Weingarten will in digitale Zukunft starten

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 Trug als Tischpatin Ideen zum Themenkreis „Kultur, Freizeit, Tourismus“ zusammen: Susanne Frankenhauser (links).
Trug als Tischpatin Ideen zum Themenkreis „Kultur, Freizeit, Tourismus“ zusammen: Susanne Frankenhauser (links). (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Auch in Weingarten soll das Leben smarter und digitaler werden. Doch was wünschen sich die Bürger, was braucht die Verwaltung und wo birgt die Digitalisierung Gefahren? Als ersten Schritt in Richtung digitalen Wandel lud die Stadt Weingarten am Mittwochabend zu einer Bürgerwerkstatt ein. Im evangelischen Gemeindehaus trugen Bürger an Thementischen fleißig Ideen und Anregungen zusammen.

Eine SchuTa-App (Anwendungsprogramm für Smartphones oder Tablets), in der beispielsweise Veranstaltungen im Schussental aktuell gelistet sind – so etwas soll kreiert werden. Die Möglichkeit, eine digitale Stadtführung zu erleben, wäre schön. Könnten nicht die Vereinsheime für alle Bürger geöffnet und mit einem einfachen online-Buchungssystem versehen werden? Oder wie wäre eine App für Mitlauf- oder Mitfahrgelegenheiten, die Elterntaxis ablösen würden und damit dem Umweltgedanken Rechnung trägt? Und: Lasst uns doch einen Energiesparwettbewerb ausloben. Solche und eine stattliche Anzahl weiterer Vorschläge fielen, in der von etwa 30 Bürgern besuchten Bürgerwerkstatt. Bürgermeister Alexander Geiger erklärte in seiner kurzen Einführung, die Stadt Weingarten sei Mitte 2018 als eine von 15 Zukunftskommunen vom Land ausgewählt worden und habe eine erfreuliche Förderung in Höhe von 40 000 Euro erhalten, zur Erarbeitung einer Digitalisierungsstrategie. Sylvia Burg, Leiterin der zentralen Steuerung der Stadt, erläuterte die ersten Schritte der Verwaltung auf dem Weg ins digitale Zeitalter – unter anderem die Ausbildung von sieben Digital-Lotsen – und stellte die Moderatoren des Abends vor: Martin Müller und Carlo Schöll, die zwar nicht wie Pressesprecherin Sabine Weisel zuvor von einer „Reise ins Ungewisse“ sprachen, die Bürger jedoch zur Mitarbeit anregten.

„Schimpfen, spinnen, schaffen“ – nach der von Müller ausgegebenen Devise sollten Ideen gesammelt und die Menschen mitgenommen werden. An neun Thementischen konnten – mit einem papierenen Tischtuch in der Mitte versehen – Anregungen, Wünsche und auch Sorgen notiert werden.

Mehrsprachliche Formulare

„Mehrsprachliche Formulare“ wünschten sich dann auch die Mehrheit der Bürger, die am Tisch „Teilhabe, Inklusion und Integration“ zusammenfanden. Zum Thema „Mobilität und Infrastruktur“ fielen Vorschläge wie eine App für E-Scooter-Verleih oder eine Chipkarte, mit der Nutzer den Bus oder einen Parkschein gleichermaßen bezahlen können. Die Bürger am Tisch „Einzelhandel, Handwerk und Wirtschaft“ brachten Ideen wie „Too good to go“ (quasi eine Resteverwertung von Mittagstischen) oder einen lokalen Handwerkerpool ins Gespräch. Und vorhersehbar wurde an beinahe allen Tischen zwei grundsätzliche Themen erörtert: Wie können personenbezogene Daten in der digitalen Welt geschützt werden? Und vielleicht noch drängender war der Impuls: Solange es kein verlässliches, stabiles Netz gibt, sind Szenarien wie Roboter im Bürgerservice oder autonom fahrende Busse sowieso keine Option.

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