Wunderbarer Wertstoffhof

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Das Projekt „Salem2Salem“ läuft seit dem 5. und endet am 24. August um 19 Uhr auf Schloss Salem in der Bibliothek mit einer Vernissage aller Arbeiten aus dem diesjährigen Projekt.

Im Rahmen des nunmehr neunten Internationalen Künstleraustausches „salem2salem“ haben sich wieder einmal über ein Dutzend Kunstschaffende mit offenen Augen auf dem Gelände der Firma Baumgärtner in Weingarten umgetan. Ihr Ziel: Zwischen Altmetall, Eisenrohren und Kabelsträngen Anregungen und Material für neue Kunstobjekte finden.

Kunst kennt keine Grenzen. Das zeigt sich an der neunten Auflage des Internationalen Kunstprojektes „salem2salem“, an dem Künstler aus dem amerikanischen Salem/New York sich mit Künstlern aus Deutschland, Österreich und China in Salem/Bodensee treffen und über drei Wochen hinweg ihre Ideen und Inspirationen austauschen – über alle Disziplinen hinweg. 23 Teilnehmer sind heuer mit von der Partie und sie sind so international wie multidisziplinär: Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Musiker und Performance- und Videokünstler. Ein Thema für das gemeinsame Schaffen gibt es nicht. „In Zeiten wie diesen werden jedoch dringender denn je Brücken gebraucht, die Menschen zusammenführen und Verbindungen schaffen“, so Stefan Feucht, Leiter des Kulturamtes Bodensee.

Wie eine Monsterhand fährt der blaue, haushohe Greifer in Zeitlupe in den Schrottberg, der mitten auf dem Baumgärtner Hof liegt. Zähes Stahlgeflecht, eine alte Emaillewanne, deformierte Waschmaschinenkörper packt die Greiffaust, quetscht die ausrangierte Fracht zusammen und lässt sie in den Schrottbuchten wieder fallen. Das Ohr meldet Alarm. Die hohen, scharfen Töne wenn Metall auf Metall reibt, lösen Fluchtreflexe aus. Überall sirrt und quietscht es. Offenbar unbeeindruckt stöbert Ralf Bauer zwischen den Aluminiumabfällen, zieht eine Aluschlange aus den Abfallresten. Und auch Richelle Soper scheint kein Ohr für den Lärm zu haben. Sie kniet vor einem Berg von Altmetall und klaubt kleine Stifte auf.

Nach einer knappen Stunde ist der mitgebrachte Anhänger mit Wertstoffhof-Schätzen gefüllt. Ein gelb-schwarzes Ölfass, demoliert und noch mit zerfetzter Lieferscheinhülle beklebt, rostige Metallscheiben –jede etwa 20 Kilo schwer- hauchdünne Aluminiumplatten und eimerweise Kleinschrott verschwinden unter dem dicken Netz, mit dem die Ladung erst gesichert und dann nach Salem gekarrt wird. Chris Duncan, der üblicherweise Papierskulpturen herstellt, will mit den Aluminiumbögen experimentieren und lobt die „wunderbare Erfahrung“ auf einem „wunderbar geordneten, sauberen Schrottplatz“ hier in Deutschland. Pat Healy, der schon von jeher etwas übrig hat für sogenannte „backyard antics“ (also für Fundstücke mit Patina) ist ohne bestimmte Vorstellung auf den Schrottplatz gekommen – nimmt aber eine alte Wanne und jede Menge Inspiration mit. „Die Farben der hiesigen Industrieware sind fantastisch“, schwärmt er. Und Richelle Soper kann sich gut vorstellen, aus hunderten von Metallstiften und dutzenden Metern von bunten Plastikschläuchen eine ätherische Installation zu kreieren. In der Schlosserei auf Schloss Salem. Oder zumindest irgendwo anders, wo es weniger laut ist als auf dem umtriebigen Wertstoffhof.

Das Projekt „Salem2Salem“ läuft seit dem 5. und endet am 24. August um 19 Uhr auf Schloss Salem in der Bibliothek mit einer Vernissage aller Arbeiten aus dem diesjährigen Projekt.

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