Karikaturist Paul Schmolze feiert 85. Geburtstag

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Paul Schmolze in seinem Zimmer im Seniorenzentrum in Wilhelmsdorf. Geometrische Formen bestimmen sein Spätwerk.
Paul Schmolze in seinem Zimmer im Seniorenzentrum in Wilhelmsdorf. Geometrische Formen bestimmen sein Spätwerk. (Foto: Herbert Guth)
Schwäbische Zeitung
Herbert Guth

Paul Schmolze wurde am 17. April 1933 als neuntes Kind in Ergenzingen bei Rottenburg in einen Arzthaushalt hinein geboren. Krieg, Krankheit und Tod zerreißen die Familie. So kam Paul Schmolze in das Internat Knaben-Institut nach Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg). 1950 begann er eine Lehre als Maschinenschlosser bei der Maschinenfabrik Esslingen. Es folgten fünf Semester an der Freien Kunstschule Stuttgart. Das Studium finanzierte er als Hilfsschaffner bei der Stuttgarter Straßenbahn. Es folgten Stationen als Grafiker in der Werbeabteilung der Standard Elektrik Lorenz AG in Stuttgart-Zuffenhausen, bei ITT-Europe in Brüssel (1956 bis 1962) und bis 1964 als Werbeleiter der Maschinenfabrik Gustav Wagner in Reutlingen. Ein Jahr lang arbeitete er 1964 als Redakteur bei der satirischen Zeitschrift Pardon. Von 1965 bis 1968 war er Werbeleiter der Firma Festo-Pneumatic in Esslingen. 1968 trat er in die Firma Dornier am Bodensee ein. Von 1978 bis 1989 war er stellvertretender Vorsitzender im Betriebsrat. Seit 1972 zeichnete er rund 1300 Karikaturen für die Schwäbische Zeitung. Nach einem Schlaganfall 2004 lebt er seit 2007 im Seniorenzentrum Wilhelmsdorf. (gut)

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Wenn Paul Schmolze an schönen Tagen am Saalplatz in Wilhelmsdorf in seinem Rollstuhl sitzt und das lebendige Treiben um sich herum betrachtet, dann bleibt der eine oder andere stehen, gibt ihm die Hand oder streichelt über seine Schulter. Und wenn er am Dienstag, 17. April, im Wilhelmsdorfer Seniorenzentrum seinen 85. Geburtstag feiert, dann werden die übrig gebliebenen Weggefährten, Verwandte und Freunde samt seiner Frau und Sprachrohr Dorothea mit dabei sein, um zu gratulieren.

Nicht zuletzt werden sich die älteren Leser der „Schwäbischen Zeitung“ an die Karikaturen erinnern, die seit 1972 ein viertel Jahrhundert lang das politische Geschehen im Lande kritisch, bissig, aber nie verletzend begleiteten. Rund 1300 Samstags-Karikaturen erschienen in dieser Zeit, in denen Schmolze seine „zeichnerischen Pfeile abschoss“, wie es später einmal SZ-Redakteur Claus Wolber skizzierte. Ein Schlaganfall setzte dem kreativen Schaffen des Altersjubilars 2004 ein vorläufiges Ende. Im Verlauf der Jahre aber kam die Freude am Zeichnen im ganz neuen, eigenen Stil zurück. Geometrische Formen bestimmen nun sein Spät-Werk.

Schöpferische Vergangenheit und Gegenwart

Wer Paul Schmolze im Seniorenheim, wo er seit 2007 lebt, in seinem Zimmer mit Blick auf einen Park besucht, der sieht sofort, dass ihn seine kreative Vergangenheit immer noch tief beschäftigt. Er ist umgeben von Büchern, Karikaturen, Fotos und anderen Utensilien, die Zeugnis von seiner schöpferischen Vergangenheit und Gegenwart ablegen. All seine Gesten deuten darauf hin, dass er sich gerne unterhalten würde, dies aber nicht mehr kann. Dafür lässt Paul Schmolze den Besucher mit lebhaften Gesten an seiner Umgebung teilhaben, unter anderem auch an seinem vielfarbigen Fotobuch „Form, Farbe, Licht“. All dies ein lebhaftes Zeugnis dafür, dass Schmolze bei allen Schicksalsschlägen nicht in einer Düsternis befangen ist, sondern das Leben bei allen Einschränkungen annimmt und es ohne sichtbare Bitternis genießt.

