Zeugnisse eines wilden Party-Wochenendes

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Es ist das unrühmliche Bild, das von dem feucht-fröhlichen Abend in Erinnerung bleibt. Die leeren Bierflaschen rund um die Grillstelle, die dazugehörigen Kisten an der Seite und eine Bierbankgarnitur, die vom Müll bedeckt ist.

Mehr als zehn geleerte Flaschen harter Alkohol liegen wild in der Gegend herum. Gleiches gilt für die Soft- und Mischgetränke sowie die benutzten Plastikbecher. Dazu noch angebrochene Chips-Tüten und alte Zigarettenschachteln. Auf dem Boden dann noch Scherben und Zigarettenstummel. Die Grillhütte in Nessenreben ist am Samstagmorgen kaum wiederzuerkennen. Doch glücklicherweise hat einer der Feiernden eine Tasche dort gelassen – mit Bankkarte, Hausschlüsseln und Personalausweis.

Und so viel es dem Ehepaar Doris Spieß und Rudolf Bindig, die mit ihren Hunden am Samstagvormittag in Nessenreben Spazieren gingen, nicht schwer, einen Beteiligten ausfindig zu machen. In der Folge wurde die Grillstelle dann von einigen Feiernden wieder in den Normalzustand versetzt. „Es wurde alles wiederhergerichtet; selbst die herumliegenden Glasscherben eingesammelt und die Hütte ausgefegt. So hätte es eigentlich von ´sich aus´ sein sollen. Aber immerhin, es ist aufgeräumt worden“, sagt Stadträtin Doris Spieß. „Ob dies auch geschehen wäre, wenn keine Visitenkarte hinterlassen worden wäre, bleibt ungewiss.“

Seit Jahren setzt sich Spieß für das Naherholungsgebiet Nessenreben ein. Immer wieder war die Grillstelle von Feiernden genutzt und in der Folge verwüstet zurückgelassen worden. Darunter litt der Ort dauerhaft. Gerade Hütte und Bänke wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Das blieb auch der Bürgerstiftung Weingarten nicht verborgen, weswegen sie im vergangenen Jahr 5000 Euro für die Sanierung der Grillstelle spendeten. Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofes ertüchtigten die Hütte, umrahmten die Grillstellen mit Betonringen und verankerten neue Bänke im Boden.

Ebenfalls recht stabil sind die Tische und Bänke auf der Wiese direkt beim Parkplatz Nessenreben. Doch auch das half in der Nacht von Samstag auf Sonntag, also einen Abend später, aber auch nichts. „Hier haben einige Raudis die Tischplatten als Grill benutzt. Diese sind aus Plastikrecycling-Material.

Mehrere Brandstellen haben sich in die Tische eingefressen und eine dauerhafte, irreparable Beschädigung erzeugt“, ärgert sich Spieß und flüchtet sich in Galgenhumor. „Vielleicht ist der Platz dann im Erschrecken darüber, was angerichtet wurde, in Eile verlassen worden, denn das Grillgut (Grillfleisch), Getränke und Zigaretten wurden zurückgelassen.“

Strafbare Sachbeschädigung

Zwar war die Verschmutzung längst nicht so groß, wie an der Grillstelle. Doch wurde für Spieß an dieser Stelle definitiv eine Grenze überschritten. „Das ist strafbare Sachbeschädigung. Die Stadt als Eigentümerin der Sitzgruppe sollte überlegen, ob sie eine Anzeige erstattet“, sagt sie. „Wenn sich das, was sich gleich am ersten schönen Wochenende der Saison dort abgespielt hat, fortsetzen sollte, wird es wohl nötig sein, regelmäßige Kontrollen von einem beauftragten Sicherheitsdienst vorzunehmen.“Doch geht es nach den Verantwortlichen bei der Stadt, soll es so weit erst gar nicht kommen. Natürlich dürfen die Grillstellen jederzeit ohne Anmeldung oder Genehmigung genutzt werden, dabei müssten jedoch auch gewisse Regeln eingehalten werden. Laute Musik sei wegen der Rücksicht auf die Wildtiere verboten. Das Löschen der Feuer sowie ein aufgeräumter Platz seien obligatorisch.

Vielmehr appelliert Bürgermeister Alexander Geiger an die Vernunft der Bürger: „Es ist wirklich bedauerlich, dass einige Wenige solch einen Ort mit großem Erholungs- und Aufenthaltswert mutwillig verwüsten und damit bürgerschaftliches Engagement mit Füßen treten. Ich möchte an alle appellieren, die die Grillstelle nutzen, Rücksicht zu nehmen und den Platz ordentlich und sauber wieder zu verlassen. Eine Schließung der Grillstelle kann nicht die Lösung sein, denn dies würde bedeuten, die vielen Bürgerinnen und Bürger zu bestrafen, die sich einwandfrei verhalten.“

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