Sopranistin Regula Mühlemann verzaubert als Cleopatra

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Hoch gelobt von der Kritik wurden Auswahl und Interpretation auf Regula Mühlemanns 2017 erschienener CD „Cleopatra“, und doch kann eine CD nicht den Live-Auftritt der Schweizer Sopranistin mit dem La Folia Barockorchester ersetzen, wie ihn die Zuhörer am Samstagabend im Kultur- und Kongresszentrum erleben durften.

Cleopatra VII., letzter weiblicher Pharao, Geliebte von Julius Cäsar und Marcus Antonius, hochgebildet, machthungrig und schön – eine Frau, die polarisiert, der Legendenbildung Vorschub geleistet und schon im Barock zahlreiche Künstler inspiriert hat. Allein achtzig Opern sind ihr gewidmet. Zusammen mit dem La Folia Barockorchester unter Robin Peter Müller hat die Sopranistin ein fesselndes, vielfarbiges Programm erarbeitet, das Arien und Instrumentalwerke des 17. und 18. Jahrhunderts von Carl Heinrich Graun, Giovanni Legrenzi, Antonio Vivaldi Alessandro Scarlatti, Johann Adolf Hasse, Francesco Geminiani und Georg Friedrich Händel zusammenführt und ein Frauenschicksal voller Kontraste beleuchtet.

Emotion wird hautnah erfahrbar

Mit Grauns Sinfonia aus „Cesare e Cleopatra“ beweist das Barockensemble schon zum Einstieg eindrücklich sein befreites Spiel, seine sprühende Energie, die die Emotionen hautnah erlebbar macht. Bestechend ist die Klangsinnlichkeit der historischen Instrumente, der wogende Dialog der hohen und tiefen Streicher, der Klang von Barockoboen, -fagott und Gambe.

Mit der Arie der Cleopatra aus derselben Oper tritt Regula Mühlemann auf im golddurchwirkten Mantel mit langen Kimonoärmeln über schwarzem Samtfutteral, die Haare streng geknotet, die Augen ägyptisch geschminkt. Leicht wie ein Vogel ist ihre Stimme, virtuos fließen die Koloraturen, führen dramatisch hinein in den Sturm auf dem Meer. Lyrisch warm folgt das zarte Liebesversprechen in Legrenzis „Antioco il Grande“: „Wenn deine Seele geplagt wird, dann gebe ich dir meine Liebe.“ Liebe und Tod, Stürme, Raserei und Ergebenheit begleiten die musikalische Reise in diesem glücklichen Zusammenwirken von Stimme und Instrumenten.

Von mitreißender Frische sind die drei Sätze von Vivaldis Violinkonzert D-Dur „Il Grosso Mogul“, in denen Robin Peter Müller brilliert. Wild und zart wie ein erschrecktes Vögelchen ist sein Solospiel auf der Violine – und diese elektrisierende Unmittelbarkeit soll alt, soll barock sein?

Heftiger Widerstreit in der Seele

Nicht minder vielseitig und unmittelbar berührend klingt der Gesang. Anrührend ist die stille, intime Sehnsucht nach Liebe, nach süßem Frieden in Scarlattis Arie aus „Marc’Antonio e Cleopatra“, voller Zorn und Dramatik bei Vivaldi der Aufruhr, der heftige Widerstreit in der Seele der zwangsverheirateten Vorgängerin Cleopatra II. Und immer ist da die faszinierende Leuchtkraft der Stimme. Man wird nicht müde, den verschiedenen Schattierungen der Emotionen zu folgen, der zu Herzen gehenden Hoffnungslosigkeit in Händels Arie aus „Giulio Cesare in Egitto“, der wild aufschäumenden Leidenschaft in Hasses Arie aus der Serenata „Marc’Antonio e Cleopatra“. Ein Abend voller Emotionen, dem die Sopranistin ein überraschendes kokettes Duett mit der Harfenistin sowie ein Duett mit der Solovioline folgen lässt.

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