Weingartener Mostclub feiert närrisches Jubiläum

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Im Mittelpunkt der traditionellen Mostclubsitzung am Rosenmontag im Alten Ochsen in Weingarten stand natürlich die Feier der 111. Sitzung. Zum närrischen Jubiläum gratulierten die Stadt Weingarten, die Plätzlerzunft, die Ravensburger Faschings-Gesellschaft „Milka“ und natürlich die Ritter von der Schwafelrunde. Jeder auf seine Weise - und jeder mit unterschiedlichem Erfolg.

Doch zunächst galt es dem scheidenden Präsidenten Jürgen Hohl zu huldigen. Nach zehn Jahren an der Spitze des Mostclubs sei für ihn jetzt Schluss, sagte Hohl. Er wolle sich nun auf das Museum für Klosterkultur konzentrieren. Doch ein Mostclubpräsident kann nicht einfach zurücktreten, ohne die Ehrenpräsidentschaft zu erlangen.

Um dieses Amt auszufüllen, brauche es würdige Insignien. Man habe, so Martin Hipp, seines Zeichens Nachfolgepräsident, tief im Archiv gegraben und Schätze für den König der Narren geborgen: einen Mostkrug, eine eiserne Faust und einen Apfel. Als Krone setzte Hipp dem neuen Ehrenpräsidenten den „Flatulenzenverteiler“ von Götz von Berlichingen auf, den dieser einem Gemälde gemäß am Hintern trug.

Das „Fakefest“

Doch ob es sich tatsächlich um einen „runden“ Geburtstag handelt und der Club zur Erhaltung des Nationalgetränks „Most“ tatsächlich zum 111 Mal zusammentraf, darum entbrannte ein heftiger Streit. Denn wenn es stimme, meinte Plätzlerchefin Susanne Frankenhauser, das Gründungsjahr sei 1909 „so wird auch einem Laien klar zu 111 fehlt eindeutig ein Jahr! Und deshalb sei das heute ein „Fakefest“. Dass es sich um Betrug handele sei umso sicherer, weil ein Mostklubmitglied eine Fahne bei einem berühmten lokalen Maler in Auftrag gegeben habe, der aus der 09 eine 08 machen sollte.

„So eine Geschichtsklitterung darf man nicht zulassen“, rief Frankenhauser. „So viele ’Ls’ kanns gar nicht geben, damit wir das noch korrekt erleben.“ Das Gewissen des Malers habe es deshalb nicht zugelassen, bei diesem Schwindel mitzumachen. Er habe deshalb vor die 09 ein kleines „circa“ angebracht.

Nicht nur die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die Pächter verlassen den Alten Ochsen und wie es mit der altehrwürdigen Gastwirtschaft weitergeht, ist noch völlig offen. Grund zur Sorge für den Mostclub, wo dann die 112. Sitzung stattfinden soll. Das kann aktuell niemand sagen. Grund genug für die Stadt Weingarten sich für die Mostclubmitglieder a la Maria und Josef auf die Suche nach einer künftigen Bleibe umzusehen. Ein Anruf beim Pfarramt mit der Bitte um Öffnung des Klosters scheiterte am Schutzpatron. Der habe dort nichts verloren, sonst müsse man in der Hölle schmoren.

Auch die Anfrage bei I+R Schuler scheiterte, und zwar am Geld. Dort gebe es nämlich nur Gebäude über einer Millionen Euro. Das Gasthaus Rössle ging ebenfalls nicht und im Rathaus konnte die erste Geige Geiger weder den Sitzungsaal (ehrwürdig) noch das Hallenbad (kann das Becken nicht tragen) noch das Kornhaus (verkauft) anbieten.

Doch hatte der Bürgermeister noch eine letzte Idee. Am Telefon klang das Angebot verlockend: Einen Raum mit Küche habe man frei. Man sei auch mit dem Brauchtum eng verbunden und habe stets geöffnet. Allerdings stellte sich heraus, dass sich dieser exklusive Raum im Haus am Mühlbach befindet. Saugatter! Saugatter! Saugatter! quittierten die Mitglieder diese Lösung und die Büttel führten Bürgermeister Geiger ab, der stellvertretend für die Stadtverwaltung die Saugatter-Schande auf sich nahm.

Die letzte Chance

Gedanken um die räumliche Zukunft machte sich auch die Ravensburger Faschings-Gesellschaft „Milka“. Die Basilika käme laut Präsident Christoph Stehle nicht in Frage, da sie von Ungeziefer befallen eh bald abgerissen werden müsse. Doch habe das Ravensburger Immobilienbüro „Bengel und Völler“ bereits Pläne für Wohnblöcke in schlichter Eleganz anstelle des Feudalismusbaus. Dort gebe es schöne Kellerräume für den Mostclub.

Entging der Milka-Präsident mit diesem Vorschlag schon knapp dem Saugatter, konnte der Redebeitrag seines Vizes Egon Streicher dies nicht verhindern. Die Sitten und Gebräuche des Mostclubs seien schlichtweg ein Skandal. Er forderte, die Satzung zu ändern, den Schutzpatron Götz von Berlichingen abzuschaffen und die Verantwortlichen lebenslang ins Saugatter zu sperren. Die letzte Chance sei der Milka-Orden für Vernunft und Sitte. Es nutzte nichts, er musste ins Saugatter.

Hallenbad und Feinstaub

Ein Kasperletheater - im wahrsten Sinne des Wortes - führten die Ritter von der Schwafelrunde auf. Im Mittelpunkt standen die Ermittlungen des Wachtmeisters um den Fließen-Skandal im Weingartener Hallenbad. Der Beweis sei erbracht: Eine Wasserprobe habe eine hohe Urin-Konzentration mit einem Mostanteil von über 80 Prozent festgestellt.

Dieser hätte die Fließen von der Wand gelöst. Und auch beim Thema „Feinstaub“ hatten Gretel und die Veri-Hexe mit Atemschutzmaske die Lösung: Am höchsten sei die Feinstaub-Konzentration am Rosenmontag. Den dort würde das Mostclub-Präsidium so heiße Luft erzeugen, als wäre es ein zweites Pompeji.

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