Weniger Feuerwehr-Einsätze in 2017

Lesedauer: 5 Min

240 Mal rückte die Freiwillige Feuerwehr Weingarten im Jahr 2017 zu Einsätzen aus.
240 Mal rückte die Freiwillige Feuerwehr Weingarten im Jahr 2017 zu Einsätzen aus. (Foto: Archiv Oliver Linsenmaier)
Schwäbische Zeitung

Die Freiwillige Feuerwehr Weingarten ist im vergangen Jahr seltener ausgerückt als in den Jahren zuvor. Insgesamt 240 Mal mussten die Männer um Kommandant Horst Romer 2017 ausrücken, um Brände zu löschen, bei Unfällen zu helfen oder Wohnungen bei Rettungsdiensteinsätzen zu öffnen. 2016 waren es noch 248, die Jahre davor im Durchschnitt 250 Einsätze. „Es gab keine extrem gravierenden Vorkommnisse“, bilanzierte Romer gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“. „Die Einsätze bestanden aus einer bunten Mischung, in der alles vertreten war.“

Dennoch ragen einige Einsätze besonders heraus: Der Brand im Glockenturm des Untertors in Ravensburg, in den Ende Mai ein Kugelblitz eingeschlagen und einen Kurzschluss verursacht hatte; ein Feuer zwischen Wangen und Leupolz Ende November 2017, als ein Bauernhof komplett niederbrannte und 72 Rettungskräfte vor Ort waren; oder Anfang September 2017, als bei einem Brand in einem Firmengebäude in Bergatreute ein Sachschaden von 250 000 Euro entstand.

Signifikant erhöht hätten sich die Einsätze, in denen die Brandschützer Wohnungen öffnen mussten, weil Rettungsdienste vor verschlossenen Türen standen, da es immer mehr ältere Menschen gebe, wie Romer vermutet.

Entlastungen für den Kommandanten

Daneben stehen circa 115 gesetzlich vorgeschriebene Brandsicherheitswachen für Veranstaltungenim Kultur- und Kongresszentrum, für die die Feuerwehr mindestens zwei Brandschützer abstellen muss und ungefähr 80 Belastungsübungen von Feuerwehren des gesamten Landkreises in der Atemschutzübungsanlage, bei denen immer ein Mann zur Betreuung zur Verfügung stehen muss. 2017 war auch das Jahr in dem der Gemeinderat die Entschädigungssätze für die ehrenamtlichen Brandschützer anhob. Statt bislang 11 Euro pro Stunde erhalten sie seit dem 1. Januar 2018 13 Euro pro Stunde. Ab dem 1. Januar 2020 beträgt der Stundensatz 14 Euro.

Außerdem gibt es seit Juli vergangenen Jahres einen Sachbearbeiter für Feuerwehrwesen, der sich um die Verwaltungsaufgaben des Feuerwehrkommandanten kümmert sowie für Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen verantwortlich ist. Es ist Horst Romer selbst, der seinen ganzen Erfahrungsschatz einbringen kann und gleichzeitig die Garantie vom Arbeitgeber hat, für Einsätze freigestellt zu werden (die SZ berichtete).

„Das ist eine enorme Entlastung für mich“, sagt Romer. „Ich kann diese Aufgaben jetzt während meiner Arbeitszeit verrichten. Früher musste ich das abends oder am Samstag machen. Ich habe nun mehr Freizeit.“ Mit dieser Lösung schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe: Weingarten hat weiterhin einen ehrenamtlichen Kommandanten und entlastet ihn gleichzeitig.

Unfallrettung bei alternativen Antriebstechnologien

Und das kann er auch brauchen, denn dieses Jahr steht für Weingartens Feuerwehr ein wichtiges Projekt an: Der Anbau an das Feuerwehrgerätehauses, um den sich Romer auch kümmert. Außerdem will man sich in einer geplanten Arbeitsgemeinschaft dem Thema „Unfallrettung bei Hybrid- und Elektroautos“ widmen. „Unsere bekannten Vorgehensweisen funktionieren bei diesen Fahrzeugen nicht mehr“, sagt Romer. „Die Anforderungen haben sich geändert.“ Als eine der ersten Feuerwehren des Landkreises wende sich Weingarten diesem Thema zu, lobte Kreisbrandmeister Oliver Surbeck den Schritt.

Auf der Agenda für 2018 steht auch die Nachwuchsarbeit. Aktuell stehen 73 Mitglieder aktiv für Einsätze bereit. Im Verhältnis zu den jährlichen Einsätzen sind das aber zu wenige. Deshalb soll ein Werbekonzept erarbeitet werden, um die Zahl auf circa 85 Mitglieder zu erhöhen. Wie wichtig eine gut aufgestellte Feuerwehr ist zeigen das aktuelle Beispiel der St. Jodok Kirche. Auch da war die Weingartener Feuerwehr mit 26 Einsatzkräften mit Drehleiter bei den Löscharbeiten, Gerätewagen-Atemschutz zur Ausgabe weiterer Atemschutzgeräte und der Höhenrettungsgruppe zum Abdecken des Dachs und Nachlöscharbeiten vor Ort.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen