Weingartener Laien stellen sich ihrer Verantwortung

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In Weingarten wird ein neuer Kirchengemeinderat gewählt.
In Weingarten wird ein neuer Kirchengemeinderat gewählt. (Foto: Friso Gentsch)
Anton Wassermann

Von Frustration reformwilliger Katholiken und einer hohen Zahl von Kirchenaustritten ist seit Längerem viel die Rede. Auch in Weingarten sind viele enttäuscht, dass der Ruf nach einer grundlegenden Erneuerung der katholischen Kirche in Rom kaum Widerhall findet. Doch das hat nach Auskunft von Dekan Ekkehard Schmid und Pfarrer Benno Ohrnsberger nicht dazu geführt, dass es für die bevorstehende Kirchengemeinderatswahl nicht ausreichend Bewerbungen gegeben hat.

„Wir haben die Zahl der Kirchengemeinderäte in St. Martin sogar von 14 auf 16 erhöhen können“, freut sich Dekan Schmid, Pfarrer der Basilika-Gemeinde. Und um diese 16 Ratsplätze stellen sich 18 Persönlichkeiten zur Wahl. „Wir hätten auch noch zwei weitere Personen, die sich notfalls für eine Kandidatur bereiterklärt hätten, allerdings nur für den Fall, dass sich nicht ausreichend viele Kandidaten gefunden hätten“, berichtet Schmid weiter.

Niemand soll zeitlich überfordert werden

Ihm gehe es nicht um einen Wahlkampf wie im politischen Bereich, sondern um Wertschätzung für die Menschen, die bereit sind, in der Kirchengemeinde Verantwortung zu übernehmen und ehrenamtlich das Gemeindeleben zu gestalten. Dabei sei es ihm wichtig, niemanden zeitlich zu überfordern: „Auch aus diesem Grund haben wir das Gremium um zwei Sitze erweitert. Schließlich kommt auf den Kirchengemeinderat St. Martin in den nächsten Jahren eine Menge Arbeit zu. Die umfassende Innenrenovierung der Basilika steht an. Da geht es auch um die Frage, wie der liturgische Raum künftig aussehen soll.” Ein weiteres komplexes Thema sei der Neubau des Kindergartens St. Xaverius.

Gründliche Vorbereitungen

Auch wenn dem Pfarrer in einer Gemeinde eine tragende Funktion zukomme, sei der Kirchengemeinderat ein Rechtsträger mit einer hohen Verantwortung, beton Dekan Schmid. Daher hätten sich alle Kandidatinnen und Kandidaten sehr gründlich auf diese Aufgabe vorbereitet, unter anderem bei einer Klausur.

Den Frauenanteil im Kandidatenfeld beziffert Schmid mit einem Drittel. Er hätte sich noch mehr Frauen in diesem Gremium gewünscht. Erfreulich sei ein breiter Altersquerschnitt: „Auch einige Jüngere sind dabei, die aus der kirchlichen Jugendarbeit kommen.“ Von den bisherigen Ratsmitgliedern stellen sich acht der Wiederwahl. Von denen, die nicht weitermachen, scheide aber niemand frustriert aus.

„Hier hat der Kirchengemeinderat aus dem Stand heraus eine großartige logistische Leistung erbracht.“ Dekan Ekkehard Schmid

Nicht ohne Stolz blickt Schmid auf darauf zurück, welche Herausforderungen das bisherige Gremium gemeistert hat: „Plötzlich hatten wird im Kloster eine große Flüchtlingsunterkunft. Da musste in kurzer Zeit eine Betreuung organisiert werden. Es war überwältigend, wie groß die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung war. Hier hat der Kirchengemeinderat aus dem Stand heraus eine großartige logistische Leistung erbracht.“ Nicht ganz einfach war nach Auskunft von Pfarrer Benno Ohrnsberger die Kandidatensuche in der Seelsorgeeinheit, die von den Pfarreien St. Maria und Heilig Geist gebildet wird. „Aber wir können in beiden Gemeinden wählen. Für das zwölfköpfige Gremium in Heilig Geist stehen zwölf Namen auf dem Wahlzettel. „Hier war mir wichtig, dass alle zum Zug kommen, die sich für eine Mitarbeit bereit erklärt haben“, sagt Ohrnsberger. In St. Maria stellen sich für die 14 Ratsplätze 17 Personen zur Wahl.

In der fünfjährigen Amtszeit des neuen Kirchengemeinderats stehen in der Seelsorgeeinheit mehrere personelle Veränderungen an. „Das erzeugte anfangs eine gewisse Verunsicherung. Aber ich konnte den Leute Mut machen, sich dieser Aufgabe zu stellen“, berichtet der Pfarrer.

Nachfolge für Benno Ohrnsberger ungewiss

In zwei Jahren erreicht Benno Ohrnsberger das für Geistliche geltende Pensionsalter von 70 Jahren. Ob es für ihn einen Nachfolger geben wird, ist nach Auskunft von Dekan Schmid ungewiss. Er habe zwar beim Ordinariat in Rottenburg den Antrag auf eine Wiederbesetzung der Pfarrstelle in St. Maria gestellt, aber noch keine Zusage erhalten. Wegen des großen Priestermangels sei es höchst ungewiss, ob die Diözese die Pfarrstelle erneut besetzen wird. Das sei noch in der Schwebe, betont der Dekan. Aber auch im Pastoralteam der Seelsorgeeinheit stehen Pensionierungen an, berichtet Ohrnsberger. Der Nachwuchs an jungen Pastoralreferentinnen und -referenten sei ebenfalls seit einigen Jahren rückläufig, so dass man nicht sicher sein könne, dass jede frei werdende Stelle nachbesetzt wird. Auf die neuen Gremien kämen auf jeden Fall spannende Aufgaben zu.

St. Maria und Heilig Geist seien sehr lebendige Gemeinden, in denen viele Mitglieder in ihrem Engagement getragen seien von der Überzeugung, dass die katholische Kirche dringend reformbedürftig ist, sagt Ohrnsberger. Die Diskussion um die Ravensburger Erklärung mit der von Bischof Gebhard Fürst inzwischen untersagten Einladung an die evangelischen Christen zur gemeinsamen Eucharistiefeier bewege die Katholiken in St. Maria und Heilig Geist nach wie vor. Aus beiden Gemeinden seien mehrere Briefe an den Bischof geschrieben worden mit der Bitte, mehr Raum zu lassen für die Ökumene an der kirchlichen Basis.

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