Feuerwehr plant neues Zeitalter

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 Um die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmsdorf weiter zu verbessern, sind neue Strukturen, ein Feuerwehrhaus b
Um die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmsdorf weiter zu verbessern, sind neue Strukturen, ein Feuerwehrhaus beim Bauhof und die Anschaffung moderner Fahrzeuge für den veralteten Fuhrpark beschlossen worden. Dass die Wehr schlagkräftig ist, bewies sie in der Vergangenheit bei einer Übung an der zum Abriss stehenden ehemaligen Gotthilf-Vöhringer-Schule. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Zu den wichtigsten Organisationen innerhalb einer Gemeinde zählt sicherlich die Feuerwehr. Dies gilt in ganz besonderem Maß in Wilhelmsdorf mit der nicht alltäglichen Schul- und Heimstruktur sowie den Bedürfnissen der vier Ortschaften Wilhelmsdorf, Zußdorf, Esenhausen und Pfrungen. Um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden, verabschiedeten der Gemeinderat und die Ortschaftsräte einmütig den neuesten Feuerwehrbedarfsplan.

Kernpunkt dieses zukunftsweisenden Papiers ist der Neubau eines modernen Feuerwehrgerätehauses und die Ausstattung der Wehr mit neuen Fahrzeugen als Ersatz für den betagten Fuhrpark. Allein die vorgeschlagenen Beschaffungskosten liegen über die Jahre verteilt bei rund 1,3 Millionen Euro. Das neue Feuerwehrhaus am Standort neben dem Bauhof schlägt zusätzlich mit vorsichtig geschätzten vier Millionen Euro zu Buche.

Mit ihren Beschlüssen machten die kommunalen Gremien den Weg frei für eine umfassende Umorganisation der Feuerwehrstrukturen und damit Hand in Hand für die Sicherheit der Bevölkerung in Wilhelmsdorf. „Wir sind auf einem guten Weg“, ist Bürgermeisterin Sandra Flucht überzeugt. Nach ausgiebiger Diskussion versprach Flucht: „Wir machen alles, um diese Planungen umzusetzen, allerdings nur im Rahmen des Leistbaren. Wir sind aber willens, unsere Vorhaben umzusetzen“, richtete sie ihr Schlusswort an die zahlreich erschienen Angehörigen der Feuerwehr.

Bei der Grundsatzdiskussion über die anstehenden Neuerungen treibt die Wehrmänner vor allem die vom Gemeinderat vor zwei Jahren beschlossene Grundsatzentscheidung um, alle bisher vier Abteilungen zu einer Gesamtwehr zusammen zu führen. Der Prozess soll laut Planung im Jahr 2023 abgeschlossen sein. Dieser wegweisende Schritt wird auch von Andreas Raible von der Luelf & Rinke Sicherheitsberatung begrüßt. Dieses Unternehmen erarbeitete in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Wehr und der Verwaltung den neuen Feuerwehrbedarfsplan. Raible lobte die beschlossene neue Feuerwehrstruktur mit den Worten: „Das ist der richtige Schritt, die Abteilungen zu einer Zentraleinheit mit zentralem Standort zu formen.“ Ähnlich äußerte sich Kreisbrandmeister Oliver Surbeck: „Wilhelmsdorf besitzt eine ideale Topografie für eine Zentralisierung. Es gibt ein kompaktes Gemeindegebiet, in dem die vorgegebenen Einsatzzeiten eingehalten werden können. Ich empfehle Ihnen, diesen Wilhelmsdorfer Weg zu gehen, auch im Hinblick auf die Besonderheiten des Heim- und Schulwesens in ihrer Gemeinde.“ Die Grundlage dafür sei der vorliegende starke und stolze Bedarfsplan.

Feuerwehrkommandant Wolfgang Diesing gab seine Einschätzung zum Zentralisierungsprozess ab. „Die gesamte Mannschaft steht hinter dieser Planung. Bei der internen Vorstellung des neuen Plans gab es Applaus.“ Auf Nachfrage aus dem Gremium erklärte Diesing, dass die Mindestzahl von Feuerwehrleuten bei der angestrebten Strukturreform bei 75 liegt. Derzeit dienen 91 Wehrmänner. Der Kommandant räumte allerdings ein: „Nicht jeder wird diesen Weg mitgehen.“ Auch deshalb verwies Kreisbrandmeister Surbeck auf die große Bedeutung des Faktors Mensch. Er warb dafür, bei den Anstrengungen der Nachwuchsarbeit nicht nachzulassen, wobei in Wilhelmsdorf auf diesem Gebiet bereits hervorragende Arbeit geleistet werde.

Ausführlich ging Fachmann Andreas Raible auf die Inhalte des Bedarfsplans ein. In diesem Papier wird der angedachte neue Standort „Zur Rotachsäge“ neben dem Bauhof als ideal angesehen. Bedingung sei jedoch die Fertigstellung der direkten Zufahrtswege zum Standort im Zuge der neu geplanten Kreisstraße. Hier lasse sich die Ausrückzeit um eine Minute verbessern, betonte Raible: „Bei einer dann zur Verfügung stehenden Fahrzeit von sechs Minuten ist planerisch eine vollständige Gebietsabdeckung möglich.“

Um die Ziele zu erreichen müsse die Verfügbarkeit von Wehrmännern den Tag über gesichert werden. Raible dazu: „Es sind gezielt Mitglieder zu werben, die auch werktags tagsüber verfügbar sind.“ Angeregt wurde in diesem Zusammenhang eine Erhöhung des Anteils an freiwilligen Kräften unter den vorhandenen Mitarbeitern der Gemeinde. Derzeit sei von rund 130 gemeindlichen Mitarbeitern nur ein aktives Mitglied der Feuerwehr zu finden. Und das ist Kommandant Wolfgang Diesing. Ein weiterer Schwerpunkt im Bedarfsplan liegt bei der Analyse des Fahrzeugbestands. Als Auswirkung der Vorschläge ist festzuhalten, dass beim Raumkonzept für das künftige Feuerwehrgerätehaus sieben bis acht Garagen von ausreichender Dimension eingeplant werden müssen.

Im Vergleich zu den enormen Anschaffungskosten sehen die möglichen Zuschüsse mit 274 000 Euro eher bescheiden aus. Gemeinderat Christof Bühler kritisierte, dass sich das Land mit zu geringen Beiträgen für die technische Ausrüstung engagiert. Das wollte Kreisbrandmeister Surbeck so nicht stehen lassen: „Das Land Baden-Württemberg macht hier viel. Die Unterstützung steht sogar im Gesetz. In anderen Bundesländern gibt es dies nicht so.“

Wie geht es jetzt weiter? Bereits im zeitigen Jahr 2020 soll in die Planungen der Ersatzbeschaffung der Fahrzeuge sowie des Feuerwehrhauses eingestiegen werden. Die Verwaltung wird dazu einen verlässlichen Zeitplan erstellen. Außerdem gehen Planung und Vorgehensweise der weiteren Zusammenführung der Abteilungen weiter. Nicht zuletzt sollen die Anträge für Zuschüsse auf den Weg gebracht werden.

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