Jeden Sonntag wird auf dem Sender Bibel TV der Fernsehgottesdienst „Stunde des Höchsten“ ausgestrahlt. Die Aufzeichnungen finde
Jeden Sonntag wird auf dem Sender Bibel TV der Fernsehgottesdienst „Stunde des Höchsten“ ausgestrahlt. Die Aufzeichnungen finden in der Kapelle am Höchsten statt. Ideengeber und Moderator ist der Wilhelmsdorfer Medienpfarrer Heiko Bräuning. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Rund eine halbe Million Menschen verfolgen laut aktueller Medienanalyse Sonntag für Sonntag den Fernsehgottesdienst „Stunde des Höchsten“ auf dem Sender Bibel TV. Gesicht dieses vor zehn Jahren neu entwickelten Formats, das sich an Gläubige in ganz Europa wendet, ist der Wilhelmsdorfer Medienpfarrer Heiko Bräuning. Hinter dieser Gottesdienstform steht das diakonische Unternehmen „Die Zieglerschen“ mit Sitz in Wilhelmsdorf. Dieses hatte damals das Experiment mit einem Startkapital in Höhe von 60 000 Euro auf den Weg gebracht. Seither fließen Spendengelder für dieses Projekt. Von Beginn an ist Heiko Bräuning Ideengeber, Gestalter und Moderator in einer Person.

Zum zehnten Geburtstag der „Stunde des Höchsten“ mit bisher mehr als 410 Sendungen, die nach der Erstausstrahlung am Sonntag in der Folge auch unter der Woche in Wiederholungen zu sehen sind, werden Neuerungen geplant, wie Bräuning im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ ankündigt. Das Erscheinungsbild der Sendung soll optisch aufgewertet werden. Dazu gehören unter anderem ein neues Logo und neue Möbel in der 800 Meter über dem Bodensee gelegenen Kapelle auf dem Höchsten, wo die Gottesdienste aufgezeichnet werden. Außerdem soll die Außendarstellung im Internet aufgefrischt werden. Nicht zuletzt werden die Gottesdienste künftig von einem Chor begleitet, bei dem acht Sänger aus Wilhelmsdorf gemeinsam mit sechs professionellen Sängern auftreten. Nur der Moderator Heiko Bräuning wird mit seiner lockeren Art bei aller Ernsthaftigkeit der Themen auch weiterhin das Heft in der Hand behalten.

Das Geheimnis des Erfolgs der „Stunde des Höchsten“ bei gläubigen Christen dürften in erster Linie die Gesprächspartner sein, die im Gottesdienst über ihr Leben erzählen, ihre Stellung zum Christentum darlegen und somit den Zuschauern tiefe Einblicke in ihr Leben geben. Dabei kommen Mitarbeiter der Zieglerschen aus den verschiedenen Bereichen der Diakonie ebenso wie prominente Gesprächspartner oder einfach Menschen ohne Rang und bekannten Namen zu Wort. Beispiele hat Bräuning schnell zur Hand.

Prominente erzählen aus ihrem Leben

Tief beeindruckt war der Pfarrer von einer Frau, die ihr Kind verlor. Eindringlich ließ sie ihre Mitmenschen über Bibel TV daran teilhaben, wie sie nach dem Tod des geliebten Menschen aus einem tiefen Tal der Verzweiflung zurückkam und ihr dabei der christliche Glaube half, gestärkt ihr weiteres Leben zu gestalten. Präsent ist Bräuning auch noch Enis Imeri, ein gebürtiger Moslem, der im Gottesdienst Rede und Antwort stand. „Ich fand es bemerkenswert, wie sich seine religiöse Überzeugung in menschlicher Wertschätzung niederschlägt.“ Imeri leitete in Wilhelmsdorf eine Karateschule, trägt mehrere Weltmeistertitel und lebt heute im Allgäu.

Der frühere Bundesligafußballer Michael Sternkopf, einst in der Meistermannschaft des FC Bayern München, berichtete im Gespräch über den Leistungsdruck, der schon vor vielen Jahren in der Bundesliga herrschte. Er hatte vor den Spielen Schweißausbrüche und sprach nach Ende seiner Karriere über seine Ängste. Er musste ein Burnout bekämpfen und fand in dieser Phase seines Lebens zum christlichen Glauben. „Das war ein sehr, sehr bemerkenswertes Auftreten“, erinnert sich Bräuning. Weitere Gesprächspartner waren Annette Schavan, damals Botschafterin am Vatikan, die in Rom besucht wurde. Aber auch Markus Söder, heute bayerischer Ministerpräsident, stand in Nürnberg dem Aufnahmeteam Rede und Antwort.

Schon heute freuen sich die Gottesdienstmacher auf den Auftritt von Thomas Middelhoff. Der zunächst überaus erfolgreiche Konzernlenker stolperte über Unregelmäßigkeiten und musste eine Gefängnisstrafe absitzen. Wie er damals vom mächtigen Wirtschaftsboss tief abstürzte und wie er sein Leben heute sieht, wird im Mittelpunkt des Gesprächs stehen, das im Herbst in der Kapelle am Höchsten geführt wird. Viele potenzielle Gesprächspartner werden übrigens von Zuschauern vorgeschlagen. Solche Ideen nimmt Heiko Bräuning gerne auf.

Gottesdienst wird in Gebärdensprache übersetzt

Die „Stunde des Höchsten“ ist der einzige Fernsehgottesdienst, der in deutscher Gebärdensprache simultan übersetzt wird. Dieser Dienst schlägt jährlich mit Kosten in Höhe von rund 80 000 Euro zu Buche. „Gehörlosen Menschen die Teilnahme an einem Gottesdienst mit deutscher Gebärdensprache, also nicht nur mit Untertiteln, zu ermöglichen, sehen wir als diakonische Aufgabe und Herausforderung an“, betont Heiko Bräuning. Dies sei ein konkreter Schritt zur Inklusion. „Jeder hat ein Recht, am kirchlichen Alltag barrierefrei teilzunehmen.“

Der zehnte Geburtstag der „Stunde des Höchsten“ wird unter anderem am 3. Oktober mit einem Zuschauertag mit Besuchern aus ganz Deutschland in der Kapelle auf dem Höchsten gefeiert. In den Festreigen eingebunden ist beim Herbstfest am 10. Oktober in der Wilhelmsdorfer Riedhalle ein Auftritt des früheren Fernsehmoderators und Kolumnisten Peter Hahne.

So beherrscht und einfühlend sich Heiko Bräuning in seine Sendungen hineinarbeitet, so temperamentvoll und voller Emotionen kann er in freier Rede bei Gottesdiensten in der Gemeinde Wilhelmsdorf für Verwunderung sorgen. Kürzlich musste er sogar Aussagen aus einer Ansprache während des Gemeindefestes Wilhelmsdorf öffentlich zurücknehmen. Hier habe ihm seine Spontanität einen Streich gespielt, entschuldigt Bräuning heute seine Aussagen, die vor allem bei muslimischen Mitbürgern für Verärgerung gesorgt hatten.

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