Für die Waldbühne geht der Tiger durchs Feuer

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Die Nummer mit dem Tiger läuft auf der Waldbühne Zußdorf vom 7. bis 10. August.
Die Nummer mit dem Tiger läuft auf der Waldbühne Zußdorf vom 7. bis 10. August. (Foto: Adelinde Schwegler)
Schwäbische Zeitung
Adelinde Schwegler

Mirko Flodin Siakkous Tiger beherrscht seine Szene. Jetzt tourten die beiden durch die Gegend, um für die Zußdorfer Waldbühne zu werben. Der Metallkünstler ist einer von vielen, die das gar nicht provinzielle Provinz-Theater unterstützen. Nach Peter Pan und dem Sommernachtstraum zeigt es in diesem Jahr ein Stück, bei dem nicht einmal die Grundidee hergeholt, sondern auf Schwäbisch gesagt, „alles sell gmacht isch“. Titel des Ganzen: Alle Hopp! Menschen – Nachbarn – Sensationen.

Wer jetzt an Zirkus denkt, liegt nicht falsch. Doch Thomas Beck bietet nicht Klamauk, sondern spiegelt in seinem Stück das gesellschaftliche Leben wider, wie es sich in jedem oberschwäbischen Dorf abspielen könnte. Er tut das auf unterhaltsame Weise, was Tiefgang nicht ausschließt.

Es geht um die Familie Ebenholz, die wichtigen Besuch in ihrem schmucken Heim erwartet, aber sich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt in der Nachbarschaft ein Wanderzirkus niederlässt. Da gerät die Kleinbürgerwelt der Ebenholzes aus den Fugen . . .

Thomas Beck will zeigen, was in den Menschen vorgeht, wenn an ihrer kleinen Welt gerüttelt wird. Von Beheimatung und Toleranz gegenüber anders gearteten, anders denkenden und anders lebenden Menschen handele „Alle hopp!“, sagt er. Thomas Beck hat das Stück geschrieben, inszeniert, führt Regie, kurzum: Der Mensch, der im normalen Leben Lehrer am Studienkolleg Blönried ist, ist zur Waldbühnenzeit mit Haut und Haar Theatermann. „Aber nicht nur i alloi“, sagt er. Viele Zußdorfer würden ihren Jahresurlaub fürs Sommertheater einsetzen.

Der Ort Zußdorf hat rund 900 Einwohner und seine Waldbühne halb so viele Mitwirkende, von denen die meisten aus der Gemeinde kommen. Eine wahre Dorfbühne also, auch wenn der Großteil der Mitwirkenden hinter den Kulissen agiert. Darsteller sind es 50 im Alter von vier bis 70 Jahren, die seit Monaten nun Texte lernen, proben, Leben auf die Naturbühne am Zußdorfer Sportplatz bringen. Insgesamt, so berichtet der Waldbühnenvereins-Vorsitzende, Peter Beck, würden rund 500 ehrenamtliche Kräfte gebraucht für Planung, Organisation und Durchführung des Gesamtprojekts, zu dem auch diesmal wieder ein kulinarischer Markt gehört. Das reicht vom Plakatkleber bis zum Bühnenbauer (1200 Sitzplätze) und vom Marktkoch bis zu demjenigen, der die hohen Gäste empfängt.

Dies sind bei der Premiere zum Beispiel der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel, der auch für die Spielzeit 2014 wieder die Patenschaft für den Waldbühnensommer übernommen hat, der heutige Landtagspräsident Guido Wolf, der Wilhelmsdorfer Bürgermeister und Schirmherr Hans Gerstlauer und, wie Peter Beck verrät, 20 weitere Abgeordnete und Bürgermeister, die ihr Kommen zugesagt hätten.

Die Werbung durch solche Multiplikatoren und die tatkräftige Hilfe zahlreicher Sponsoren sind zwei wichtige Punkte für den Rechner im Waldbühnenverein. Denn, so Beck, ein Theatersommer schlägt, auch wenn es nur ehrenamtliche Akteure sind, mit 140000 Euro zu Buche. 70 Prozent davon werden über Eintrittsgelder eingespielt, 20 Prozent über Sponsoren und den Rest sollte der kulinarische Markt erwirtschaften.

Gespielt wird „Alle Hopp! Menschen – Nachbarn – Sensationen“ vom 7. bis 10. August jeweils um 20 Uhr, der kulinarische Markt öffnet um 16.30 Uhr. Karten-Anfragen sind möglich über das Kaufhaus Späh in Zußdorf oder

auf der Internetseite

www.waldbuehne-zussdorf.de

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