Weingartener demonstrieren gegen AfD-Treffen

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Weingartener demonstrieren gegen AfD-Versammlung

Bei einer AfD-Veranstaltung in der Gaststätte „Rössle“ in Weingarten haben am Dienstagabend rund 30 Demonstranten vor der Kneipe ihren Unmut geäußert.

Schwäbische Zeitung

Bei einer AfD-Veranstaltung in der Gaststätte „Rössle“ in Weingarten haben am Dienstagabend rund 30 Demonstranten vor der Kneipe ihren Unmut geäußert. Während der Veranstaltung von 19 bis 21 Uhr zeigten sie mit Plakaten und Parolen was sie von der AfD halten. Die Polizei war die gesamte Zeit mit einem Streifenwagen vor Ort. Schließlich war das „Rössle“ in der Nacht auf Dienstag mit Anti-Afd-Sprüchen beschmiert werden.

Doch dafür verlief während der Demonstration, die nicht offiziell angemeldet worden war, alles friedlich. „Sie haben Transparente hochgehalten, getrommelt und ein paar Parolen skandiert. Inhaltlich war das nicht dramatisch“, sagt Peter Veil, Leiter der Führungsgruppe bei der Weingartener Polizei, der am Dienstagabend persönlich vor Ort war. „Das war alles im Rahmen. Es gab keine Beleidigungen oder Straftaten.“

Gemeinsam mit einem Kollegen war Veil gegen 18.30 Uhr zum Rössle gefahren, um die Veranstaltung, bei der AfD-Politikerin und Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Waldshut im Südschwarzwald, Martina Böswald, über das Thema „Rente und Altersarmut“ sprach, zu begleiten. Ursprünglich hatte man nur ab und an vorbeifahren wollen, doch hatten Unbekannte in der Nacht auf Dienstag an zwei Stellen den beleidigen Schriftzug „AfD FCK“ an die Außenmauer des Gasthofes geschmiert. Daraufhin erstatte der Besitzer des Rössle Anzeige wegen Sachbeschädigung und ließ die Schmierereien direkt beseitigen.

Daher entschied sich die Polizei, die Veranstaltung durchgängig abzusichern. „Da haben wir gesagt, wir überwachen die Veranstaltung dauerhaft mit zwei Leuten und haben noch etwas in der Hinterhand“, sagt Veil. Doch auch von Seiten der AfD hatte man Vorkehrungen getroffen und sechs private Sicherheitsleute engagiert. „Das müssen wir leider machen“, sagt Helmut Dietz vom AfD-Kreisverband, der auch Direktkandidat für die anstehende Bundestagswahl ist.

Demonstration nicht angemeldet

Die Sicherheitskräfte waren während der gesamten Veranstaltung, die bis 21 Uhr ging, im Einsatz. Erst gegen Ende kamen einige Besucher – laut Veil etwa 40 bis 50, laut Dietz zwischen 60 und 65 – aus dem auf der Rückseite gelegenen Saal, um sich einen Eindruck von der Demonstration zu verschaffen. Durch das gegenseitige Fotografieren habe sich die Stimmung kurz etwas aufgeheizt, was aber zu keinen Problemen geführt oder das Eingreifen der Polizei notwendig gemacht habe. „Das muss man locker nehmen. In Zeiten der Bundestagswahlen kocht das ein wenig höher“, sagt Veil. Der gesamte Einsatz sei sehr friedlich verlaufen. Auch hätten sich die Demonstranten eher „tröpfchenweise“ eingefunden. „Da ist kein Trupp von 30 Leuten aufmarschiert“, sagt Veil. Das wiederum deutet auf eine spontane Aktion hin, weswegen die Demonstration wohl auch nicht angemeldet wurde.

Die Initiatoren der Demo waren für die „Schwäbische Zeitung“ nicht ausfindig zu machen. Allerdings haben wohl die politisch aktiven Gruppen „Keine Stimme für Rassismus“ und „Reclaim your streets“ an der Demo teilgenommen. „Wir wollten der AfD zeigen, dass es hier Leute gibt, die sie nicht willkommen heißen“, sagt eine Vertreterin von „Reclaim your streets“, die anonym bleiben möchte. „Die AfD gibt sich nach außen gut bürgerlich – das ist sie aber nicht.“ Das unterstreicht auch ein teilnehmender Student, der ebenfalls anonym bleiben möchte. „Ich habe daran teilgenommen, weil die Politik, die die AfD fordert, die reinste Katastrophe ist“, sagte er. Neben weiteren Studenten hätte auch Schüler und einige Anwohner an der Demonstration teilgenommen, so der Student. Er habe erst kurzfristig von der Aktion gehört.

Doch auch von Seiten der AfD war die Veranstaltung im Vorfeld nicht groß öffentlich beworben worden. „Wir müssen sehr vorsichtig sein, dass wir nicht noch die letzten Kneipen verlieren, wo wir noch hin dürfen“, sagt Dietz. Doch beim „Rössle“ braucht er sich da keine Sorgen machen.

Zwar wollte Rössle-Wirt Gerhard Flaitz auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ keine Angaben zur Versammlung oder den Schmierereien machen, doch hat er der AfD wohl bereits seine Bereitschaft signalisiert, weitere Veranstaltungen in seinen Räumlichkeiten auszurichten. Laut Dietz wird es am 23. August eine AfD-Veranstaltung zum Thema „Innere Sicherheit“ im Rössle in Weingarten geben.

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