Das Museum Schelshorn öffnet seine Türen

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 Sepp Schelshorn, Gründer des Museums für bäuerliches Handwerk und Kultur in Wilhelmsdorf, vor der alten Gefängnistür, die frühe
Sepp Schelshorn, Gründer des Museums für bäuerliches Handwerk und Kultur in Wilhelmsdorf, vor der alten Gefängnistür, die früher im Wilhelmsdorfer Rathaus ihre Dienste leistete. An ihr sind Gegenstände zu sehen, mit der damals Menschen für Vergehen gezüchtigt wurden. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Die Winterpause im Wilhelmsdorfer Museum für bäuerliches Handwerk und Kultur ist beendet. Am Sonntag, 14. April, geht es mit Schwung in die 34. Saison. Geöffnet ist an diesem Tag von 14 bis 17 Uhr. Zwei heimische Künstler zeigen vor Ort, wie und mit welchen Methoden Eier im Hinblick auf die Osterzeit verziert werden können. Passend dazu ist das Museum auch am Ostersonntag, 21. April, geöffnet.

Gemeinsam mit seiner Frau Elfriede ist Museumschef Sepp Schelshorn seit Wochen dabei, die Museumsräume mit den Ausstellungsstücken aus der Winterruhe zu erwecken. Es wurde geputzt, viele Exponate mussten wieder auf Hochglanz gebracht werden. Eine wichtige Aufgabe übernahm wie in jedem Jahr die Frau des 80-Jährigen. Sie bindet in dieser Zeit kunstvoll Palmen, die geweiht werden.

Regelmäßig kann Schelshorn seinen Besuchern neue Sammlerstücke präsentieren. Erstmals in dieser Form ist im zweiten Stock die alte Gefängnistür aus dem Keller des früheren Wilhelmsdorfer Rathauses zu sehen. An ihr sind Gegenstände angeordnet, mit denen kein Mensch in nähere Berührung kommen will. Zu sehen ist eine aus einem Rad gefertigte hölzerne Halskrause, die Verbrechern umgelegt wurde. Schloss und Riegel dienten zur Sicherung der Gefängnistür. Die Halsgeige wurde zur Züchtigung bei leichteren Vergehen angelegt. Zur Schande mussten solche geschmückten Delinquenten am Sonntag an der Kirchentür stehen und sich beschimpfen lassen, wie Schelshorn erzählt. Einen Kranz aus Stroh mussten junge ledige Mädchen tragen, wenn ein Verhältnis mit dem Bauern oder einem Knecht ruchbar wurde. Die Eisenkugel mit einer langen Kette diente dazu, dass Verbrecher bei Straßenbauarbeiten oder im Steinbruch nicht entweichen konnten. Und schließlich ist ein Ochsenziemer zu sehen, mit dem es für junge Burschen Prügel gab, die Gesetze übertreten hatten.

Das Museum von Sepp Schelshorn gehört zu den Attraktionen der 5000-Einwohner-Gemeinde am Rande des Pfrunger-Burgweiler Rieds. Museumskenner sprechen von einem Kleinod in der Museumslandschaft in Oberschwaben. Präsentiert werden vom Gärtner und Sammler Sepp Schelshorn bäuerliche Gerätschaften und Zeugnisse der oberschwäbischen Geschichte. Zu den Besuchern das Jahr über zählen unter anderem Landfrauengruppen, Familien aus dem bäuerlichen Umfeld oder geschichtsbewusste Menschen. Sie alle bewundern die nach Angaben des Museumsleiters größte private Sammlung handwerklicher und kultureller Gegenstände in Südwestdeutschland.

Unter dem ausladenden Dach der Museumsscheune finden sich regelmäßig Besuchergruppen ein. Sie blicken auf die barocke Hofkapelle mit ihrem Zwiebel-Türmchen. Diese wurde 1993 den beiden Heiligen Wendelin und Katharina geweiht. Außerdem fällt der Blick auf das Back- und Brennhäusle, auf den Museumsschuppen mit Gerätschaften der Torfstecher, Jäger und Zimmerleuten sowie auf den stattlichen Getreidekasten, aufgezogen aus derben Bohlen und mächtigen Brettern. Abseits vom Haupthaus gebaut wurden in solchen Getreidekästen Urkunden und Wertgegenstände versteckt, um diese bei einem Feuer im Bauernhof zu schützen.

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