Wenn die Projektarbeit auf der Straße fährt

Lesedauer: 5 Min
 Als neu umgerüstetes Elektroauto macht der VW-Käfer eine gute Figur
Als neu umgerüstetes Elektroauto macht der VW-Käfer eine gute Figur (Foto: Dennis Welge)
Hannah Bucher

Fast jeder kennt sie: Die bunten VW-Käfer, verteilt in ganz Weingarten von der Autolackiererei Yardimci. Bald kommt ein neues Modell dazu – und das fährt sogar. Denn Patrick Hantsche und Jacob Schicketanz, Studenten der Hochschule Ravensburg-Weingarten (RWU) und Elias Glatzel, Auszubildender bei den Technischen Werken Schussental (TWS) haben einen alten VW-Käfer zu einem Elektroauto umgebaut.

Initiator der Umbauprojekts ist Martin Irmler, vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Weingarten. Er wusste von dem Wunsch des Käfer-Begeisterten Ahmet Yardimci, der seine Sammlung um einen Elektro-Käfer erweitern wollte. Da er Verbindungen zur Hochschule und der TWS habe, kam er auf die Idee die verschiedenen Organisationen zusammen zu bringen, erzählt Irmler. „Im Wesentlichen geht es darum auf Elektro-Mobilität aufmerksam zu machen und die Elektro-Mobilität zu fördern“, erklärt Irmler seine Beweggründe.

Die beiden Studenten der Fahrzeugtechnik Patrick Hantsche und Jacob Schicketanz kamen über ihren Professor zum Projekt. „Ich bin auch privat total schrauberbegeistert“, erzählt Hantsche. Deshalb habe ihn sein Professor auf das Umbauprojekt angesprochen. Er war der Meinung, dass die beiden Studenten „genau die Richtigen“ seien, so Hantsche. Und er sollte Recht behalten – die beiden waren sofort dabei.

Doch die Zeit für das Projekt war knapp: „Unser Hauptanliegen war es, das Ding innerhalb einer Semesters durchzuziehen“, sagt Irmler. Die Studenten sollten so die Chance bekommen, den Erfolg ihres Umbaus miterleben zu können. „Am Anfang hieß es nur: Wir wollen einen Elektro-Käfer bauen“, erzählt der 25-Jährige Hantsche. „Wir mussten also erstmal schauen, welchen Motor wir einbauen möchten, was er können soll und wie lange er fahren soll.“ Danach setzten sich die Studenten daran, die richtigen Teile zu besorgen um Akku, Motor und Steuerung eines alten VW-Käfers zu ersetzen.

Gemeinsam mit Elias Glatzel, Auszubildender im Bereich Elektrotechnik bei der TWS, begannen die beiden Studenten die Teile an den Käfer anzupassen. „Der komplette Käfer ist von Jacob und mir gebaut“, sagt Hantsche. „Zwischendrin hatten wir richtig Kopfrauchen“. Den Umbau ließen sich beiden als Projektarbeit für ihr Studium anrechnen. Rückwirkend habe es aber weitaus größere Ausmaße angenommen, als bei einer Projektarbeit üblich, so der 25-Jährige. Insgesamt investierten Hantsche und Schicketanz rund 320 Stunden in das Projekt.

Unterstützung gab es darüber hinaus von Philipp Perchner, Elektromeister bei der TWS. Gerade bei den elektrischen Themen, wie die Verlegung der Kabel und Anschlüsse stand er mit Rat zur Seite. „Das klingt im ersten Schritt recht einfach, bedeutet aber viel Feinarbeit und vor allem elektrotechnisches Know-how“, sagt Perchner.

Auch Ahmet Yardimci ließ es sich nicht nehmen an dem Käfer-Projekt mitzuarbeiten. „Ich schlafe mit Käfer und ich stehe mit Käfer auf“, sagt er und lacht. Um den Umbau zum Elektro-Auto zu ermöglichen, stellte Yardimci einen Wagen aus seiner Sammlung zur Verfügung. Außerdem kümmerte er sich um die Lackierung des neuen Flitzers. Sie sollte sowohl die jeweiligen Logos der Kooperationspartner tragen, als auch das Thema Umwelt aufgreifen.

Vor seinem Umbau hatte der Oldtimer schon einiges an Strecke zurückgelegt: Früher machte der VW-Käfer die Straßen von Amerika unsicher. Doch in Zukunft soll er natürlich in der Region unterwegs sein und im Fuhrpark der TWS stehen. „Natürlich nicht als ´normales Bereitschaftsfahrzeug´, sondern für besondere Termine und Anlässe. Ich bin mir sicher, dass er aber mit Sicherheit nicht oft in der Garage stehen wird, sondern liebend gern von dem ein oder anderen Mitarbeiter bewegt wird. Es ist auch geplant, den Käfer in die ein oder andere Marketingaktion einzubinden“, sagt Perchner.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen