Volksfeststimmung pur im Lindenhofstadion

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Barbara Sohler

Als die Mannschaft der Ravensburg Razorbacks am Sonntagabend mit einem überlegenen Sieg gegen die Kirchdorf Wildcats zum ersten Mal in die 1. German Football League (GFL1) einzieht, sind knapp 1700 Menschen im Lindenhofstadion. Um ihre Mannschaft zum Sieg zu tragen, einzupeitschen, richtig amtlich Lärm zu machen. Dabei sind solche Game-Days beileibe nicht nur was für Sportfans.

Dass praktisch ab Schlag 14 Uhr die Wolken permanent feine Wasserfäden über dem Lindenhofstadion ablassen, das scheint an einem Tag wie diesem für den hartgesottenen Fan des American Football keine Rolle zu spielen. Bereits auf dem Parkplatz glühen die ersten Anhänger der Razorbacks unter einem grünen Pavillon vor. Männercliquen, Frauen mit Kinderwagen, Mädchen mit Hunden, ganze Familien strömen an ihnen vorbei, auf den Stadioneingang zu. Alle scheinen die Lammfellsohlen in die Trekkingschuhe gelegt und das Vlies unter das Trikot gezogen zu haben. Denn wer jemals ein Footballspiel selbst bestritten hat und ein Trikots besitzt, trägt das auch. So wie der legendäre Stadion-sprecher Sven Rautenberg, auf dessen weißer Brust die „7“ prangt, mit der er genau einmal selbst für die zweite Mannschaft der Razorbacks als aktiver Spieler aufgelaufen ist.

Günter Staud, neuer Präsident des Fördervereins der Ravensburg Razorbacks trägt kein Trikot – dafür aber die Verantwortung und einen roten Schnellhefter mit etlichen Notizen. Staud ist es auch, der fast unbemerkt Oberbürgermeister Markus Ewald ums Stadionrund schiebt und ihm bei seinem ersten halb-öffentlichen Auftritt nach dessen tragischem Unfall auf die Tribüne hilft.

Staud begrüßt Rolf Wilhelm, Rainer Beck und schüttelt zahllose Sponsorenhände. Für den Bundestagsabgeordneten Benjamin Strasser hat der Chef des Fördervereins einen Platz auf der Ehrentribüne freigehalten. Und Staud hat sowohl die Zahlen im Auge als auch den minutiösen Ablaufplan für diesen so wichtigen Game-Day.

Dass ausgerechnet heute die Wolken dem Ultraleichtflugzeug den geplanten Abwurf des Balls zum Kick-off verunmöglichen? Kein Ding. Dass es weniger US-Cars sind als gewöhnlich, die zum Auftakt eine Stadionrunde drehen? Geschenkt.

Dafür haben wieder einmal knapp 80 Ehrenamtliche unter der Ägide von Vereins-Urgestein Alexander Seyfried dafür gesorgt, dass aus dem Fußballstadion am Weingartner Bahnhof im Handumdrehen am Sonntagnachmittag eine Partymeile mit Musik, eine Eventlocation mit Süßigkeitenstand, Bierterrasse, Fanartikel-Shop und Kaffeebar wird. Auf dass es den Fans auch bei klammem Wetter an nichts fehlen soll, wenn ihre Razorbacks auf dem Feld um den Aufstiegsplatz kämpfen.

„Let’s go defense“, skandieren die Anhänger auf der Heimtribüne. Derweil wuscheln die süßen Cheerleader mit den Lametta-Pompons, hüpfen vor Begeisterung. Die schiere Menge wogt eins ums andere Mal in einer großen Laola-Welle und wilde Fans schwenken Fahnen, treiben die Stimmung und den Puls mit Trommel und Tröte in die Höhe. Pure Volksfeststimmung.

„Manchmal hilft Heile-Heile-Segen und ein bisschen Pusten“, sagt Simone Rupp-Reising leise, als einer der dunkelgrau gekleideten Gegner unsanft von einem Razorbacks-Spieler zu Boden gerissen wird und erst einmal liegen bleibt. Die Intensivschwester aus Ravensburg muss es ja wissen. Als Spielermama ist der bunte Game-Day für sie und ihren Mann Sascha Reising die ganze Saison hindurch Ehrensache. Wenn sie nicht dabei sein können, dann verfolgen sie jedes Spiel der Razorbacks im Livestream. Den haben auch heute wieder mehr als 800 Football-Fans geguckt. Wanda und Michael Geiger aus Berg haben ihre vier Kinder im Schlepptau und sind tatsächlich pünktlich zum wichtigsten Spiel in der Razorbacks-Geschichte zum allerersten Mal im Stadion. Wie sich das anfühlt? Wanda Geiger hat vor Aufregung ein bisschen rote Wangen und scheint bereits angefixt. „Wir kommen auf jeden Fall wieder“, sagt die vierfache Mutter.

Dazu werden sie und die anderen Anhänger der Razorbacks auch in der nächsten Saison reichlich Gelegenheit haben. Am ersten Maiwochenende 2020 laufen die Razorbacks zu ihrem ersten Spiel in der GFL 1 auf.

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