Sorge um einzigartigen Naturraum

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Oberbürgermeister Markus Ewald betonte im Wahlkampf zur OB-Wahl im Jahr 2016 öffentlich klar, dass es mit ihm eine Reutebühl-Be
Oberbürgermeister Markus Ewald betonte im Wahlkampf zur OB-Wahl im Jahr 2016 öffentlich klar, dass es mit ihm eine Reutebühl-Bebauung nicht geben wird – und bestätigte das nun erneut. (Foto: Reinhard Jakubek)

Ökologisch gesehen ist es der wohl wertvollste Fleck Weingartens. Das Gebiet um Reutebühl, Kreuzberg und Hallersberg. Ob Amphibien oder Reptilien, Vögel oder Fledermäuse, Pflanzen oder Insekten: Weiher, Wald und Wiese bilden einen einzigartigen Naturraum. Nun hat der Regionalverband in seiner Sitzung am vergangenen Freitag in einem ersten Entwurf entschieden, dass der sogenannte Grünzug des Reutebühls verkleinert werden soll. Das wiederum würde es theoretisch möglich machen, in dem frei gewordenen Gebiet zu bauen. Daher befürchten nun engagierte Naturschützer der SPD, die Stadt wolle die Situation ausnutzen, um neue Wohnungen zu schaffen. „Der OB sucht immer nach Einkommen durch Grundstücksveräußerungen“, erhebt Stadträtin Doris Spieß schwere Vorwürfe. „Es gab immer wieder Anzeichen, dass er immer noch den Dollar-Blick auf den Reutebühl hat. Er hat das noch vor.“

Rückblick: Schon seit vielen Jahren ist der Reutebühl ein Streitthema. Schon im Jahr 2010 hatte die Stadtverwaltung einen alten Hof im Reutebühl 18 an einen privaten Besitzer verkaufen wollen, der dort eine Villa errichten wollte. Doch durch Gutachten wurde das Gebiet als ökologisch wertvoll eingestuft, nicht zuletzt wegen schützenswerten Fledermäusen, so dass sich Widerstand gegen die Pläne formierte. Letztlich wurde der öffentliche Druck so groß, dass die Verwaltung das städtische Grundstück nicht verkaufte. Spätestens seit dieser Episode hatten Naturschützer des Nabu und des BUND ein besonderes Auge auf den Reutebühl.

Daher kochte das Thema auch wieder hoch, als der Gemeinderat im Jahr 2014 ein Grünraumkonzept verabschiedete. Auf den Reutebühl bezogen war das den Naturschützern zu unverbindlich. Man habe es versäumt, feste Tabuzonen einzurichten, so das Credo des Naturschutzbundes. Der Status „besonders schützenswert“ aus dem Grünraumkonzept reichte dem Nabu nicht aus. Sie forderten einen „geschützen Grünbestand“, den es aber bis heute nicht gibt. Und genau das fällt aktuell wieder ins Gewicht. Schließlich sind im aktuell gültigen Flächennutzungsplan von 1995 sogenannte Baufenster für den Südwesten des Reutebühls ausgewiesen. Das sind Flächen, die bei Bedarf als Bauland genutzt werden könnten Allerdings hatte die Stadtverwaltung stets betont, dass diese Fenster als Ausgleichsflächen dienen sollen, wenn an anderer Stelle Bauflächen ausgewiesen werden. Dann würden die Fenster aus dem Flächennutzungsplan gestrichen werden.

Keine Bebauung

Doch glaubt man der Stadtverwaltung ist das bald ohnehin kein Thema mehr. Aktuell arbeiten die städtischen Planer an einem neuen Flächennutzungsplan, der ab dem Jahr 2025 greifen soll. „Da fliegen die Baufenster raus“, versichert Stadtplaner Jens Herbst. Bis dahin müssen sich die Naturschützer auf den politischen Willen verlassen. Zuletzt hatte sich Oberbürgermeister Markus Ewald zum Reutebühl in seinem Wahlkampf zur OB-Wahl im Jahr 2016 öffentlich geäußert und damals klar gemacht: „Eine Reutebühl-Bebauung wird es mir nicht geben.“ Und genau das unterstreicht er auch jetzt noch auf SZ-Nachfrage. „Es ist der politische Wille der Stadtverwaltung und des Gemeinderates, dass der Reutebühl nicht bebaut wird“, erklärte Ewald. Man sei sich der ökologischen Qualität bewusst. Es gäbe keinerlei Intentionen irgendetwas zu ändern: „Der Reutebühl bleibt so erhalten, wie er jetzt ist.“

Damit dass auch planerisch so kommt hat die SPD einen Antrag beim Regionalverband gestellt, den Grünraum im Reutebühl so zu belassen, wie er im letzten Regionalplan von 1996 festgesetzt ist, um damit den Status Quo beizubehalten. „Wir fühlen uns verpflichtet, diesen Antrag zu stellen“, erklärt Peter Didszun, der für die SPD in der Verbandsversammlung sitzt und der den Antrag gestellt hat. Dieser sei zwar eingegangen, erklärt Verbandsdirektor Wilfried Franke. Allerdings nicht mehr rechtzeitig, so dass er nicht mit in die Unterlagen eingearbeitet wurde. Dennoch wurde er im Gremium behandelt – und abgelehnt (siehe Zweittext). Allerdings wird der Antrag im Zuge der Offenlegung des Regionalplanes Ende des Jahres erneut aufgegriffen.

Unklarheiten gibt es derweil an anderer Stelle. So konnten weder Regionalverband noch Stadtverwaltung sagen, um wie viel Fläche der Grünraum des Reutebühl im neuen Entwurf verkleinert würde. Da gäbe es die verschiedensten Möglichkeiten, von möglichem Hochwasserschutz bis hin zu Wohnraumpotentialen, erklärte Franke hinsichtlich vieler neuer Erkenntnisse seit dem vorigen Regionalplan von 1996. Dabei betonte er aber auch, dass es sich im aktuellen Stadium nur um einen Entwurf der Verwaltung handele. Im Zuge der Offenlegung sollen dann Anregungen und Einwände von allen Seiten gehört und im Optimalfall natürlich auch eingearbeitet werden. Zudem versicherte OB Ewald, der nur von einer etwas klarer definierten Kante und minimalen Verkleinerungen der Fläche ausgeht: „Wir hätten kein Problem mit der Linie von 1996.“

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