Weingartener CDU am Scheideweg

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Axel Müller (54 Jahre alt) sitzt nicht mehr im Weingartener Gemeinderat. Das Archivbild zeigt ihn bei seiner CDU-internen Wahl
Axel Müller (54 Jahre alt) sitzt nicht mehr im Weingartener Gemeinderat. Das Archivbild zeigt ihn bei seiner CDU-internen Wahl zum Bundestagskandidaten. (Foto: Archiv: SZ)

Der langjährige Stadtrat Axel Müller ist nicht mehr Bestandteil des Weingartener Gemeinderates. Der Weingartener Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Montagabend Müllers Antrag auf Entlassung aus dem Ehrenamt bei nur einer Gegenstimme stattgegeben. Doch auch wenn seine Gründe nachvollziehbar sind, bringt er die Weingartener CDU damit in eine schwierige Lage. Denn mit Stimmenkönig Axel Müller scheidet nicht nur die prägendste Figur der Christdemokraten aus dem städtischen Parlament aus. Sein Abgang offenbart ein ganz grundsätzliches Problem der Christdemokraten: Die Fraktion ist überaltert. Nur ein CDU-Stadtrat ist jünger als 50 Jahre alt, die anderen haben die 60, einige schon die 70 überschritten. Gerade mit Blick auf die Kommunalwahlen 2019 ist ein Generationswechsel wohl unvermeidbar.

Denn mit seinen 54 Jahren war Axel Müller das zweitjüngste Mitglied der Weingartener CDU-Fraktion. Nur Markus Brunnbauer, sein designierter Nachfolger und bisheriger Fraktionsvize, ist mit 47 Jahren noch jünger. Der 64-jährige Wolfgang Pfau und die 67-jährige Elisabeth Krämer sind 17 beziehungsweise 20 Jahre älter als Brunnbauer. Dietmar Straub (70 Jahre alt), Dieter Pfleghar und Alfred Schick (jeweils 75 Jahre alt) haben die 70 bereits überschritten. Auch wenn Marieluise Kliegel, die für Müller nachrückt, Jahrgang 1961 ist, schreit das Durchschnittsalter der Fraktion mit 65 Jahren geradezu nach einer Verjüngung. Konkret habe man sich darüber noch nicht ausgetauscht, erklärten Müller und Brunnbauer. In der zweiten Jahreshälfte wolle man mit den Vorbereitungen zur Kommunalwahl 2019 beginnen. „Der Stadtverband und die Fraktion werden das, wie schon in der Vergangenheit, Hand in Hand machen“, sagte Müller, der dem Stadtverband weiterhin vorsteht.

Bis dahin werden sich gerade die etwas älteren CDU-Stadträte Gedanken machen, ob sie erneut zur Verfügung stehen. Gerade die beiden „Alterspräsidenten“ sind als Bürgermeisterstellvertreter (Schick) und Leiter des Seniorenzentrums „Haus am Mühlbach“ (Pfleghar) aktuell stark gesellschaftlich aktiv. Sollten sie sich entscheiden, auf eine Kandidatur zu verzichten, würde zwar jahrzehntelange Erfahrung verloren gehen. Allerdings gibt es wohl genügend Nachwuchs. So hat sich der Weingartener Stadtverband – ganz im Gegensatz zur Gemeinderatsfraktion – in den vergangenen drei Jahren verjüngt.

Großer Mitgliederzuwachs

Das ist allerdings vor allem der Nominierung von Axel Müller zum Bundestagskandidaten im Jahr 2016 zu verdanken. 59 Neumitglieder entschieden sich damals für die Weingartener CDU, sodass die aktuelle Mitgliederzahl mittlerweile bei 206 liegt. Aktuell beträgt der Altersdurchschnitt 51 Jahre. Die Neumitglieder von 2015 bis 2017 sind im Durchschnitt 41 Jahre alt. „Das ist ein positives Zeichen. Man hat gesehen, dass man die Leute in Bewegung bekommt“, sagt Brunnbauer, der sich nach Müllers Ausscheiden für den Fraktionsvorsitz zur Verfügung stellen will. Allerdings weiß er auch, dass es für die Kommunalwahl Engagement braucht – gerade für die jungen Wähler.

Und Brunnbauer weiß, wovon er spricht. Als Bereichsleiter Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) hat er tagtäglich mit jungen Menschen zu tun. Daher begreift er die anstehende Kommunalwahl auch als „große Chance, wenn Raum da ist, auch gewählt zu werden. Wir haben überall Leute, die sich für die Stadt interessieren“, sagt Brunnbauer. Man müsse sie nur begeistern. Dabei bauen er und Müller auch auf die Junge Union in Weingarten, die derzeit 22 Mitglieder umfasst.

Durchmischte Liste für die Wahl

„Wir werden eine Liste aufstellen, die alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten beinhalten wird, um ein attraktives Angebot zu machen. Wenn die Wähler und Wählerinnen mehr jüngere Gemeinderäte wählen wollen, werden sie bei uns die Gelegenheit dafür haben“, prophezeit Müller. „Klar ist, dass meine Stimmen auf den ersten Blick fehlen werden, aber wer weiß, wen wir alles auf der Liste haben werden. Vielleicht schafft es der eine oder andere genauso zu überzeugen. Ich habe ja auch nicht als ´Stimmenkönig´ angefangen.“

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