Wo in Weingarten Inklusion gelebt wird

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 Kirchner-Geschäftsführer Markus Elbs und sein Geschäftsbereichsleiter BMW, Richard Hoffmann (hinten von links), sind überaus zu
Kirchner-Geschäftsführer Markus Elbs und sein Geschäftsbereichsleiter BMW, Richard Hoffmann (hinten von links), sind überaus zufrieden mit ihren Technischen Produkt-Designern David Geiger, Jenny Nest und Bernd Egidi (vorne von links). Es fehlt David Paul. Alle haben ihre Ausbildung an der Sauterleuteschule der Stiftung KBZO absolviert. (Foto: Riedesser)
Schwäbische Zeitung

Die Stiftung Körperbehindertenzentrum Oberschwaben (KBZO) bietet behinderten, aber auch langzeitarbeitslosen Menschen in seinem Inklusions- und Tochterunternehmen „KBZO Service und Dienste“ (S&D) die Chance der beruflichen Qualifizierung. Das Ziel ist es laut Pressemitteilung, den Menschen, die Möglichkeit zu geben, einem Beruf nachzugehen.

„Schon vor der Aufnahme in die Sonderberufsfachschulen fragen Eltern, wie es für ihren Sprössling nach dem Abschluss weitergeht“, sagt Matthias Stöckle, Kaufmännischer Vorstand der Stiftung KBZO. Seit 2005 hat die Einrichtung darauf eine Antwort: die S&D. Das Tochterunternehmen der Stiftung KBZO ist ein sogenanntes Inklusionsunternehmen. „Zweck und Auftrag eines solchen Unternehmens ist es, körper- und schwerbehinderte Menschen außerhalb der Werkstätten für behinderte Menschen für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu qualifizieren und dort auch zu beschäftigen“, erklärt Bernhard Tyborski, seit Dezember 2016 Bereichsleiter des KBZO-Tochterunternehmens.

KBZO-Absolventen im Unternehmen beschäftigt

Ein Partnerunternehmen der S&D ist seit 2011 die Firma Kirchner Konstruktionen in Weingarten, die für den Automobilbereich und Sondermaschinenbau arbeiten. Die Firma zeichnet laut Pressemitteilung auch sozialen Engagement aus. Denn Kirchner beschäftigt vier Sonderberufsfachschul-Absolventen der Stiftung KBZO und mit Bernd Egidi (44) einen ehemaligen Mitarbeiter der S&D, der im Rollstuhl sitzt. „Herrn Egidi haben wir zunächst als S&D-Mitarbeiter mit Zeichnungen beauftragt“, sagt Richard Hoffmann, Geschäftsbereichsleiter BMW bei Kirchner. „Wir waren mit seiner Arbeit so zufrieden, dass wir uns im Januar 2016 entschlossen haben, ihn ganz zu uns zu holen.“ Hoffmann sieht in Egidi einen Allrounder, der Konstruktionszeichnungen am Computer für diverse Automobilfirmen fertigen kann.

Und das, obwohl Egidi den Beruf des Technischen Zeichners noch am Reißbrett gelernt hat. „Das war später natürlich ein Nachteil in meinen Bewerbungen“, erinnert sich der 44-Jährige. Nach einer CAD-Software-Qualifizierung über die S&D wurde die Kirchner GmbH auf ihn aufmerksam, wo er sich in diesem Bereich zudem weiterbilden konnte. „Mir gefällt es hier sehr gut“, sagt Egidi und weiß das Engagement des Unternehmens zu schätzen. „Es wurde im Neubau sogar extra ein Aufzug installiert“, freut sich der Rollstuhlfahrer. „Über Bernd kam natürlich der Anstoß, aber der Aufzug ist ja auch für alle anderen nützlich, die in irgendeiner Form gehbehindert sind“, sagt Kirchner-Geschäftsführer Markus Elbs. „Ohne solche Unternehmen tut sich eine Inklusionsfirma schwer“, sagt Stöckle, die kommenden Projekte mit Kirchner hat er laut Mitteilung schon im Blick.

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