So ist das Leben mit der Ausgangssperre

Lesedauer: 4 Min
 Die Stadt Bron bei Lyon wirkt in Zeiten der Ausgangssperre in Frankreich wie ausgestorben.
Die Stadt Bron bei Lyon wirkt in Zeiten der Ausgangssperre in Frankreich wie ausgestorben. (Foto: Francoise Bonnet)
Margret Welsch

Anders als in Deutschland, haben andere Länder Europas, darunter Frankreich, mit einer Ausgangssperre den Alltag der Menschen in der Zwischenzeit stark reglementiert. So etwa in der Stadt Bron, mit der Weingarten seit mehr als 50 Jahren eine Partnerschaft pflegt. Wie es sich damit lebt, zeigen Stimmen aus der französischen Partnerstadt.

„Wie sind im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind.“ Martialisch schwor Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu Beginn der Woche seine Landsleute auf drastische Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ein. Was eine Ausgangssperre bedeutet, erzählt die in Bron lebende Lehrerin Francoise Bonnet, Präsidentin der „Amitiés Européennes, der französischen Partnerorganisation. „Seit 17. März sind wir zu Hause eingesperrt und mit vielen Verboten belegt, um das Fortschreiten des Virus zu stoppen“, schreibt sie.

Die Stadt sei wie ausgestorben. Nicht mal im August, wenn die Mehrheit der Franzosen im Urlaub sei, wirke Bron so verlassen wie jetzt. Die Busse, die noch fahren würden, seien quasi leer. Nur kurze Zeit am Tag könne man rausgehen, um das Lebensnotwendige oder Medikamente einzukaufen. Den Angaben von Francoise Bonnet zufolge muss man dabei eine Selbstauskunft über den Grund des Gangs ins Freie ausfüllen. Ist dieser nicht als erlaubt gelistet, wie zur Arbeit oder zum Arzt gehen, werde bei einer Polizeikontrolle dieser Verstoß mit einem Bußgeld belegt.

Seit zwei Wochen Schulen geschlossen

Seit gut zwei Wochen sind in Frankreich die Schulen geschlossen. Die Pädagogin versucht über Skype mit ihren Studierenden, so gut es eben geht, den Unterricht aufrechtzuerhalten, zumal mit denen, die im Mai ihre Prüfung ablegen. Dass unter diesen außergewöhnlichen Umständen die Kommunalwahlen in Frankreich abgehalten worden sind, findet Bonnet absurd. Als Wahlhelferin eingesetzt, machte sie die Erfahrung, dass sich Leute im Großen und Ganzen gut an die Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen hielten.

Francoise Bonnet hofft sehr, dass die drakonischen Maßnahmen, die nun eingeführt wurden, auch zum gewünschten Erfolg, zum Eindämmen der Krankheit, führen. Wie gelassen und vernünftig seine Landsleute die Anweisungen hinnehmen, davon berichtet Jean Louis Meunier. In den Geschäften gingen Verkäufer und Kunden sehr respektvoll miteinander um, sagt er. „Die Leute tragen Handschule und zahlen, um Körperkontakt zu vermeiden, nicht mit Bargeld, sondern mit Karte.“

Für Anfang September war eigentlich eine Fahrt der Weingartner Partnerschaftsgruppe nach Bron geplant. Doch auch diese ist bereits jetzt abgesagt worden.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen