Wie Conrad David Arnold Licht malt

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 Der Künstler Conrad David Arnold und sein Netz-Werk.
Der Künstler Conrad David Arnold und sein Netz-Werk. (Foto: Blöchinger)
Maria Anna Blöchinger

Licht ist für jeden Bildenden Künstler ein grundlegendes Phänomen. Conrad David Arnold befasst sich in seiner Malerei von Anfang an aber auch mit der gegenständlichen Darstellung von Licht. „Gemaltes Licht“ heißt dementsprechend seine Ausstellung mit Ölmalereien, die vom 30. November 2019 bis zum 29. Februar 2020 zu sehen ist.

In dem bemerkenswerten, freistehenden Haus in der Wilhelmstraße in Weingarten ist nicht nur genügend Raum für eine Galerie, sondern auch für Atelier und Wohnung des Künstlers, und für persönliche Begegnungen. Der 1941 geborene C. D. Arnold ist bereit, sich auch im begleitenden Gespräch mitzuteilen. Ob Information oder philosophischer Kommentar, fließen die Worte aus ihm heraus wie gemalt. Im Bildband „Gemalte Lebensfreude“ von 2016 erzählt Arnold von seinem Künstlerleben und in einem der letzten Kapitel von seinem „dramatischen Weg zum Licht“.

Die neueren Werke der aktuellen Ausstellung hat der Künstler diesen Sommer fertiggestellt. Im ersten Raum neben dem Turmzimmer erstaunt ein blau gestreiftes Gemälde durch seine dreidimensionale, plastische Wirkung. In der Bildmitte scheint das helle Licht durch die Farbe hindurch zu sickern. Den reliefartigen Effekt erklärt der Künstler durch eine Technik, bei der er Farbstreifen auf die Leinwand aufbringt und wieder abzieht. Weitere Objekte derselben Machart weisen quadratische Strukturen auf, die fast geometrisch streng wirken. Das erfordere viel Geduld, die er im Alltag leider oft nicht habe, bemerkt Arnold. Beim Malen aber verliere er sich in das Bild hinein. Seine Kreativität entwickle sich dadurch, dass er sich ganz zurücknähme.

Mit ihrem hintergründigen Licht strahlen die Bilder Konzentration und Ruhe aus, besonders dann, wenn sie monochrom, in einer Farbe gehalten sind. Sie spielen mit der Grenze zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei und verweisen die Betrachter auf ihre Innenwelt. In jedem Bild hat der Künstler einen anderen Farbakkord verwirklicht. Ein Gemälde in Grün und Rot heißt ausdrücklich „Farbkomposition“. „Engel entstehen auch immer wieder“, kommentiert Arnold seine Darstellung schwebender Gestalten. Eine „Große Farbkomposition“ weist eine vielfältige, heiter wirkende Formgebung auf. „Ja, heitere Bilder sind für mich ganz wichtig. Ich will Heiterkeit mit anderen teilen“, betont er. Der zweite Raum ist von dieser angenehmen Stimmungsfarbe geprägt. Eine „Komposition“ in Violett und Grün fesselt den Blick. Ein anderes Werk lässt eine gregorianische Notenschrift erkennen.

Ein „Vernetzung“ betiteltes kleinformatiges Bild erinnert mit seiner Verbindung von geometrisch strengen und tanzend freien Linien an Paul Klee. Den Vergleich mit dem großen Meister der abstrakten Malerei weist Arnold weit von sich. Seine Demut ist aber mit Selbstbewusstsein gepaart, denn er ist sich seiner eigenen Schaffenskraft sicher. Über den heute viel gebrauchten Begriff der Vernetzung habe er sich Gedanken gemacht. Unser ganzer Körper sei ja vernetzt, wie das Universum. So versteht er auch sein Werk offenbar weniger in linearen Phasen, die er hinter sich lässt, denn als Netz, in dem die Phasen miteinander kommunizieren. Jahreszahlen sind ihm nicht so wichtig. Teils sind sie im Bild vermerkt, teils sucht man sie vergebens. Aber im Werkverzeichnis, das seine Frau Ingrid Arnold führt, seien sie festgehalten, versichert der Künstler. Zu seiner Galerie gehört auch ein Shop, in dem man für weniger Geld etwas finden und mitnehmen kann, Karten und Bildbände. Dass er sein Kunstschaffen so gut mit der Führung einer Galerie zu verbinden weiß, käme durch das Haus, sagt Conrad David Arnold. Er und seine Frau wohnten erst zur Miete, ehe sie es käuflich erwarben und als Kunstschlösschen und Kulturtempel gestalteten. Das großzügige und reich verzierte Gebäude in der Wilhelmstraße war das Elternhaus des verstorbenen, als Professor in Tübingen lehrenden Manfred Eggstein.

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