Weichen für die Zukunft

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Florian Peking

Lautes Kindergekicher tönt durch die Gänge vor dem Audienzsaal der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Christian Netti, Sozialarbeiter aus Weingarten und - noch viel wichtiger - Magier, unterhält die versammelten Viertklässler mit seinen Tricks. Doch die Schüler aus Weingarten, Ravensburg und Bad Waldsee sind nicht nur hier, um sich verzaubern zu lassen, es geht auch um ihre Zukunft. Das Projekt „Weichenstellung“ will diese entscheidend mitgestalten. Die Initiative hat unlängst die Aufnahme ihres vierten Jahrgangs gefeiert.

„Weichenstellung“ ist ein Projekt der Stiftung der Wochenzeitung „Die Zeit“ sowie der Karl-Schlecht-Stiftung und gibt ausgewählten Schulkindern Mentoren an die Hand. Es sind Lehrer in spe, Lehramtsstudenten der Pädagogischen Hochschule Weingarten, die in der Regel drei Schüler begleiten und unterstützen. Sie sind sowohl in wie auch außerhalb der Schule präsent: Die Mentoren gestalten den Unterricht mit, helfen den Kindern bei den Hausaufgaben und geben individuelle Tipps, wie sie besser lernen können.

Aber auch in der Freizeit verbringen Schüler und Mentoren gemeinsam Zeit, um etwa Theater oder Museen zu besuchen. So sollen die Viertklässler, die vor dem Sprung aufs Gymnasium stehen, ihr Potenzial optimal entfalten können. Es sind insgesamt 20 Schüler, die den neuen „Weichenstellung“-Jahrgang bilden – vier von ihnen kommen aus Weingarten. Die Schüler wurden von ihren Klassenlehrern für das Projekt vorgeschlagen. Bis zu drei Jahre, von der vierten bis zur sechsten Klasse, begleiten die Studenten „ihre Kids“.

„Jeder braucht Menschen, die an einen glauben“, sagt Susanne Bahro von der Stiftung Siloah, die „Weichenstellung“ fördert. An Michael Schumacher oder Stephen King habe zunächst auch niemand geglaubt, so Bahro weiter, und doch wäre ihnen dank der Hilfe ihrer Mitmenschen der ganz große Erfolg gelungen. „Schumi!“ - Der ist auch den Viertklässlern noch ein Begriff.

Durch die individuelle Förderung würden die Schüler zu einem besseren Lernverhalten und mehr Selbstvertrauen gelangen, weiß Klaus Konrad, der das Projekt pädagogisch leitet. Er forscht gemeinsam mit Romy Strobel von der PH Weingarten, um die Lernförderung stetig weiter zu verbessern. Das Ziel: Chancengleichheit schaffen, die im normalen Schulbetrieb allein schon personell gar nicht möglich ist.

Die Kinder interessierte dieser theoretische Unterbau herzlich wenig. Sie warteten fieberhaft darauf, dass Christian Netti sie mit seinen nächsten Tricks verzaubert. Als sie am Ende ihre Aufnahmeurkunden bekamen, waren aber trotzdem alle stolz. Mit dem guten Gefühl, dass ihre studentischen Weichensteller an sie glauben, starten sie nun in ihre Zukunft.

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