Studie: Jugendliche verlassen sich leichtfertig auf Google

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 Schüler in der Bodenseeregion überschätzen sich in der Fähigkeit, digitale Informationen richtig zu nutzen.
Schüler in der Bodenseeregion überschätzen sich in der Fähigkeit, digitale Informationen richtig zu nutzen. (Foto: Hannes Thalmann/IBH)
Schwäbische Zeitung

Jugendliche aller Bodensee-Anrainerländer haben Nachholbedarf bei der Recherche und Bewertung von digitalen Informationen. Das ist laut einer Pressemitteilung das Ergebnis einer Studie der Internationalen Bodensee-Hochschule mit den Pädagogischen Hochschulen Weingarten und Vorarlberg sowie den Universitäten St. Gallen und Liechtenstein. Die Experten haben daher einen Online-Kurs entwickelt und fordern Maßnahmen in der Lehrerbildung sowie im Unterricht.

Eine aktuelle Studie der Internationalen Bodensee-Hochschule zeigt: Jugendliche, die mit den Möglichkeiten von sozialen Netzwerken und des Internets aufwachsen, verlassen sich leichtfertig auf die Ergebnisse einfacher Google-Recherchen. Für das Projekt „Messen und Fördern der Informationskompetenz von Digital Natives im Bodenseeraum“ befragten die Universitäten St. Gallen und Liechtenstein sowie die Pädagogischen Hochschulen Vorarlberg und Weingarten 434 Schüler im Alter zwischen 15 und 19 Jahren aus Baden-Württemberg, Vorarlberg, Liechtenstein und der Ostschweiz. „Die Ergebnisse bestätigen unsere Befürchtungen, dass Jugendliche online verfügbare Informationen nutzen, ohne die Qualität oder Herkunft zu hinterfragen“, wird Projektleiterin Katarina Stanoevska-Slabeva, Professorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen, in dme Schreiben zitiert. „Mehr noch: Die Jugendlichen schätzen sich bezüglich ihrer Informationskompetenz besser ein, als sie tatsächlich sind.“

Für die Schule nutzen Jugendliche in allen vier Bodensee-Anrainerstaaten vor allem Wikipedia (88 Prozent) und Youtube (69 Prozent). Blogs und andere Plattformen spielen mit 14 beziehungsweise 20 Prozent eine untergeordnete Rolle. Auch von den Lehrern werden im Unterricht vor allem Wikipedia und Youtube eingesetzt. WhatsApp wird von über 90 Prozent der Jugendlichen zum Austausch mit Mitschülern über den Schulstoff verwendet, auch Hausarbeiten werden häufig hochgeladen. Relevante Unterschiede zwischen den Ländern gibt es laut der „Digital Natives“-Studie nicht. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler sind sich einig: Der Umgang mit Informationen sei so der Pressebericht ist eine Schlüsselkompetenz für die Gesellschaft, aber auch für die Wirtschaft. Informationskompetenz ist von der Bedeutung für das Leben und Arbeiten in einer digitalen Gesellschaft „vergleichbar mit dem Programmieren“.

Eine gute Möglichkeit sehen die Beteiligten aller vier Hochschulen im Angebot eines Online-Kurses zum Thema. Eine erste Version eines solchen „Massive Open Online Course“ (MOOC) haben diese im Rahmen des Projekts entwickelt. Er enthält Erklärvideos und Lernmaterialien, Arbeitsaufträge und ein Quiz zur Überprüfung des Lernerfolgs. Lehrer können Module auswählen und im Unterricht einsetzen.

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