Zum Konzert ein 100-jähriges Jubiläum

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Stephan Debeur ist seit dem Jahr 2000 der Hausherr an der Gabler-Orgel. Neben seinen zahlreichen Tätigkeiten als Kirchenmusiker
Stephan Debeur ist seit dem Jahr 2000 der Hausherr an der Gabler-Orgel. Neben seinen zahlreichen Tätigkeiten als Kirchenmusiker und Chorleiter in Weingarten gehört auch seither die Organisation und künstlerische Gestaltung der Internationalen Orgelkonzerte zu seinen Aufgaben. (Foto: Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Nach dem sonntäglichen Orgelkonzert von Stephan Debeur, Hausherr an der Gabler-Orgel, musste man sich fragen, weshalb nicht öfter ein Programm mit Original-Orgelmusik des 20. Jahrhunderts gespielt wird. Da gäbe es ja noch viele weitere Schätze zu heben – man denke nur an die reiche französische Orgelliteratur.

Vor allem aber hatte Stephan Debeur schon im letzten Jahr bei der Planung der Konzerte beim Geburtsjahr des österreichischen Komponisten Joseph Friedrich Doppelbauer (1918-1989) aufgemerkt. Und entdeckte, dass dieser am 5. August geboren worden war und dieses Datum 2018 auf einen Sonntag fiel. „Außerdem war dieses Konzert noch frei, also habe ich sofort diesen Termin festgeklopft“, erzählt Debeur strahlend. Da ist ihm wirklich ein Coup gelungen – zum einen mit dem Datum, das offensichtlich in Österreich nicht sonderlich beachtet wurde und zum anderen mit dem Komponisten, der in Deutschland so gut wie unbekannt ist, obwohl er über 600 Werke geschrieben hat. Und trotz des drückend heißen Sommertages fand sich eine große Besucherschar in der Basilika ein.

So begann das Konzert mit vier längeren Orgelstücken von Doppelbauer, der aus Oberösterreich stammte, in Graz und Linz und schließlich ab 1960 in Salzburg als Musikprofessor gewirkt hat. Präludium, Cantilene und Hymne aus der 1956 publizierten Komposition „Vier neue Stücke“ waren kontrastreich aufgebaut und gemäß ihren Titeln mal verhalten in der „Cantilene“, mal mit markerschütterndem Plenum in der „Hymne“ gestaltet. Besonderen Eindruck machte die Partita „Resonet in laudibus“, auf der Basis des Kirchenliedes „Josef, lieber Josef mein“, die fast einer Meditation gleichkam.

Welch ein Kontrast zu Sigfried Karg-Elerts (1877-1933) gleichnamigem Stück, das sehr sanft und hell beginnend vom Glockenspiel-Register zart untermalt wurde. Das klang zum Schluss wie Ministrantengebimmel zur Wandlung. Eine heitere Volte des sich selbst als „Exzentriker“ bezeichnenden Karg-Elert? Denn die folgende „Valse mignonne“ op. 142 schillerte zwischen Musette, Tanzlokal und Chanson, auf der Orgel selbstverständlich nicht so leichtfüßig, aber so beschwingt wie nur möglich. Übrigens musste dieses Stück aus Des-Dur transponiert werden, „das wäre auf der Orgel gar nicht spielbar gewesen“, erläuterte Debeur später dazu.

Danach noch einmal Doppelbauer mit drei Teilen aus „Acht kurze Stücke“ mit einem wuchtigen „Introitus“, „Dialog“ und „Alleluja“, stilistisch schwer einzuordnen. Als Besonderheit folgten aus den „Etüden für Pedal solo“ von 1961 drei Stücke. Wie schade, dass man die Beinarbeit des Organisten dabei nicht sehen konnte! Denn da gehört schon viel Können dazu, aus dieser Fußstimme eine lebendige Musik zu machen. Dies gelang wunderbar gerade im letzten „Allegretto capriccioso“, einem heiter rhythmischen Stück.

Endgültig hell und leicht wurde es dann bei den beiden Nordfranzosen André Fleury (1903-1995) mit fünf aus „24 Pièces“ aus den frühen 1930er-Jahren. Schwebend, mit hohen Registern, darunter der Oboe und immer wieder dem Carillon, war das Stück von sehr französischer Natur. Auch der abschließende „Carillon Orléanais“ von Henri Nibelle (1886-1967), der zart vom passenden Register durchzogen wurde, klang wie ein heiter melodiöses Glockenspiel von einem der nordfranzösischen oder flandrischen Beffrois aus. Einen solchen hat es allerdings in Orléans nie gegeben.

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