Von Camelot nach Weingarten

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Die Graphic Novel „Sir Gawain und der Grüne Ritter“ spielt im Kosmos der Artus-Saga.
Die Graphic Novel „Sir Gawain und der Grüne Ritter“ spielt im Kosmos der Artus-Saga. (Foto: Grafik: Walter Pfau)
Mirjam Schlicher

Die Ausstellung zur Graphic Novel „Sir Gawain und der Grüne Ritter“ öffnet Freitag im Kulturzentrum Linse in Weingarten ihre Türen. Gezeichnet und geschrieben wurde das Werk von den Künstlern Walter Pfau aus Weingarten und Christopher Bünte. Gleichzeitig startet auch der Verkauf des Comics um den mutigen Helden von Artus’ Tafelrunde.

Nach fünf Jahren ist die Graphic Novel „Sir Gawain und der Grüne Ritter“ bereit, die Comicliebhaber zu begeistern. 192 Seiten können gelesen und bestaunt werden. Dieses Ereignis möchten Bünte und Pfau mit allen Interessierten teilen: Aus diesem Grund laden die Künstler am Freitag, 28.Oktober, in das Kulturzentrum Linse in Weingarten ein. Im Rahmen eines Künstlergesprächs, geführt von Gerhard Schlegel, Comiczeichner aus München, werden sie ihr Werk vorstellen. Für ein mittelalterliches Flair soll nebenbei die Harfenspielerin Angela Schlögl-Eggert sorgen. Im Anschluss signieren Autor und Zeichner auf Wunsch einige Ausgaben. Gleichzeitig mit dem Erstverkaufstag geben die beiden Künstler den Startschuss für ihre zweimonatige Ausstellung. 40 Originalseiten und Skizzen können bis zum 1. Januar in der Linse besichtigt werden. Die Veranstaltung sowie die Ausstellung sind kostenfrei.

Erfahrung, Talent und Kreativität

Bereits im Jahre 2012 begann die Arbeit an dem Comic. Zum ersten Mal stieß Pfau in Form eines Hörspiels auf die Sage rund um Sir Gawain. Er war angetan von der Geschichte und deren Erzählung. „Natur, Landschaft, Frauen, Burgen. Da zuckt der Zeichenschrift in der Hand“, sagt der 41-Jährige. Als Unterstützung holte er sich Christopher Bünte ins Boot. Bünte wurde 1979 in Bremen geboren, war mehrere Jahre als freier Autor, Redakteur, Lektor und Übersetzer für Comicverlage tätig. Die zwei Künstler bilden so eine bunte Mischung aus Erfahrung, künsterischem Talent und Kreativität.

Doch wer sind überhaupt Sir Gawain und der Grüne Ritter? Sie sind Figuren einer alten englischen Sage. Sie spielt im Umfeld von König Artus und den Rittern der Tafelrunde. Im Mittelpunkt steht Sir Gawain, der sich einen Namen machen möchte. Als ein grüner Ritter auftaucht, nutzt er die Chance und nimmt dessen Angebot, ihm den Kopf abzuschlagen, an. Im Vorfeld stimmt er aber zu, falls der grüne Ritter den Schlag überleben sollte, dass dieser den Schlag ein Jahr und einen Tag später zurück geben darf. Sir Gawain enthauptet den grünen Ritter. Doch als dieser darauf hin seinen eigenen Kopf aufhebt und davon reitet, scheint das Schicksal von Sir Gawain besiegelt. Einige Zeit später macht er sich auf den Weg, den Grünen Ritter zu suchen. So beginnt seine Reise, die ihn wohl den Kopf kosten wird. Die Sage wurde im Mittelalter von einem unbekannten Autoren in Versform verfasst. Heute zählt sie zur Weltliteratur.

Von der Idee zum Comic

So eine Idee ließ sich nicht innerhalb von ein paar Tagen umsetzen. In Kleinarbeit stellte der Künstler Pfau etwa zwei Seiten pro Monat her. Dazu nutze er seine Freizeit. Beruflich ging er hingegen weiterhin seinem Job im Bruderhaus Ravensburg nach.

Doch wie geht der Künstler bei seiner Arbeit vor? „Ich lese mir die Szene durch und stelle mir vor, wie ich sie auf die schon festgelegte Seitenanzahl verteile. Darauf folgen dann die sehr, sehr groben Skizzen. Und dann geht’s ab zur Korrektur an meinen Autor. Für Ergänzungen und um sich darüber auszutauschen, was funktioniert und was nicht“, erklärt Pfau.

Ein Highlight des Comics verbirgt sich auf den letzten 22 Seiten in der Galerie. Gemäß einer amerikanischen Tradition lies Pfau seine Helden von verschiedenen Künstlern interpretieren und in ihrem Stil zeichnen. Die Werke von Steffen Gumpert, Manuel Clavel, Thilo Krapp, Rainer Weishaupt, der sonst für seine Karikaturen in der „Schwäbischen Zeitung“ bekannt ist, und viele weitere finden sich nun dort verewigt.

Mit Comics aufgewachsen

Geboren wurde Pfau 1975 im Allgäu. Seine Liebe zu Comics geht zurück bis in die Kindheit. Begeistert war er vor allem von den amerikanischen Superheldengeschichten. Trotz der Einschränkung, dass Pfau farbenblind ist, arbeitete er viele Jahre als freischaffender Illustrator für Kinder- und Jugendbuchverlage. Was ihm den Umgang mit den Farben in seiner Garphic Novel erleichtert hat, erklärt der Künstler so: „Ich bin farbenblind und dadurch ist es mir nicht gegeben, dass die Farben durch ein ganzes Album hindurch aus einem Guss sind. Deswegen habe ich mir die Farben virtuell mit Zahlen hinterlegt, so bin ich auf der sicheren Seite.“ Mittlerweile konzentriert er sich ganz auf seinen Beruf als Heilerziehungspfleger und zeichnet nur noch in seiner Freizeit. „Zeichnen gehört zu meinem Alltag. Wenn ich das zwei, drei Tage nicht mache, fehlt mir etwas“, sagt Pfau.

 

Die Eröffnung der Ausstellung zur Graphic Novel „Sir Gawain und der Grüne Ritter“ findet am Freitag, 28. Oktober, um 18 Uhr im Kultzurzentrum Linse in Weingarten statt. Weitere Infos zum Comic und zu den Künstlern sind unter the-green-knight.com zu finden, auf Facebook unter dem Namen „Sir Gawain und der Grüne Ritter“ und auf Youtube

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