Welche Chancen die Digitalisierung Lehrern bietet

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 Dr. Sarah Lukas und Professor Jörg Stratmann beschäftigen sich an der PH Weingarten im Rahmen des Forschungsprojekts TPACK 4.0
Dr. Sarah Lukas und Professor Jörg Stratmann beschäftigen sich an der PH Weingarten im Rahmen des Forschungsprojekts TPACK 4.0 mit der Digitalisierung in der Lehrerbildung. (Foto: PH Weingarten)
Schwäbische Zeitung

- Die Digitalisierung prägt und verändert zunehmend das Leben und Arbeiten der Menschen. Schulen sind daher gefordert, den jungen Menschen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, damit sie sich reflektiert und auf einer gesicherten Informationsbasis in der Lebens- und Arbeitswelt von heute und morgen bewegen können. Eine moderne technische Ausstattung der Schulen allein reiche dafür nicht aus, heißt es in einer Pressemitteilung der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten.

„Wir möchten Lehrkräfte fit machen für eine didaktisch sinnvolle Nutzung digitaler Medien im fachbezogenen Unterricht“, sagt Dr. Sarah Lukas, Juniorprofessorin im Fach Pädagogische Psychologie, bei der die Projektleitung seitens der PH liegt. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden innovative Strukturen, Formate, Lehrinhalte und -angebote in der Lehrerbildung entwickelt und erforscht. Ziel ist eine integrierte und standortübergreifende Medienbildung von Lehrkräften in der ersten Phase der Lehrerbildung zu etablieren.

TPACK, das „Technological Pedagogical Content Knowledge“, beschreibe das Wissen über didaktische Funktionen und Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien im Unterricht. „Bislang hat dies im Lehramtsstudium eine eher untergeordnete Rolle gespielt“, gibt der Erziehungswissenschaftler Professor Jörg Stratmann zu bedenken. Jetzt werde gemeinsam mit der an der Universität Tübingen angesiedelten Tübingen School of Education (TüSE) ein fachübergreifendes mediendidaktisches Modul entwickelt, das dann an beiden Hochschulen in zentrale Fachdidaktiken der großen Lehramtsfächer für die Sekundarstufe implementiert werde.

Intelligente Verzahnung

„Wir streben dabei eine intelligente Verzahnung von Theorie und Praxis in der Medienbildung an“, so Stratmann. Auf didaktischer Ebene werde hierzu die Inverted Classroom Methode genutzt, in der die üblichen Lernaktivitäten (Wissensvermittlung, Praxisphasen) innerhalb und außerhalb von Veranstaltungen umgedreht werden. Die Wissensvermittlung der medienpädagogischen beziehungsweise mediendidaktischen Theorien erfolge flexibel, ortsunabhängig und selbstreguliert in computergestützten individuellen Selbststudiums-Phasen. Die schrittweise Annäherung an die medienbasierte Unterrichtspraxis werde durch geleitete Praxisphasen in Lehr-Lern-Laboren umgesetzt.

„Aktuelle digitale Technologien bieten zahlreiche neue pädagogische Chancen und Ansatzmöglichkeiten, um Schulunterricht wirksamer zu gestalten, zu bereichern und individualisierte Lernprozesse zu erleichtern“, ist Sarah Lukas überzeugt. Den Lehrkräften komme eine entscheidende Rolle zu. Sie müssten die neuen Inhalte vermitteln, neue technische und methodische Möglichkeiten aufgreifen und auch kritische Aspekte dieser dynamischen Entwicklung stets im Blick behalten. Bei TPACK 4.0 gehe es daher nicht nur um die Entwicklung einer Rahmenkonzeption zur Medienbildung von Lehramtsstudierenden, sondern auch um entsprechende Professionalisierungskonzepte für alle Lehrpersonen.

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