Sieben Jahre unterwegs zu Pferd

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Barbara Sohler

In der Reihe Wunderwelten hat Sonja Endlweber mit einer Live-Multivision am Mittwochabend in der Linse den großen Saal gefüllt. Im Vortrag „Der lange Ritt“ zeigte die gebürtige Wienerin hunderte von Aufnahmen von ihrem Abenteuerritt durch Amerika, Kanada und Alaska. Trotz des Schneetreibens waren mehr als 180 Zuschauer gekommen.

Eigentlich ist der Vortragsabend nicht weit entfernt von dem, was sich ehedem ein Diaabend nannte. Damals bestand der aus mehr oder minder gelungenen Fotos vom letzten Urlaub oder der jüngsten Städtereise, unterbrochen von launigen Anekdoten und kleinen Begebenheiten, die dem Reisenden widerfahren waren. Wenn man so will, dann ist Sonja Endlwebers Vortrag auch so ein Diaabend. Mit dem Unterschied, dass die heute 46-jährige promovierte Umweltökonomin einen gut dotierten Job, ihre Wohnung und ihr bürgerliches Leben hinter sich gelassen hat – um sich kurzerhand mit einem Abenteurer auf die wilde Reise quer durch Amerika zu machen. Auf dem Pferderücken. Sieben Jahre lang. 10 000 Kilometer weit. Davon erzählt Endlweber nämlich. Und zeigt dazu Fotos.

In der Ankündigung lässt Sonja Endlweber wissen, sie sei im Herbst 2006 einem „spontanen Entschluss“ gefolgt. Beim Vortrag wird deutlich, was den Entschluss offensichtlich befeuert hat: Sie hatte sich in den Weltenbummler und Lebenskünstler Günter Wamser verliebt, der schon einmal elf Jahre und 20 000 Kilometer mit Pferden unterwegs war. Mit „dem Günter“ als neuem Partner, mit vier Mustangs aus der amerikanischen Prärie und einem furchtlosen Hund, der auch als Beschützer taugt – einem Jack Russell Mädchen namens Leni- wagen sie den langen Weg von der mexikanischen Grenze bis nach Alaska. Nicht nur abseits der Zivilisation sondern auch abseits jedes Weges. Durch Canyons und Valleys. Vorbei an Wasserfällen, wilden Blumen, schroffen Felsen. Treffen auf Grizzlys und Eulen, Dickhornschafe und Stachelschweine.

Etwa die Hälfte der Zuschauer outen sich auf Nachfrage von Sonja Endlweber als Pferdemenschen. Für solche sind natürlich Fragen wie die Beladung der Packpferde (maximal 50 Kilogramm) von Bedeutung. Und die Reiter interessiert natürlich, ob man eine solche Strecke mit beschlagenen oder unbeschlagenen Pferden reitet (Barhufgänger, zeitweise mit Hufschutz) oder warum die Packpferde Maulkorb tragen (damit sie auf dem Trip nicht ständig zum Fressen stehen bleiben). Und die genießen jene Fotos aus dem Vortrag besonders, die Mustangherden, Flussquerungen und Steilhangbegehungen zeigen.

Für die andere Hälfte des Publikums sind die Naturaufnahmen eine Wucht: Denn tatsächlich sind auf dem siebenjährigen Ritt Fotos entstanden, die einer Fotostrecke im National Geographic Magazine würdig wären. Aurora Boeralis, die grünen Nordlichter, in Alaska aufgenommen. Das Bild von Günter, wie er mit seinem Mustang durch einen Wasserlauf reitet. Das rote Zweimannzelt am verschneiten Waldrand.

Blockhaus mit Plumpsklo

Kanufahrten in den Winterpausen, wenn ein Reiten nicht mehr möglich ist, Wochen im Blockhaus mit Plumpsklo und viele liebevolle Fotos um den Hundekameraden Leni – und alles rund um das bescheidene Leben auf dem Pferderücken, das belebt den Abend zusätzlich. Begegnungen mit Menschen in einer Lebenswelt, in der der nächste Nachbar 50 Kilometer entfernt wohnt ergänzen den Vortrag. Und schließlich kommt Endlweber immer wieder zu ihrer persönlichen Essenz des siebenjährigen Abenteuerrittes: Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Man kann viel mehr als man sich zutraut. Und das Leben im Einklang mit der Natur wirft einen zurück auf die wirklich wichtigen Dinge.

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