Tablets sind die Schulhefte der Zukunft

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Schüler lernen in Wutöschingen an der Gesamtschule an ihren Schreibtischen. Jeder Schüler an der Alemannenschule hat ein Tablet.
Schüler lernen in Wutöschingen an der Gesamtschule an ihren Schreibtischen. Jeder Schüler an der Alemannenschule hat ein Tablet. Klassenzimmer gibt es nicht mehr. (Foto: dpa)

Kaum ein Schlagwort wird derzeit von Politikern, Wirtschaftsbossen und Fachleute für Informationstechnologie (IT) so häufig benutzt wie der Begriff „Digitalisierung“. Wir leben in einer „digitalisierten Welt“, deren Entwicklung noch lange nicht am Ende ist und die noch erahnte oder noch ungeahnte Möglichkeiten bietet.

Doch was ist eigentlich mit „Digitalisierung“ gemeint? Eine umfassende Definition des Begriffe ist gar nicht so einfach, wie Thomas Reith, IT-Leiter Forschung beim Pharmakonzern Boehringer Ingelheim feststellte. Reith sprach anlässlich des Praxisforums „Lernen für eine neue Welt – Digitalisierung in Schule und Ausbildung“ in der Aula der PH Weingarten. Denn bei genaueren Hinsehen wird eines deutlich: Jeder scheint darunter etwas anderes zu verstehen. Für manche ist Digitalisierung, das Handy zu benutzen, für andere, das schnelle Internet oder das papierlose Zeitalter oder - um noch ein Schlagwort unserer Zeit zu benutzen –„Big Data“, sprich: Immense Datenmengen.

2,5 Trilliarden Daten pro Tag

Gerade letzteres ist für Unternehmen von großer Bedeutung, da ihnen Informationen über Maschinen aber insbesondere über Kunden wichtige Erkenntnisse für künftige Entscheidungen liefern. Je mehr Informationen man hat, desto besser und genauer lassen sich Produkte kreieren, die genau den Ansprüchen der Kunden entsprechen. Pro Tag werden etwa 2,5 Trilliarden Daten gesammelt. Tendenz steigend. 90 Prozent des bisherigen Datenaufkommens entstanden allein in den letzten zwei Jahren. Und die Datenflut wird noch steigen, wie Reith sagte.

Was ist also mit „Digitalisierung“ gemeint? Es ist „die zielgerichtete Nutzung von Informationstechnologie“, so die Definition des Boehringer Manns. Jedoch nicht um der Nutzung willen, sondern zum eigenen Nutzen, um schneller und bequemer zu arbeiten oder den Alltag zu bewältigen.

Hierzu zählt er neben Smartphones, die den Alltag längst erreichte haben, beispielsweise auch Roboter.

Die Angst, der Mensch mache sich mit Informationstechnologie selbst überflüssig und vernichte Arbeitsplätze hält Reith für unbegründet und zieht den Vergleich, als Roboter die menschliche Arbeitskraft in Fabriken zu ersetzen begannen. Die riesigen Fertigungshallen beispielsweise der Automobilbranche gleichen heutzutage Geisterstädten. Dafür seien andere Arbeitsplätze entstanden.

Schulen stehen vor Wandel

Und in der Schule? Verglichen mit der Industrie stecken deutsche Bildungsstätten in den Kinderschuhen. Immerhin ist der Informatikunterricht mittlerweile fester Bestandteil des Unterrichtsplans, doch das Equipment stammt oft aus dem letzten Jahrhundert. Und ein Blick in die 170-jährige Unterrichts Geschichte des Schulunterrichts verrät, dass sich zwischen damals und heute kaum etwas verändert hat. Das Prinzip, ein Lehrer steht vor einer Klasse und vermittelt den Unterrichtsstoff mittels einer Tafel, hat sich nicht wirklich grundlegend geändert.

Doch steht für ihn eines fest: Die Digitalisierung ist da und geht nicht mehr weg. Wie die JIM-Studie 2017 hervorbrachte nutzen 97 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren besitzen ein Smartphone. Über 70 Prozent ein Computer oder Laptop.

Oft werde die mangelhafte Ausstattung öffentlicher Lehranstalten mit fehlendem Geld begründet. Das sei zwar nicht von der Hand zu weisen, meinte Zylka und die angekündigten zusätzlichen fünf Milliarden Euro für Bildung seien bei weitem nicht aussreichend diese Lücke zu füllen. Doch an der Technik allein scheitere die Realisierung nicht. Man müsse sich schon auch ganz genau überlegen, was man als Schule damit machen möchte.

Die Alemannenschule in Wutöschingen, an der Zyklka tätig ist, gehört zu den Musterbeispielen für eine Schule der Zukunft. Es gibt keine Klassenräume mehr. Alle Schüler ab der fünften Klasse aufwärts haben ein Tablet, Informationen für die Lehrkräfte sind in einem Wiki organisiert. Die Kinder lernen nicht nur etwas über Digitalisierung, in dem sie Computer komplett zerlegen und wieder zusammensetzen, sondern auch mit Digitalisierung. Die Tablets werden zu den Schulheften der Zukunft.

Doch nicht allein die Schüler werden sich an den Umgang mit Tablets gewöhnen müssen. Auch die Lehrer müssen hier in Zukunft etwas dazu lernen. Denn wie Thomas Reith betonte: „Wir brauchen die Digitalisierung um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

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