Theologe hält Abendmahl-Passus der „Ravensburger Erklärung“ für problematisch

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Kirche von innen
Beim gemeinsamen Abendmahl zeigt sich die Spaltung der katholischen und evangelischen Kirche. Die Spaltung zu überwinden stößt auf Zustimmung, aber auch auf Ablehnung. (Foto: dpa)
Anton Wassermann

Seit dem offenen Streit mit Diözesanbischof Gebhard Fürst über die „Ravensburger Erklärung“ beschäftigen sich Katholiken und Protestanten im mittleren Schussental besonders intensiv mit der Frage, wie sie es mit gegenseitigen Abendmahlbesuchen halten sollen.

Der Bischof hat von den katholischen Seelsorgern verlangt, dass sie ihre Einladung an die evangelischen Christen zum Empfang der Kommunion zurücknehmen.

Die Kirchengemeinde St. Maria in Weingarten hatte am Dienstagabend zu einem Vortrags- und Diskussionsabend mit dem Münchner Dogmatiker und Professor für ökumenische Theologie, Bertram Stubenrauch, eingeladen und sich ebenso wie die Kooperationspartner, die evangelische Gesamtkirchengemeinde Weingarten und die katholische Erwachsenenbildung (keb) Ravensburg, klärende Worte erhofft, wie sie in der verfahrenen Situation weiterkommen könnten.

Endpunkt der Ökumene

Wer sich von dem Gast eine theologisch fundierte Unterstützung einer überkonfessionellen Einladung zum Abendmahl erhofft hatte, ging ebenso ratlos nach Hause wie er oder sie gekommen war. „Ein Glaube. Eine Taufe. Ein Abendmahl?“, lautete das Thema des Abends. Dabei unterstrich der Gast aus München gleich zu Beginn seiner Ausführungen die offizielle Position der katholischen Kirche, indem er feststellte:

„Eine gemeinsame Eucharistiefeier muss der Endpunkt der Ökumene sein.“ Die Spaltung der Kirche könne nicht dadurch überwunden werden, dass man den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht. Stubenrauchs Rat lautete, jeder müsse hier nach seinem persönlichen Gewissen handeln.

Gemeinsamkeiten sieht der Dogmatikprofessor in der Zeit vor dem beginnenden Mittelalter und verwies dabei auf die Kirchenväter Ambrosius, Augustinus und Hyronimus. Dass sich schon sehr früh die Ostkirchen von Rom getrennt haben, führte Stubenrauch auf unterschiedliche Mentalitäten zurück, die zur Folge gehabt hätten, dass die orientalischen Christen das Primat des Papstes ablehnten.

Geblieben sei hingegen das Grundverständnis von Sakramenten, die nicht als individuelle göttliche Gnadenerweise verstanden würden, sondern als Akt der Gemeinschaft. Sie seien aus Sicht der Kirchenväter nicht Ausdruck persönlicher Frömmigkeit, sondern ein sozialer Akt. Damit werde der Glaube auch Ausdruck sozialer und kirchlicher Einheit.

Gemeinsames Verständnis von Kirche

Stubenrauch sieht bei den christlichen Konfessionen ein unterschiedliches Kirchenverständnis. In seinem Bemühen, die von gravierenden Missständen geprägte Kirche zu reformieren, habe Martin Luther die kirchliche Hierarchie gesprengt, über die es berechtigte Beschwerden gegeben habe.

Die Reformation habe zu unterschiedlichen Auffassungen von Kirche geführt. „Man muss die Unterschiede im Denken verstehen und sie freilegen“, meint Stubenrauch, der dafür plädierte, die konfessionellen Profile zu erhalten, „weil sie sich so gegenseitig korrigieren können“.

„Sind wir nicht so weit, dass wir in der Lage sind, uns gegenseitig einzuladen zu Eucharistie und Abendmahl?“, wollte Pfarrer Benno Ohrnberger wissen. Man könne Eucharistie nur gemeinsam feiern, wenn es eine Abendmahlgemeinschaft gibt.

Und die setze ein gemeinsames Verständnis von Kirche voraus, entgegnete der Referent: „Mir geht es darum, zu respektieren, was dem Anderen heilig ist.“ Daher sprach er sich gegen eine offizielle Einladung zum gegenseitigen Eucharistie- beziehungsweise Abendmahlbesuch aus, weil damit unterschiedliche Auffassungen von Kirche verwischt würden.

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