Wie die Weingartener Basilika Amerika erobert

Lesedauer: 7 Min
Julia Marre

Wenn im Mai die Ausgabe des renommierten US-Fachmagazins „Communication Arts“ erscheint, wird darin auch die Basilika aus Weingarten abgebildet sein. Eingefädelt hat das nicht etwa das Stadtmarketing der Welfenstadt – sondern der aus Weingarten stammende und in New York lebende Künstler Paul Hoppe. Er hat seine Tuschezeichnung von der Basilika, die im Frühjahr 2016 Titelmotiv seiner Ausstellung im Kornhaus war, bei dem 58. Illustrations-Wettbewerb des US-Magazins eingereicht. So wie es Jahr für Jahr Tausende Künstler tun. Und unter den 3995 Einsendungen zählt Hoppes Bild zu den 178 ausgewählten Projekten, die von einer hochkarätig besetzten Jury als „Illustration des Jahres“ ausgezeichnet worden sind.

Der Künstler freut sich über diese Anerkennung sehr. „Das ist natürlich schon toll“, sagt Paul Hoppe der „Schwäbischen Zeitung“. Das Magazin „Communication Arts“ hat rund 30000 Abonnenten und richtet sich an Designer, Werbeagenturen, Illustratoren, Fotografen und Art Direktoren. Hoppe bedeute der Wettbewerb des Magazins besonders viel, weil es sich bei der Zeichnung von der Basilika um „ein persönliches Projekt handelt und um ein Bild, das ich für die Ausstellung im Kornhaus gezeichnet habe“. Hier, an der Weingartener Karlstraße, hat er im vergangenen Jahr seine erste Einzelausstellung in Europa gezeigt. Außerdem gefalle dem Künstler die Vorstellung, „dass die Basilika dadurch von Leuten gesehen wird, die vielleicht noch nie in Deutschland oder Europa gewesen sind“. So fungiert das Bild als eine künstlerische Art der Völkerverständigung.

Die Basilika hat Hoppe für seine Ausstellung in der Kornhausgalerie nicht zum ersten Mal gezeichnet: „Das Motiv hat sich ein bisschen durch meine Arbeit gezogen – nicht überraschend, wenn man die prägenden Jahre in Weingarten verbracht hat“, sagt er. Der 1976 geborene Künstler zeichnete bereits in den 1990er-Jahren für das selbst mit Freunden herausgegebene Comic-Magazin „PULP“ die gigantische Klosterkirche. Später war sie sein Sujet in Kursen an der Freien Kunstschule Ravensburg und in einem Studienprojekt an der Hochschule Pforzheim, wo er Visuelle Kommunikation studierte. „Aber ich glaube, diesmal habe ich sie am besten hingekriegt“, so der Zeichner, der heute in New York lebt. Viele große US-Tageszeitungen wie die „New York Times“ oder die „Washington Post“ veröffentlichen seine Cartoons, Illustrationen und Comics.

Mehrfach prämiert

Für Illustratoren ist es nicht unüblich, dass sie ihre Lieblingsarbeiten bei Wettbewerben oder Jahrbüchern einreichen. So machen sie Kunden und künstlerische Direktoren auf sich aufmerksam und bekommen Anerkennung für ihre Arbeit. „Das habe ich schon zu Beginn meiner Studienzeit hier in New York von Professoren mit auf den Weg bekommen“, sagt Hoppe. Immer wieder sind seine Zeichnungen in den vergangenen Jahren in solchen Wettbewerben ausgezeichnet worden – zuletzt im „Illustration Annual No. 13“, dem Jahrbuch des „3x3 Magazine of Contemporary Illustration“. Der Künstler aus Weingarten saß bei derartigen Events auch schon selbst in der Jury und weiß: „Juroren müssen innerhalb kurzer Zeit viele Bilder durchschauen, sodass es schwierig ist, da aus der Masse herauszustechen.“ Dass nun geschätzte Kollegen und Designer für sein Basilika-Bild gestimmt haben, „ist ein gutes Gefühl, dass ich etwas richtig gemacht habe“.

Das Basilika-Bild, das in Weingarten monatelang auf Ausstellungsplakaten und Flyern zu sehen war, hat Paul Hoppe mit Feder, Pinsel und Tusche auf Papier gezeichnet. Majestätisch thront die Basilika über den Dächern der Welfenstadt. Wer genau hinsieht, der erkennt eine Farbpunkt-Methode, die an die Bilder des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein erinnert. Und er sieht Kammstriche – eine Zeichentechnik, die Hoppe an der New Yorker School of Visual Arts von seinem Professor Marshall Arisman gelernt hat. „Diese Technik nutze ich ab und zu, wenn es die Zeit erlaubt und sich das richtige Motiv anbietet“, erklärt er.

Für die Schraffuren an den Gebäuden und die Personen im Vordergrund hat sich der Kamm angeboten, fand der Künstler. An seinem detaillierten Bild der Basilika hat er lange gezeichnet: „An der Ursprungszeichnung habe ich Ende 2015 etwa eine Woche lang gearbeitet und mir etwas Spielraum gelassen, um neue Sachen auszuprobieren.“ Mehrere Tage lang hat anschließend das digitale Kolorieren gedauert. Es hat sich gelohnt.

Begeisterung in Weingarten

Begeistert und mit großer Freude ist die Nachricht über die erfolgreiche Zeichnung der Basilika auch in Weingarten aufgenommen worden: „Der Preis belegt: Paul Hoppe ist einer der besten Illustratoren der Welt. Das ist zugleich eine Ehre für die Stadt Weingarten und seine Kornhausgalerie“, sagt Professor Martin Oswald, Vorsitzender des Galeriebeirats der Stadt Weingarten. Spontan habe er sich daher dazu entschlossen, von der „Illustration des Jahres“ einen Sonderdruck in einer begrenzten Auflage von 50 Exemplaren herzustellen. „Das ist ein wertvolles Sammlerstück für alle Freunde der modernen Grafik, für die Menschen aus Weingarten natürlich ganz besonders“, so Oswald.

Die Grafik ist für 120 Euro erhältlich bei Martin Oswald, der Bestellungen mit Adressangabe per Mail entgegennimmt: oswald@ph-weingarten.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen