Weingarten feiert mit Spezialitäten aus Südosteuropa

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 Tänze aus aller Welt gab es beim Fest der Begnung zu sehen.
Tänze aus aller Welt gab es beim Fest der Begnung zu sehen. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
dls und Dorothee L. Schaefer

„Das machen wir schon seit 30 Jahren, da gab’s das Wort Integration noch gar nicht“, begrüßt Marcus Schmid vom Stadtmarketing die zahlreichen Gäste auf dem Löwenplatz vor dem offiziellen Beginn und freut sich über das Interesse am „Fest der Begegnung“. Dies findet wie in jedem Jahr am Samstag statt, nach der Auftaktparty im Stadtgarten am Freitagnachmittag, die bis nach Mitternacht dauerte.

Heute trifft man sich zum späten zweiten Frühstück an den bekannten Ständen mit ausländischen Spezialitäten der Weingartener Vereine. Neu dabei sind der 2018 gegründete Albanische Verein, ein portugiesischer Stand und das Integrationszentrum Weingarten. Um Punkt elf Uhr zieht der Fanfarenzug Welfen ein und erklimmt zusammen mit dem Welfenpaar und dem Ersten Bürgermeister Alexander Geiger die Bühne. Wie immer ist es schon morgens heiß auf dem Platz, die vier Zierahornbäume auf dem Löwenplatz geben sich Mühe, ein paar Meter Schatten zu spenden – denn was ist besser, als im Baumschatten zu sitzen? Aber wenigstens weht ab und zu eine frische Brise durch die von allen möglichen Bratgerüchen geschwängerte Luft. Nach der Eröffnungsrede von Alexander Geiger und der Begrüßung durch das Welfenpaar, musikalisch eingerahmt von den Welfen, gibt es eine kleine Pause, bis der Chor der Deutsch-Französischen Gesellschaft alte französische Chansons zum Besten gibt. Für die Chöre ist das akustisch auf der Bühne immer schwer, denn der allgemeine Geräuschpegel auf dem Platz ist ziemlich hoch und die Bühne nach zwei Seiten offen. Aber dem überwiegend weiblichen Chor macht es Freude und den Zuhörern auch. Danach steht auch schon das traditionelle Folkloreensemble „Svilen Konak“ aus Serbien bereit, „Seidenfaden“ bedeutet der Name. 2002 wurde es von der serbisch-orthodoxen Gemeinde in Friedrichshafen gegründet und umfasst 30 junge Mitglieder, erzählt der Leiter des Ensembles. Sie tragen schwere wollene Kostüme, bestickte weiße Blusen, die jungen Frauen weiße Kopftücher, die jungen Männer kegelförmige Filzhüte; die Mokassins ähnlichen Opanke-Schuhe, die mit Schnüren am Bein festgebunden werden, ermöglichen schnelle Fußbewegungen in den Reigentänzen. Sie bewältigen mühelos die kompliziertesten Schrittfolgen. Ganz anders und modern ausgerichtet die russische Ballettschule Svetlana Koop aus Bad Saulgau, die vier Tanzstile eindrucksvoll vorführt. Besonders der temperamentvolle „Zigeunertanz“ und der traditionelle georgische Tanz mit wunderbar graziöser Handgestik bleiben da in Erinnerung.

Nun aber meldet sich bei dem reichen Angebot von lecker aussehendem Essen der Magen, und man hat die Qual der Wahl. Bei Albi, der Albanischen Kulturgemeinde, schmeckt die Blätterteig-Pita nach mehr, an der anderen Platzecke locken zwei Riesenschüsseln mit erfrischendem Taboulé, dem Salat aus glatter Petersilie, mit Bulgur, Tomaten und Zitronensaft. Zwischendurch noch ein paar Melonenstücke, gut gegen den Durst.

Beim portugiesischen Stand kann man sich kaum entscheiden, ob man lieber herzhafte Rissóis - gefüllte Teigtäschchen mit Krabbenfleisch oder Stockfisch haben will oder lieber Pastéis de nata, kleine Puddingtörtchen in Blätterteig. Also am besten beides hintereinander, und dazu einen Vinho verde, der nur neunprozentige leicht schäumende Wein. Man könnte sich bei den höchst moderaten Preisen den ganzen Tag hier am Platz durchfuttern und dem weiteren Programm mit Musik aus dem Balkan vom Verein der Balkannationen, der Deutschrussen und der slowenischen Gruppe „Planinka“ lauschen. Außerdem ist das Fest der Begegnung ja auch neben all dem ein Ort des Gesprächs, wo man alte Freunde und Bekannte trifft und neue Bekanntschaften schließen kann.

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