Als im Beisein von Paul Schmolze im Oktober 2006 in der Friedrichshafener Volksbankzentrale eine Karikaturen-Ausstellung eröffnet wurde, zeichnete der frühere Oberbürgermeister von Friedrichshafen und Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, Martin Herzog, dessen Lebensweg nach. In seinen Karikaturen habe Schmolze die Herrschenden mitunter unsanft auf den Boden zurückgeholt. Dabei sei er aber kein Scharfrichter gewesen. Herzog zitierte damals den früheren Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung“, Chrysostomus Zodel. Dieser hatte einmal gesagt: „Bei allem Unebenen ließ Paul Schmolze auch mildernde Umstände gelten“.

Verlässlichler Kümmerer und Vermittler

Neben seinen zeichnerischen Fähigkeiten galt die Sorge Schmolzes auch seinen Mitmenschen. Viele Jahre lang hatte er sich bei dem traditionsreichen Luft- und Raumfahrtunternehmen Dornier in Immenstaad am Bodensee als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender für die Belange der Belegschaft eingebracht. Stets war er mit der höchsten Stimmenzahl gewählt worden. Er war beliebt und geachtet wegen seiner Verlässlichkeit, aber auch wegen seiner Fähigkeit den Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen zu finden. Daneben kümmerte er sich auch noch um an Multipler Sklerose erkrankte Menschen. Der Dank für seine Mitmenschlichkeit war die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am 17. Juni 1994.

Der Spaß am Leben kam bei Paul Schmolze auch nicht zu kurz. Legendär ist dabei sein Engagement in der Dorfgemeinschaft von Rammetshofen bei Oberteuringen, wo er viele Jahre lang zusammen mit seinen Söhnen Martin und Eckehart lebte. Hier bastelte er mit Freunden zusammen das achtsitzige Langfahrrad „Rammetshofener Achter“, mit dem bei Fahrten übers Land der ungewöhnlichen Radler-Gruppe große Aufmerksamkeit sicher war. Ebenso groß wird die Aufmerksamkeit zu Paul Schmolzes 85. Geburtstag sein.

Paul Schmolze wurde am 17. April 1933 als neuntes Kind in Ergenzingen bei Rottenburg in einen Arzthaushalt hinein geboren. Krieg, Krankheit und Tod zerreißen die Familie. So kam Paul Schmolze in das Internat Knaben-Institut nach Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg). 1950 begann er eine Lehre als Maschinenschlosser bei der Maschinenfabrik Esslingen. Es folgten fünf Semester an der Freien Kunstschule Stuttgart. Das Studium finanzierte er als Hilfsschaffner bei der Stuttgarter Straßenbahn. Es folgten Stationen als Grafiker in der Werbeabteilung der Standard Elektrik Lorenz AG in Stuttgart-Zuffenhausen, bei ITT-Europe in Brüssel (1956 bis 1962) und bis 1964 als Werbeleiter der Maschinenfabrik Gustav Wagner in Reutlingen. Ein Jahr lang arbeitete er 1964 als Redakteur bei der satirischen Zeitschrift Pardon. Von 1965 bis 1968 war er Werbeleiter der Firma Festo-Pneumatic in Esslingen. 1968 trat er in die Firma Dornier am Bodensee ein. Von 1978 bis 1989 war er stellvertretender Vorsitzender im Betriebsrat. Seit 1972 zeichnete er rund 1300 Karikaturen für die Schwäbische Zeitung. Nach einem Schlaganfall 2004 lebt er seit 2007 im Seniorenzentrum Wilhelmsdorf. (gut)

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