Vom Skatepark bis ins Tonstudio

Lesedauer: 7 Min
 Sven Pahl, Raphael Buchmann, Christian Netti und Martin Bauer (von links) sind Ansprechpartner für die Jugendlichen in Weingart
Sven Pahl, Raphael Buchmann, Christian Netti und Martin Bauer (von links) sind Ansprechpartner für die Jugendlichen in Weingarten. (Foto: Katharina Koppenhöfer)
Katharina Koppenhöfer

Sie gestalten den Jugendtreff im Haus der Familie, organisieren Konzerte im Gewölbekeller, geben Workshops im Skatepark und unterstützen den Jugendgemeinderat bei wichtigen Entscheidungen. Sie sind Ansprechpartner für alle Jugendlichen und junge Erwachsenen in Weingarten: Das Team Jugendarbeit. „Unser Team ist sehr gut aufgestellt, das ist nicht selbstverständlich“, sagt Sven Pahl, Kommunaler Kinder-, Jugend-und Familienbeauftragter der Stadt Weingarten.

Zusammen mit Martin Bauer, Raphael Buchmann und Christian Netti betreut er die jungen Menschen. Unterstützt wird das Team durch eine Auszubildende, zwei Studenten der Weingartener Hochschulen und einige Honorarkräfte. „Durch die beiden Hochschulen haben wir hier in Weingarten einen klaren Standortvorteil und können Praktikumsstellen oder Projektarbeiten für Studenten anbieten“, so Pahl weiter.

Wie vielfältig und breit gefächert ihre Arbeit ist, wird spätestens im Gespräch mit den vier Männern deutlich. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die persönliche Entwicklung der Jugendlichen zu fördern, Selbstbewusstsein und Konfliktfähigkeit aufzubauen. „Wir versuchen auf der individuellen, sozialräumlichen und gesellschaftlichen Wirkungsebene aktiv zu sein“, erklärt Pahl. Dazu gehöre es, ein verständnisvolles und respektvolles Miteinander anzuregen und die Jugendlichen zum Beispiel mit Kommunalpolitik und politischer Teilhabe in Kontakt zu bringen.

Eigene Songs im Tonstudio aufnehmen

Im Haus der Familie können junge Menschen zwischen 13 und 22 Jahren am Mittwoch, Donnerstag und Freitag nachmittags gemeinsam Zeit verbringen. Es gibt Billiard, Kicker, ein Playstationzimmer, eine Küche und einen Café-Bereich. Außerdem beherbergt das Haus der Familie einen Kreativraum, in dem die Jugendlichen mit der Siebdrucktechnik T-Shirts und Hoodies selbst gestalten können. Und das ist noch lange nicht alles.

Ein Bandproberaum und ein Tonstudio ergänzen das Angebot. So können die Bands ihre Musik aufnehmen und Videos bearbeiten. „Sieben Bands teilen sich im Moment den Proberaum. Die Jugendlichen organisieren die Belegung selbst und sprechen sich untereinander ab“, erklärt Martin Bauer. Lediglich beim Aufnehmen im Tonstudio werden die jungen Bands vom Profi unterstützt. Bei Konzerten im Gewölbekeller haben die Bands, Sänger oder DJs dann die Gelegenheit sich vorzustellen.

Neben den zahlreichen Angeboten im Haus der Familie ist dem Team aber auch die Vernetzung mit Schulen in Weingarten wichtig. „Wir können nicht nur im Freizeitbereich auftreten, die Kooperationen mit den Schulen helfen uns, die Jugendlichen zu erreichen“, erklärt Christian Netti. Er leitet an der Schussentalschule eine Medien-AG, die von den Schülern sehr gut angenommen werde. „Die Schüler können sich auch am Jugendmagazin SPIN ZINE beteiligen und als Redakteure Artikel über jugendrelevante Themen aus der Region verfassen“, so Netti.

Workshop im Skatepark

Beim Kindergipfel mit der 4. Klasse der Schule am Martinsberg konnten die Schüler ihre Ideen für neue Freizeitangebote in der Stadt einbringen. „Die Schüler haben einen Abenteuerspielplatz vorgeschlagen, da wir in Weingarten viele Spielplätze für kleinere Kinder haben, aber für die Größeren ein solches Angebot fehlt“, erzählt Pahl. Mit den Schülern der Klassen 3 und 4 sowie der Vorbereitungsklasse (VKL), eine Klasse für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen, der Talschule Weingarten hat das Team einen Workshop im Skatepark organisiert. „So sind die Schüler auf das Angebot aufmerksam geworden und haben den Skatepark kennengelernt“, erzählt Raphael Buchmann.

Er organisiert Skate- oder Scooterworkshops und Contests im Skatepark. Die Ausrüstung dazu wird vom Team Jugendarbeit gestellt. „Um nicht jedes Mal mit der Ausrüstung vom Haus der Familie zum Skatepark fahren zu müssen, planen wir einen Container als Büro und Lagerraum neben dem Skatepark aufzustellen“, so Buchmann. Und auch einen Kickkäfig, einen gezäunten Fußballplatz, haben sich schon viele Jugendliche gewünscht – ein Thema, mit dem sich nun auch der Jugendgemeinderat beschäftigt.

Mehr Raum für kulturelle Veranstaltungen

Die Jugendgemeinderäte werden vom Team Jugendarbeit mitbetreut und bei ihrer Arbeit unterstützt. „Wir recherchieren gemeinsam mit den Jugendlichen zu verschiedenen Themen, sodass sie eine gute Grundlage für ihre Entscheidungen haben“, erklärt Pahl. Ein drängendes Thema seien die kulturellen Angebote für jüngere Leute. Die Jugendlichen und junge Heranwachsenden hätten das Gefühl, dass das aktuelle Kulturangebot weiterentwickelt werden müsse. Sie wünschen sich einen besseren Ausgleich zwischen den Angeboten, aber auch mehr Räumlichkeiten, die für solche Veranstaltungen genutzt werden können. „Häufig kommen die Jugendlichen und Studenten mit konkreten Ideen zu uns, aber dann sind unsere Räumlichkeiten ausgebucht und wir können keinen anderen Platz für sie finden“, bedauert Pahl. Gemeinsam mit dem Jugendgemeinderat, dem Gemeinderat und der Stadt möchte das Team nach Möglichkeiten suchen und die kommunale Kinder- und Jugendarbeit in Weingarten weiterentwickeln.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen