Den Mut haben, sich Unrecht in den Weg zu stellen

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 Der Holocaust-Überlebende Josef Salomonovis zu Besuch in Wilherlmsdorf. Das Bild zeigt von links: Konrektor Markus Dietrich, Ge
Der Holocaust-Überlebende Josef Salomonovis zu Besuch in Wilherlmsdorf. Das Bild zeigt von links: Konrektor Markus Dietrich, Geschichtslehrer Matthias Lindel, Antje Hugle vom Maximilian-Kolbe-Werk, Rektor Thomas Plösser, Josef Salomonovic mit seiner Frau Elisabeth, die beiden Schülersprecher Larissa Germann und Benno Frick sowie Herbert Meinl vom Maximilian-Kolbe-Werk. (Foto: Otto-Lilienthal-Schule)
Schwäbische Zeitung

Die Schüler der 9. und 10. Klasse der Otto-Lilienthal-Realschule Wilhelmsdorf haben in der vergangenen Woche einen Geschichtsunterricht der besonderen Art erlebt. Laut Pressemitteilung der Schule war der Holocaust-Überlebende Josef Salomonovic auf Einladung von Matthias Lindel nach Wilhelmsdorf gekommen, um in einem gut zweistündigen Zeitzeugenbesuch von seinen Erlebnissen in insgesamt acht Konzentrationslagern und Ghettos zu berichten sowie Fragen der Schüler zu beantworten.

Der SS entkommen

Die Schüler hatten sich zuvor im Geschichts-, Politik-, Religions- und Ethikunterricht auf den stattfindenden Zeitzeugenbesuch vorbereitet und gemeinsam mit ihren Lehrkräften Hintergrundwissen zum Antisemitismus und zum Holocaust während der NS-Zeit erarbeitet. Gespannt lauschten sie dem gut 40-minütigen Vortrag von Josef Salomonovic, der im Alter von drei Jahren zunächst nach Polen deportiert worden war. In den Folgejahren kam er das Ghetto Lodz unter anderem in die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Stutthof und Flossenbürg. Er überlebte, obwohl er im Jahr 1945 von der SS bereits zur Ermordung vorgesehen war. Die Luftangriffe auf Dresden in der Nacht vom 13. Februar 1945 und das dadurch entstandene Chaos bei den SS-Wachmannschaften retteten ihm in dieser Situation das Leben. Als das KZ Flossenbürg vor der anrückenden Roten Armee evakuiert wurde, flüchtete Josef Salomonovic mit seinem Bruder und seiner Mutter während eines Todesmarsches Richtung Passau und überlebt versteckt in einer Scheune bis zur Befreiung durch US-Truppen.

Während Salomonovic spricht, ist es mucksmäuschenstill in der mit über einhundert Schülern besetzten Aula der Realschule. Die Schüler hören aufmerksam und mit bewegten Gesichtern zu, als er erzählt, dass ihm ein Löffel das tägliche Überleben in den Konzentrationslagern gesichert hat. Den habe er zum Zerkleinern von Nahrung gebraucht, da er aufgrund von Mangelernährung nur noch wenige Zähne hatte.

Hass würde zerfressen

Im Anschluss an den Zeitzeugenbericht hatten die Schüler die Möglichkeit, Fragen an Salomonovic zu stellen. „Empfinden Sie heute Hass?“, möchte ein Schüler wissen. Josef Salomonovic verneint, denn der Hass würde ihn nur innerlich zerfressen. Dennoch blieben seelischen Wunden und Nächte, in denen er schlecht schlafen könne, wenn er an das Erlebte denke. Das Wichtigste sei, dass man sich, gerade auch in den heutigen Zeiten, entscheiden muss, ob man bei Ungerechtigkeit einfach nur zuschaut oder ob man den Mut hat, dem Unrecht entgegenzutreten.

„Ich war berührt, wie offen und ehrlich Herr Salomonovic von seiner Geschichte erzählt hat. Es ist so schrecklich, dass man es nicht in Worte fassen kann. Wir müssen dafür sorgen, dass so etwas nicht in Vergessenheit gerät und dass es sich nicht wiederholt“, sagte Larissa Germann, Schülersprecherin der Otto-Lilienthal-Realschule.

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