Weingarten soll Universitätsstadt werden

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Schwäbische Zeitung

Theresia Bauer, Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, hat klare Vorstellung über die Eigenschaften eines Hochschulrektors: „Auf den Rektor kommt es an, sich auf den Weg zu machen, wenn er nicht das Rendezvous mit der Zukunft verpassen will.“ So die Ministerin in ihrer Rede zur Einsetzung von des neuen PH Rektors Professor Werner Knapp. „Der Rektor muss neue Akzente und eigene Impulse setzen“, sagte Bauer weiter in der PH-Aula. Werner Knapp bringe alleine aufgrund seines beruflichen Werdeganges diese Eigenschaften mit.

Das Rendezvous mit der Zukunft will Werner Knapp gewiss nicht verpassen, was er in seiner launig und intelligent vorgetragenen Antrittsrede deutlich machte: „Ich habe den Traum von einer PH Weingarten als bildungswissenschaftlichen Universität“, sagte Knapp. Die Region brauche eine Universität, wieso also nicht in Weingarten.

An den Voraussetzungen arbeitet der verhältnismäßig kleine Standort seit Jahren, der Forschungsbereich etwa ist gewachsen soll auch künftig kräftig zulegen. Allein der Herausforderungen wegen: „Der demografische Wandel wird zu abnehmenden Einstellungen in einem Teil der Schularten führen“, sagte die Ministerin. Deshalb brauche es neue Ausbildungen, neue Fächer und an den Pädagogischen Hochschulen neue Studiengänge und eben auch „eine Erweiterung wissenschaftlichen Arbeitens“.

Forschung wurde ausgeweitet

Eine gute Vorarbeit, da waren sich die Redner einig, hat in dieser Hinsicht Margret Ruep, Vorgängerin Knapps und heute Ministerialdirektorin im Kultusministerium, geleistet: „Unter ihr sind die Studentenzahlen gestiegen, die Forschung wurde ausgebaut, die Drittmittel sind angestiegen“, sagte Theresia Bauer. „Und es ist Ruhe eingekehrt auf dem Martinsberg.“

Ruep selber gab einen Rückblick auf die für sie erfahrungsreiche und wertvolle Zeit in Weingarten, in der sie sich unter anderem über den Streik der Studenten gefreut habe: „Weil sie hartnäckig für etwas eingetreten sind.“ Mit Erfolg, wie Werner Knapp bestätigte, ging es dem akademischen Nachwuchs neben den Studiengebühren um das zu verschulte Studium im Zuge des sogenannten Bologna-Prozesses: „Das Studium ist heute offener“, so Knapp, die Zahl der Module, also der Prüfungen, wurde reduziert, die Forschung auch hier ausgeweitet.

Landrat Kurt Widmaier, Vorsitzender der Freunde der PH Weingarten, betonte seine Hoffnung auf ein „wohnortnahes Studium“. Angesichts des demografischen Wandels und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen „können wir es uns nicht leisten, dass die Jungen mehrheitlich nach außen abwandern“. Er wünscht sich eine „solide Einbindung der PH in Stadt, Landkreis und Region“.

Auf kleinstem Nenner, nämlich in Weingarten, ist dies schon geschehen, das zumindest die Meinung von Oberbürgermeister Markus Ewald, der sagte: „Beide Hochschulen prägen die Atmosphäre in der Stadt.“

Wie auch immer, eine Universität hätte gewiss Einfluss auf die Atmosphäre, was laut Werner Knapp kein Traum bleiben muss, denn: „Wir sind nur solange Provinz, solange wir es glauben.“

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