Studenten campieren auf dem Campus

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Konstantin Widenhorn (rechts oben) und Sebastian Schwarzer leben im Wohnmobil. (Foto: Derek Schuh)
Dirk Grupe

Konstantin Widenhorn (21) und Sebastian Schwarzer (26) studieren an der Hochschule Ravensburg Weingarten im ersten Semester Sozialarbeit. Vom ersten Tag an mussten sie feststellen, dass allein soziales Zusammenleben harte Arbeit sein kann – denn die Beiden leben in einem Wohnmobil. Das auf dem Campus der Hochschule in Weingarten steht. Leibnitzstraße, gegenüber Gebäude B. „Wir haben einfach keine Wohnung gefunden“, sagen sie im Einklang. Keine Wohnung, kein WG-Zimmer und auch kein Platz in einem Wohnheim. Nur gut, dass in dieser Not die Eltern von Konstantin Widenhorn ihr Wohnmobil zur Verfügung stellen.

Situation unbefriedigend

Mag Wohnen im Wohnmobil eine ungewöhnliche Lösung für Studenten sein, die Wohnungsnot trifft viele junge Menschen. Zweieinhalb Monate nach Semesterbegin haben noch immer nicht alle Studenten eine Bude gefunden. Besonders ausländische Studenten tun sich bei der Suche schwer, was Christine Lauer, Leiterin des Akademischen Auslandsamtes der Hochschule Ravensburg Weingarten, bestätigt: „Die Situation ist überhaupt nicht befriedigend.“

Erhält ein Student aus dem Ausland einen Studienplatz, bewirbt er sich in der Regel umgehend um einen Platz in einem Studentenwohnheim. „Von allen Studenten, die sich fristgerecht beworben haben, hat aber nur die Hälfte einen Wohnplatz bekommen“, sagt Christine Lauer. Die andere Hälfte steht ohne Sprachkenntnisse zunächst auf verlorenem Posten.

Auch die Stadt Weingarten hat erkannt: „Viele Neu-Studenten haben selbst wenige Wochen nach Semesterbeginn ein existentielles Problem: Sie finden kein WG-Zimmer, geschweige denn eine bezahlbare eigene Wohnung.“ Oberbürgermeister Markus Ewald appelliert daher an potentielle Vermieter: „Bitte stellen Sie leer stehenden Wohnraum zur Verfügung. Ob Einzelzimmer, Wohnung oder WG – alles zählt.“ Die Verwaltung übernimmt über ihre Wohnungsbörse die Vermittlerrolle.

Weingarten kann aber noch mehr tun – und das geplante Studentenwohnheim des Studentenwerkes Weiße Rose auf den Weg bringen.

Warten auf das neue Wohnheim

Eigentlich sollte es längst stehen, doch der einst vom Gemeinderat verabschiedete Kompromiss mit einer begrenzten Zahl an Wohnheimplätzen hat sich als unwirtschaftlich für das Studentenwerk erwiesen. Ein neuer Entwurf, mit einer höheren Anzahl an Plätzen, soll im Dezember in den Gemeinderat kommen.

Bis dahin hat Konstantin Widenhorn auch sein Platz im Wohnmobil gegen eine eigene Wohnung getauscht, einen entsprechenden Mietvertrag hat der 21-Jährige bereits unterschrieben. Sein Kumpel Sebastian Schwarzer dagegen muss weiter suchen. Und dürfte ohne das Wohnmobil des Freundes bald ein Zelt auf dem Campus aufschlagen.

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