Von der Wiege bis zur Bahre

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 Vikar Fabian Ploneczka interpretiert die Installation „Vorbereitung" und lädt dazu ein, sich assoziativ mit den Werken internat
Vikar Fabian Ploneczka interpretiert die Installation „Vorbereitung" und lädt dazu ein, sich assoziativ mit den Werken internationaler Künstler aus Mantua auseinanderzusetzen. (Foto: Margret Welsch)
Margret Welsch

„Geburt, Tod, Auferstehung“: Weit über christliche Zuschreibungen hinaus zeigt die Ausstellung internationaler Künstler aus Weingartens Partnerstadt Mantua zeitgenössische Positionen zu diesen universellen Themen. Und das an einem besonderen Ort: dem gotischen Kreuzgang des Klosters Weingarten. Die Ausstellung läuft noch bis 7. Juli. Danach wird der historische Wandelgang der Mönche wegen Renovierung über Jahre hinweg nicht mehr zugänglich sein.

Ein Stuhl, auf dem gefaltete Leintücher liegen, teils mit Gold durchwirkt, darauf ein Wachsklumpen. Mit „Vorbereitung“ ist die Rauminstallation von Sandra Selva betitelt. Was Vorbereitung auf eine Geburt mit Einwickeln des Säuglings meinen, aber auch das letzte Hemd des Toten bedeuten kann, das ja bekanntlich keine Taschen hat. Dazu der Wachsbrocken, der einerseits an den Aktionskünstler Josef Beuys und seinen erweiterten Kunstbegriff erinnert. Und auch für unseren Machbarkeitswahn stehen könnte, Leben mit all den pränatalen Möglichkeiten nach unseren Wünschen formen zu wollen.

Vikar Fabian Ploneczka bot bei der Abendveranstaltung zum Thema Geburt mögliche Interpretationen an. Doch gehört es ja zum Wesen der Kunst, mehrdeutig zu sein, sodass sich die Betrachter ihre eigenen Gedanken und Empfindungen auf die vielfältigen Werke der Ausstellung „… und die Erde bebte“ machen können. Von den Erschütterungen, die gleichermaßen den Beginn des Lebens und dessen Ende begleiten, sprachen die Theologin Karin Berhalter mit der Hebamme Gertrud Feuerstein.

Mit ihrer zeitgenössischen Bildsprache zu „Geburt, Tod und Auferstehung“ knüpften im Übrigen die Künstler aus Weingartens Partnerstadt Mantua, so der Kunstexperte Martin Oswald, an die große Tradition auch der italienischen Kunst zu diesen Themen an. Zahlreichen der Künstler mit ihren Werken bescheinigte Oswald, eine Brücke von biblischer Überlieferung in unsere Zeit zu schlagen. Etwa mit der goldmetallenen Rettungsdecke, die an das Schweißtuch und damit an den qualvollen Tod Jesu erinnern soll und gleichzeitig unsere Gegenwart mit den Katastrophen und dem Flüchtlingsleid heraufbeschwört.

Dafür steht auch der Ort der Ausstellung, der spätmittelalterliche Kreuzgang mit seinen wunderschönen gotischen Gewölberippen. Architektur und Kunst treten dabei in einen besonderen Dialog und erinnern an die historische Verbindung der Klöster und Städte Mantua und Weingarten. Kam vor knapp 1000 Jahren die Heiligblut-Reliquie von dort, so werden mit der Kunst und den Begegnungen an historischem Ort die Fäden weitergesponnen.

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