Deckschicht eingebaut werden. Je nach Wetterlage sollen diese Arbeiten etwa Mitte November ablaufen. Nach Aussage von Bauaufseher Martin Seyboldt ist die Fertigstellung der Gesamtbaumaßnahme bis Ende des Jahres vorgesehen. Die Kosten der Straßenbaumaßnahme belaufen sich auf rund 6,7 Millionen Euro und werden vom Land getragen. Derzeit wird noch ein Termin für eine Eröffnungsfeier gesucht.

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