„Wir sprechen Empfehlungen für die Fahrer aus“

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 Im digitalen Prüfmobil des ADAC haben etwa 150 Autofahrer ihren Wagen in Weingarten auf Herz und Nieren checken lassen.
Im digitalen Prüfmobil des ADAC haben etwa 150 Autofahrer ihren Wagen in Weingarten auf Herz und Nieren checken lassen. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Der ADAC lädt mit dem mobilen Prüfstand regelmäßig zur kostenlosen digitalen Diagnose ein. Zweimal pro Jahr, jeweils in Ravensburg und Weingarten. Die nächsten Termine lassen sich unter www.adac.de/pruefdienst nachlesen. Außerdem ist der ADAC-Infoservice unter der Nummer 0800/5101112 zu erreichen.

„Vorbeugen ist besser als Pannen beheben“ – damit wirbt der ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club) für den mobilen Prüfzug, in dem Autofahrer ihr heiliges Blechle kostenlos auf Herz und Nieren prüfen lassen können. Anfang der Woche stand der gelbe Truck auf dem Festplatz in Weingarten, davor regelmäßig lange Auto-Schlangen. Auch Barbara Sohler hat sich beziehungsweise ihr Fahrzeug mutig unter die Prüf-Lupe nehmen lassen.

Als der letzten Wagen vor mir im offenen Rachen des Prüfmobils verschwindet und KfZ-Prüfer Thomas Müller freundlich zum Fahrerfenster kommt, um nach dem Fahrzeugschein und dem Kilometerstand zu fragen, da beschleicht mich unverhofft ein ungutes Gefühl. Immerhin hat mein dickes Schätzchen sich fast 190 000 Kilometer weit über meist deutsche Straßen gefressen und stattliche 13 Jahre auf dem Blechbuckel. Okay, der Wagen war regelmäßig zu Inspektionen und auch die Plakette vom TÜV ist noch gültig. Aber man weiß ja nie, was alte Autos für Krankheiten ausbrüten. Außerdem hab’ ich versäumt, vorher in die Waschanlage zu fahren. Oder wenigstens den Fußraum – Hort allerlei Kleinabfälle wie Schokoriegelverpackungen, Kaugummipapier und leere Dosen – auszumisten. Hoffentlich geht dieser Selbstversuch gut, denke ich noch. Dann nimmt der KfZ-Prüfer mir den Schlüssel aus der Hand und fährt mein Auto auf den Prüfstand.

Zweimal jährlich bietet der ADAC diesen Check für Autofahrer an. Gewöhnlich einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. An jeweils zwei Tagen in Ravensburg und Weingarten. Dazu wird mit einer massigen gelben Zugmaschine der mobile Prüfanhänger angeschleppt. Und im Weingartner Fall am Nordende des Festplatzes nahe des alten Baumbestandes geparkt. Im Inneren: Ein sich schwindelerregend schnell drehender Rollenprüfstand, mit dem Mängel am Bremssystem aufgedeckt werden. Ein ratternder Stossdämpferprüfstand, der Auskunft darüber gibt, ob möglicherweise etwas am Fahrwerk defekt ist. Ein filigraner Messfühler zur Kontrolle der Verdampfungstemperatur im Bauch des Bremsflüssigkeitsbehälters. Und ein Testgerät, dass den Zustand der Batterie misst.

77 Fahrzeuge geprüft

Zwei der vier Kontrollen kann jedes ADAC-Mitglied durchführen lassen, kostenlos. Für Nicht-Mitglieder gibt es immerhin eine kostenlose Prüfung. Geld nehmen KfZ-Prüfer Thomas Müller und sein Kollege Manfred Horn übrigens nicht an. Man kann also auch gegen Bezahlung keine Prüfung „aufbuchen“. „Aber viele Autofahrer nehmen unseren mobilen Prüfdienst eben an beiden Terminen im Jahr wahr, um die vier relevanten Tests durchführen zu lassen“, weiß Thomas Müller. Am vergangenen Montag haben die beiden ADAC-Prüfer in Weingarten tatsächlich 77 Fahrzeuge durch die Tests geschleust. Am Dienstag beinahe noch einmal so viele.

Und für den Fall, dass die Prüfer erhebliche Mängel aufdecken? Wird dann der Zulassungsstelle Meldung gemacht oder womöglich das Auto an Ort und Stelle eingezogen? Plötzlich überfällt mich diese Befürchtung. Ich fühle mich unversehens so, als säße ich stolz bei der Schulaufführung und fürchte doch, das eigene Kind könnte den Solisten-Einsatz verkaspern oder von der Bühne plumpsen. Thomas Müller nickt mitfühlend. Offenbar ergeht es so manchem Autobesitzer ähnlich wie mir. „Wir ziehen aber keine Autos aus dem Verkehr“, beschwichtigt der Prüfer und erklärt: „Wir sprechen lediglich Empfehlungen für die Kunden aus.“ Häufig erkennen die Fahrer nämlich selbst nicht, wenn die Bremsen ungleichmäßig ziehen und wann die Bremsflüssigkeit ausgetauscht gehört, das kann der Autofahrer auch nicht erahnen. „Bei Abweichungen der Messergebnisse verweisen wir dann an die Werkstatt“, sagt Thomas Müller.

Dass bei mir, halt: bei meinem Baby nach wie vor alles in Ordnung ist, das kriege ich keine drei Minuten später schwarz auf weiß mit dem Prüfbericht: Batteriezustand und Bremsflüssigkeit „gut und bestanden“. Hinter den Punkten „Stoßdämpfer- und Bremswirkung“ stehen jeweils grüne Punkte. Den rot gedruckten Hinweis „Die Prüfung der Bremswirkung erlaubt keine Aussage über das Verschleißbild der Bremsanlage“ nehme ich als Anregung für meinen Automechaniker mit.

Der ADAC lädt mit dem mobilen Prüfstand regelmäßig zur kostenlosen digitalen Diagnose ein. Zweimal pro Jahr, jeweils in Ravensburg und Weingarten. Die nächsten Termine lassen sich unter www.adac.de/pruefdienst nachlesen. Außerdem ist der ADAC-Infoservice unter der Nummer 0800/5101112 zu erreichen.

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