Ein Stück übers Jungsein und darüber hinaus

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Der „Waldbusler“ (gespielt von Winfried Riegger) und die „Zepfe“ (gespielt von Susanne Beck) sind sich nicht immer einig.
Der „Waldbusler“ (gespielt von Winfried Riegger) und die „Zepfe“ (gespielt von Susanne Beck) sind sich nicht immer einig. (Foto: Sybille Glatz)
Sybille Glatz

Rund 1200 Zuschauer sind am Donnerstagabend zur Waldbühne nach Zußdorf, um die Premiere des Theaterstücks „Waldbus-Blues. A Stück vom Jungsein und drüber naus“ zu sehen. Unter den Gästen waren einige Prominente aus Politik und Wirtschaft, darunter der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel, der als Schirmherr der Waldbühne ein Grußwort sprach. Die Waldbühne sei „singulär“, sagte er in seiner Ansprache.

Das Stück handelt vom Gegen- und Miteinander der Generationen, von Jung und Alt, die sich erst verständnislos gegenüberstehen und allmählich zueinanderfinden. Auch um Heimat geht es, um das Leben im Dorf, um Liebe und Anerkennung. Geschrieben wurde das Stück von Thomas Beck, der auch die Regie führte.

Der „Waldbus-Blues“ spielt in einem Dorf, das keinen Namen trägt, aber irgendwo in Oberschwaben gelegen sein könnte. Dort ist alles friedlich und ruhig, wenn da nicht dieser Koloman Voss (gespielt von Winfried Riegger) wäre. Ungefähr 60 Jahre ist er alt und lebt seit sechs Jahren in einem Bus am Waldesrand, weshalb er auch „der Waldbusler“ genannt wird. Er gilt als komischer Vogel, als Einsiedler. Die Dorfjugend spielt ihm gerne Streiche, sein einziger Kontakt zur Außenwelt ist Adelinde Zepf, genannt „Zepfe“ (gespielt von Susanne Beck). Sie ist ungefähr im gleichen Alter wie Koloman und pflegt einen etwas alternativen Lebensstil.

Als die 15-jährige Dora Hesse (gespielt von Laura Marcadas) die Büste von Kolomans Ex-Frau zerbricht, kommt die Geschichte ins Rollen. Die Mutter von Dora, Rita Hesse (gespielt von Barbara Kunze), besteht darauf, dass Dora mit ihr zusammen die geflickte Büste zurückbringt und sich bei Koloman entschuldigt. Im Gespräch stellt sich heraus, dass der Waldbusler vor Jahren der Leiter der berühmten „Voss Singers“ war. Rita ist ein großer Fan der „Voss Singers“ und überredet Koloman dazu, die Leitung eines kleinen Chores zu übernehmen. Die Sänger für das neue „Chörle“ trommelt Rita aus der Dorfbevölkerung zusammen – sehr zum Missfallen des Leiters des örtlichen Liederkranzes Hohes C.

Auch Dora baut zu Koloman allmählich eine freundschaftliche Beziehung auf. Sie besucht ihn ab und zu in seinem Bus, um mit ihm über Musik, die gescheiterte Ehe ihrer Eltern oder ihre Zukunftsträume zu reden. Beides – das neu gegründete Chörle und die Freundschaft der Jugendlichen zum über 45 Jahre älteren Koloman – sorgt für Unruhe im Dorf. Es wird viel „geschwätzt“, Gerüchte und Vermutungen, Kritik und Vorurteile machen die Runde. Als Sigmund Glattacker (gespielt von Benno Ruetz) auch noch verkündet, dass auf dem Grundstück, auf dem Kolomans Waldbus steht, ein Turm gebaut werden soll, ist es mit dem Dorffrieden endgültig vorbei…

Die großen Fragen des Lebens

Im „Waldbus-Blues“ geht es um die großen Fragen des Lebens: Wohin gehören wir und was ist der Sinn unseres Lebens? Doch bei allem Tiefgang gibt es viel zu lachen und selbst über das Ernsteste aller Themen, den Tod, wird mit einem Augenzwinkern gesprochen. So gibt Koloman folgenden Spruch seiner Mutter zum Besten: „Wenn du gschumpfe were willsch, musch heirote. Wenn du globt werden willsch, musch sterbe.“

Neben Wortwitz und Situationskomik sorgte die liebevolle Zeichnung der Figuren für einen kurzweiligen Theaterabend. Die eifrige Dorfpolizistin Gerda Reitzle beispielsweise (gespielt von Andrea Ruetz), die sich bei offiziellen Vernehmungen gerne vergeblich um eine hochdeutsche Ausdrucksweise bemüht. Oder Pfarrer Fladerer (gespielt von Thomas Gebhardt), der, kaum da, schon wieder weg zur nächsten „Kirchenbänke-Renovationssitzung“ im Nachbardorf eilt.

Die Inszenierung war abwechslungs- und einfallsreich und hielt einige zündende Überraschungen bereit. Das Publikum dankte den rund 80 Laienschauspielern am Schluss mit einem donnernden Applaus.

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