Zum ersten Mal spielt das Welfentheater im Winter

Lesedauer: 6 Min
Barbara Sohler

Das erste Winterwelfentheater hat am vergangenen Wochenende in der Linse Premiere gefeiert. Mit dem selbstgeschriebenen Stück „Eine Kette von Ereignissen“ haben Kinder und Jugendliche der Theatergruppe Weingarten ein interaktives Krimispektakel auf die Bühne gebracht. Geschrieben und erarbeitet haben das Stück die beiden Lehramts-Studenten Mona Bumiller und Benjamin Dietl. Und am wichtigsten: dem Publikum gefiel’s.

Ob eine Avocado wohl das geeignete Geburtstagsgeschenk für Marie ist, die als schönstes, begehrtestes Mädchen der Schule gilt? Das fragt sich ein händeringender Luke, der so verliebt ist, dass er sich kaum auf seine Englischvokabeln konzentrieren kann. Vielleicht hilft eine Runde Longboarden, im Park. Und ein bisschen chillen mit seinem Kumpel Finn. Der steht praktischerweise auf Lea, Maries beste Freundin. Und –welch ein Glück- von Marie kommt überraschend eine Einladung zu ihrer Geburtstagsparty. Also sieht bei den Jugendlichen zunächst alles ziemlich gut aus.

Dafür herrscht im Hause der Familie von Altdorf dicke Luft. Nicht nur, dass sich Agathe ständig übertrieben und ohne Not über das schüchterne Hausmädchen Bettina ärgern muss, nun fehlt auch noch die Silberkette mit Edelsteinamulette. Jene Kette, für die Onkel Augustinus sein Bein verloren hat. Da kann der milde Gatte Nikolaus noch so beschwichtigen und „Agäthchen“ säuseln, seine Frau wird fuchsteufelswild. Das scheint ein Fall für die Polizei zu werden. Die Spurensicherung soll kommen, reklamiert sie aufgebracht, wenn sie nicht gerade Bettina zusammenstaucht. Aber auch die Ermittler der „Naseweis“-Bande haben Wind von dem Diebstahl bekommen. Werden die vier jungen Detektive sich dieses kniffligen Falles annehmen?

Tatsächlich haben Mona Bumiller und Benjamin Dietl im Laufe dieser gut 90 Minuten nicht nur für jeden ihrer Theaterkids eine Rolle gefunden, den meisten scheint der Charakter gar wie auf den Leib geschrieben. Die launige Polizisten Regina (Katharina Wagner, als einzige darf sie mit schwäbischer Lottergosch sprechen) und ihr smarter Kollege Hansi (Jonas Wicklein) machen einen prima Job, der sie laut Regieanweisung sogar ins Publikum zur Spurensuche führt. Luisa Froner füllt die Rolle der gemeinen Agathe Henriette Elisabeth Fredericke Bernadette die Dritte von Altdorf mit viel Verve aus und Benjamin Dietl die ihres Mannes Nikolaus nachsichtig und generös. Die kleine Emily (Joana Bay), Jonas (Lasse Sonnenschein), Stella (Ljiljana Zalac) und Johanna (Xenia Trübenbach) geben ein patentes Ermittler-Quartett ab. Und die Kleinsten (der Jüngste ist sieben Jahre alt) sind mehr als putzig wenn sie das Hauptquartier der Naseweis-Gang verwüsten– in alter Erster-Mai-Streich-Manier, mit Klopapier.

Kluge Lösungen

Dass es zu ein, zwei Texthänger kommt: geschenkt. Sofort hilft aus dem Off die flüsternde Stimme der Souffleuse auf die Sprünge. Dass die vielen Szenen und die verschiedenen Bilder sich nahtlos aneinanderreihen, das ist klug gelöst. So boarden die Jungs im Parkett und die Mini-Möchtegern-Detektive kommen durch den Saal angeschlichen. Derweil läuft der rosarote Panther-Song über die Lautsprecher und auf der halbdunklen Bühne helfen alle Protagonisten zusammen, um mit ein paar Handgriffen aus zwei Holztischen das jeweils passende Bühnenbild zu stellen: mal ein Partybüffet, dann eine Polizeistation, mal ein hochherrschaftliches Esszimmer oder das Naseweis-Geheimquartier.

Und weil die jungen Theatermenschen dann in diese rasante Szenefolge noch allerhand Späßchen mixen („Ohne meinen Alltours äh Anwalt sag ich gar nix“) kommt eine ganz und gar runde Sache zustande, mit allem, was ein kurzweiliger Theater besuch braucht. Ach ja, und natürlich lösen die großen und die kleinen Ermittler doch noch den Fall. Ein zerknirschter Luke hat den Schmuck genommen. Um seiner verwöhnten Angebeteten eine anständige Freude zu machen. Dass sich am Ende alle vertragen und miteinander für jedes Problem eine Lösung finden, das macht das Krimispektakel zu einem schönen, pädagogisch wertvollem Projekt. Ohne erhobenen Zeigefinger.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen