Azubis aus dem Ausland helfen, den Bedarf an Pflegern zu decken

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Christin Mballow (links) aus Gambia und Elihasina Noro Rafalimanana aus Madagaskar werden bei der Behindertenhilfe der Zieglers
Christin Mballow (links) aus Gambia und Elihasina Noro Rafalimanana aus Madagaskar werden bei der Behindertenhilfe der Zieglerschen zu Heilerziehungspflegern ausgebildet. (Foto: Alena Ehrlich)
Schwäbische Zeitung
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Rund 60 Auszubildende sind derzeit bei der Behindertenhilfe der Zieglerschen beschäftigt – 14 von ihnen kommen aus dem Ausland. Sie stammen unter anderem aus Madagaskar, Georgien, Polen und Russland. Die meisten der ausländischen Auszubildenden absolvieren laut Tamara Grüninger zuvor einen Freiwilligendienst bei den Zieglerschen und entscheiden sich dann für einen passenden Ausbildungsberuf. Die größte Herausforderung sei die Sprachbarriere – deshalb können die FSJ-ler einen Sprachkurs an der VHS belegen. Denn neben Motivation und Freude am Umgang mit behinderten Menschen seien gute Sprachkenntnisse nötig, um die schulischen Anforderungen erfüllen zu können. (ale)

„Es ist ein schönes Gefühl, wenn sich die Leute über meine Hilfe freuen“, sagt Christin Mballow. Der 28-Jährige kommt aus Gambia und wird bei der Behindertenhilfe der Zieglerschen zum Heilerziehungspfleger ausgebildet. Auch die 22-jährige Elihasina Noro Rafalimanana aus Madagaskar hat sich nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) für eine Ausbildung bei der Behindertenhilfe entschieden.

Insgesamt sind dort 60 Auszubildende beschäftigt – 14 von ihnen kommen aus dem Ausland. „Ohne sie wäre es sicherlich schwieriger, die freien Plätze zu belegen“, sagt Ausbildungsleiterin Tamara Grüninger. Denn der Bedarf an Fachkräften in Pflegeberufen steigt. In einigen Einrichtungen zeige sich laut Grüninger bereits ein Mangel. In den vergangenen Jahren habe man deshalb mehr Ausbildungsplätze geschaffen. Doch die Arbeitszeiten, Schichtarbeit und Wochenenddienste schrecken viele ab. „Klar haben wir die Hoffnung, dass die Auszubildenden aus dem Ausland im Anschluss auch bei uns bleiben“, sagt Grüninger.

„Ich bin wirklich froh, dass ich hier meine Ausbildung machen kann“, sagt Christin Mballow. In Gambia arbeitete der 28-Jährige mit seinem Zwillingsbruder als Schreiner. Sie beschlossen gemeinsam, das Land zu verlassen und für eine bessere Zukunft nach Europa zu flüchten. Nur Christin sollte es schaffen. Sein Bruder sei bei einem Bombenanschlag in Libyen ums Leben gekommen, berichtet er. Im Sommer 2014 kam Christin alleine nach Deutschland, wo er in einer Unterkunft in Wilhelmsdorf untergebracht wurde. Er besuchte Sprachkurse in Ravensburg und nahm einen Ein-Euro-Job bei der Behindertenhilfe an, um die Sprache schneller zu lernen. Sein Asylantrag wurde bewilligt. Es folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr und schließlich die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Mittlerweile ist er im zweiten Ausbildungsjahr. Mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern, die noch in Gambia leben, telefoniere er regelmäßig.

Wetter war zunächst ein Schock

Elihasina lebt seit etwa zwei Jahren in Deutschland. Schon in Madagaskar faszinierte sie die deutsche Sprache und Kultur. Um die Sprache noch besser zu lernen, beschloss die heute 22-Jährige nach der Schule, für ein Jahr als Au Pair nach Köln zu kommen. Von dort aus bewarb sie sich auf ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Behindertenhilfe. „Ich mag es, anderen zu helfen. Deshalb wollte ich im sozialen Bereich arbeiten“, sagt sie. Die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin hat sie im September vergangenen Jahres begonnen. Vor allem das deutsche Wetter sei für sie anfangs ein Schock gewesen: „Bei uns gibt es keinen Schnee, und im Sommer ist es ganz heiß“, erzählt sie. „Mittlerweile ist das aber kein Problem mehr.“ Auch Christin muss bei der Erinnerung an seinen ersten Winter in Deutschland lachen: „Ich habe wie ein Kind im Schnee gespielt.“

In Gambia gibt es kaum Einrichtungen für Behinderte

Die beiden Auszubildenden haben Freude bei der Arbeit. Sie helfen bei der Vorbereitung von Mahlzeiten, begleiten die Behinderten in die Werkstatt und unternehmen am Wochenende Ausflüge mit ihnen. „Man lernt die Bewohner sehr gut kennen und weiß schnell, was man bei welcher Person beachten muss“, sagt Elihasina. Für Christin ist es nicht selbstverständlich, einen sozialen Beruf erlernen zu können – denn in Gambia gebe es in diesem Bereich keine Ausbildungsmöglichkeiten. „Es ist toll und richtig, dass hier alle Menschen gleich behandelt werden. In Gambia gibt es kaum Einrichtungen für Behinderte“, sagt er. Stattdessen bleiben behinderte Menschen dort meistens im Haus und werden so gut es geht von ihrer Familie versorgt. Das findet Christin schade.

Lehrer haben Verständnis für Sprachprobleme

Christin und Elihasina sprechen gut und sehr verständlich Deutsch. Trotzdem finden sie es manchmal schwer, alles zu verstehen – vor allem in der Berufsschule. Doch die Lehrer hätten Verständnis für die Sprachprobleme. „Sie versuchen immer, Hochdeutsch zu sprechen“, erzählt Elihasina und lacht. Wenn das nicht ausreicht, helfen aber auch Klassenkameraden, Mitarbeiter oder Vorgesetzte gerne aus. „Falls man etwas nicht versteht, ist immer jemand da“, sagt Elihasina.

Für Elihasina Noro Rafalimanana und Christin Mballow ist die Ausbildung bei der Behindertenhilfe auch ein wichtiger Grundstein für ihr Leben in Deutschland. „Ich kann viele Erfahrungen sammeln und möchte die Ausbildung mit guten Noten abschließen“, sagt Elihasina. Sie könnte sich vorstellen, im Anschluss zu studieren – vielleicht Medizin oder Germanistik. Auch Christin ist seine Ausbildung sehr wichtig. „Ich würde gerne hier bleiben und die Arbeit weiter machen, irgendwann heiraten und eine Familie gründen“, erzählt er.

Rund 60 Auszubildende sind derzeit bei der Behindertenhilfe der Zieglerschen beschäftigt – 14 von ihnen kommen aus dem Ausland. Sie stammen unter anderem aus Madagaskar, Georgien, Polen und Russland. Die meisten der ausländischen Auszubildenden absolvieren laut Tamara Grüninger zuvor einen Freiwilligendienst bei den Zieglerschen und entscheiden sich dann für einen passenden Ausbildungsberuf. Die größte Herausforderung sei die Sprachbarriere – deshalb können die FSJ-ler einen Sprachkurs an der VHS belegen. Denn neben Motivation und Freude am Umgang mit behinderten Menschen seien gute Sprachkenntnisse nötig, um die schulischen Anforderungen erfüllen zu können. (ale)

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