Weingartens OB Ewald lässt Grüße ausrichten

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Barbara Sohler

Trotz heftigen Schneeregens sind am Sonntag etwa 250 Menschen auf den Löwenplatz gekommen, um gemeinsam mit Bürgermeister Alexander Geiger das neue Jahr zu begrüßen. Diese Neujahrsbegrüßung ersetzte heuer den traditionellen Neujahrsempfang im Kultur-und Kongresszentrum (KuKo), der aufgrund des schwer verunglückten Oberbürgermeisters Markus Ewald abgesagt worden war. Unterstützung erhielt Geiger am Mikrofon von Klaus Tappeser, dem Präsidenten des Regierungspräsidiums, der mit seiner Frau eigens aus Tübingen zur Neujahrsbegrüßung nach Weingarten gekommen war.

Der Schneeregen peitscht über den Platz als das städtische Orchester Aufstellung nimmt und die „Stadtgarde zu Pferd“ sich – der Witterung wegen zu Fuß – hinter dem Standartenträger und den Fanfarenbläsern positioniert. Wohl dem, der einen Schirm oder wenigstens eine Mütze eingesteckt hat. Und selbst die charmanten Herren wie der ehemalige Hauptamtsleiter Günter Staud ziehen zum Handschlag den rechten Handschuh zwar aus – aber genauso gerne umgehend wieder an. Es ist kalt und unwirtlich.

Gespräche drehen sich um Ewald

Die Gespräche drehen sich um das Wetter. Und natürlich um Markus Ewald. Den „feinen Menschen“, wie aus einem Grüppchen zu hören ist. Man sei erleichtert, ja froh, dass es offenbar aufwärts gehe, mit dem Stadtoberhaupt. Der war bekanntlich im Dezember bei einem Autounfall lebensbedrohlich verletzt worden und befindet sich momentan in Reha. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Bürgermeister Alexander Geiger als zweite Spitze im städtischen Gefüge seine Neujahrsbegrüßung mit diesem allgegenwärtigen Thema beginnt. Offenbar hat sich Ewalds Ehemann soweit regeneriert, dass er an diesem kleinen Empfang teilnehmen kann – jedenfalls begrüßt ihn Geiger zuerst. „Es ist mir ein Anliegen Ihnen, Herr Müller, zu sagen, dass ich mich sehr freue, dass Sie heute hier sind“. Es sei nicht das erste Mal, dass er stellvertretend für Ewald das neue Jahr begrüße. Jedoch sei vor vier Jahren die damals notwendige Operation bei Markus Ewald geplant gewesen. Das Wetter hingegen sei ihm schon damals nicht hold gewesen und die Stadtgarde ebenfalls zu Fuß angetreten, erinnert sich Geiger launig.

Dann überbringt er Ewalds „herzlichste persönliche Grüße und Wünsche fürs Neue Jahr“. Ewald bedanke sich für die unzähligen Genesungswünsche, Gebete und die große Anteilnahme, so Geiger. Und er habe ein weiteres Signal gesendet: Es gilt den Blick nach vorne zu richten und ihn weiterhin in unsere Gebete einzuschließen. In seinem kurzen Rückblick auf das „generell gute Jahre 2018“ kommt das Schuler-Areal als wichtigstes Entwicklungsprojekt vor ebenso wie die Schulentwicklung, die er mit 50 Millionen als bislang größtes städtisches Investitionsprojekt in die Geschichte eingehen sieht. Geiger erwähnt das Stadtentwicklungskonzept, für das ein Masterplan erarbeitet werden wird und freut sich über die „sehr gute wirtschaftliche Entwicklung“. Erstmals habe man mehr als 18 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen verzeichnen können.

Aufruf zur Kommunalwahl

Schließlich bittet Geiger mit Blick auf die Kommunalwahl im Mai inständig darum, sich direkt in der Kommunalpolitik zu engagieren. „Im Gemeinderat werden die Entscheidungen über die Zukunft unserer Stadt entschieden – nicht auf der großen Weltbühne“, erinnert Geiger die Zuhörer. Im Anschluss daran zeigt sich der Präsident des Regierungspräsidiums Tübingen Klaus Tappeser in einer freien Rede überzeugt davon, dass mit Alexander Geiger die Amtsgeschäfte in Weingarten erneut in fähigen Händen seien („Sie tragen die Last und Bürde aufrecht“), bekundet die Solidarität und Hilfe des gesamten Regierungspräsidiums, wünscht Ewald „Gute Besserung“ und gedenkt auch kurz seinem alten Weggefährten, dem verstorbenen Oberbürgermeister a. D. Gerd Gerber.

„Aber Weingarten ist und bleibt gut aufgestellt“, konstatiert Tappeser in einer wetterbedingt deutlich abgespeckten Version seiner ursprünglichen Rede. „Hier, in der kleinsten, große Kreisstadt mit ihren Bildungsstätten, hier wird Zukunft gemacht“, lobt Tappeser die bildungspolitische Bedeutung und Attraktivität Weingartens. Ihrer Heimatstadt mehr als nur verbunden fühlen müssen sich die Mitglieder des Musikvereins, die nach dem Motto „Augen zu und durch“ ihre Stücke spielen. Auch die Stadtgarde steht regungslos, trotzt dem Wetter und hält die immer schwerer werdenden Bärenfellmützen standesgemäß still. Lediglich die bunte Trachtengilde kann Unterschlupf suchen unter einem der wenigen weißen Schirme. Und die Weingartener? Die zollen ihrer Heimatstadt und ihrem Bürgermeister mit nassen Füßen und hochgeklappten Mantelkragen Tribut. Selbst bei schlechtem Wetter und in stürmischen Zeiten.

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